Mururoa-Atoll Schwimmen in der Atom-Lagune? Kein Problem!

Blitze über der Südsee, Plutonium in der Lagune, verstrahlte Polynesier - 30 Jahre lang zündete Frankreich Atombomben auf dem Mururoa-Atoll. Und entgegnete weltweiten Protesten, Fernsehstrahlung sei gefährlicher.
1 / 18

Sand drüber: Diese Aufnahme des Mururoa-Atolls vom 13. Oktober 1996 zeigt Bassins, in denen Frankreich bei den Tests entstandenen radioaktiven Abfall vergraben wollte. Bis heute lagern auf dem zum Sperrgebiet erklärten Atoll radioaktive Abfälle, nachdem die Grande Nation dort 30 Jahre lang Nukleartests durchführte.

Foto: JEAN-PAUL DUNAN/ AFP
2 / 18

Widerstand: Vor allem in den Neunzigerjahren verstärkten sich weltweit öffentliche Proteste gegen die französischen Nukleartests im Südpazifik - wie hier bei einer Demonstration am 6. September 1995 in Toulouse. Am Tag darauf kam es auf Tahiti zu schweren Unruhen, da Frankreich seine Testreihe ungeachtet der Proteste fortsetzte.

Foto: JEAN-PIERRE MULLER/ AFP
3 / 18

Schrecklich schön: Atombombenexplosion am Mururoa-Atoll im Jahr 1971. 41 solcher atmosphärischen Nuklearwaffentests führte Frankreich hier zwischen 1966 und 1996 durch. Der weitaus größere Teil der Versuche jedoch lief unterirdisch.

Foto: ASSOCIATED PRESS
4 / 18

Unheimliches Glühen: Atombombenexplosion über dem Mururoa-Atoll am 2. Juli 1966. An diesem Tag führte Frankreich seinen ersten überirdischen Nuklearwaffentest dort durch, nachdem Präsident Charles de Gaulle am Vortag den Austritt des Landes aus der Nato erklärt hatte. Bis 1996 sollte die Zahl der französischen Tests dort auf fast 200 steigen.

Foto: AP
5 / 18

Koordinatoren: Im Jahr 1966 begannen die Atombombentests Frankreichs auf dem Atoll, das zu Französisch-Polynesien gehört. Die Aufnahme vom 14. September des Jahres zeigt Alain Peyrefitte (rechts), Minister für Forschung, Atom- und Raumfragen, und Frankreichs Armeeminister Pierre Messmer (links) in Strahlenschutzanzügen auf Mururoa.

Foto: AFP
6 / 18

Skrupellos: Am 9. Juli 1985 verübte der französische Geheimdienst einen Bombenanschlag auf das vor Neuseeland ankernde Greenpeace-Schiff "Rainbow Warrior". Fotograf Fernando Pereira kam dabei ums Leben. Die Besatzung des Schiffs hatte geplant, nach Mururoa zu fahren, um dort die französischen Atomwaffentests zu stören. Das am 1. August 1985 aufgenommene Bild zeigt das Loch, das durch von Tauchern angebrachte Magnetminen in den Schiffsrumpf gerissen worden waren.

Foto: ROSS WHITE/ AFP
7 / 18

Meer, schaumig geschlagen: Am 5. September 1995 ließ Premierminister Jacques Chirac in Mururoa erneut einen Nukleartest durchführen, dem weitere folgten - obwohl bereits im folgenden Jahr der Kernwaffenteststopp-Vertrag unterzeichnet werden sollte und Frankreich bereits angekündigt hatte, in Zukunft auf Simulationstechnologien für die Tests umstellen zu wollen. Die Wiederaufnahme der Tests sorgte für internationale Proteste. Der schwarze Punkt im Zentrum der Aufnahme liegt im Epizentrum der Explosion.

Foto: Associated Press
8 / 18

Störung unerwünscht: Als das Greenpeace-Schiff "Rainbow Warrior" am 9. Juli 1995 in den französischen Seeraum um das Mururoa-Atoll eindrang, stürmte eine maskierte Kommandotruppe der französischen Marine das Schiff. Die Umweltschützer wurden anschließend aus der 12-Meilen-Sperrzone um Mururoa wieder herausgezogen. Zu Schaden kam diesmal niemand - anders als beim Einsatz des französischen Geheimdienstes gegen "Rainbow Warrior" zehn Jahre zuvor.

Foto: MARCEL MOCHET/ Associated Press
9 / 18

Frankreich unter Druck: Mit seinen fortgesetzten Atombombentests in der Südsee rief Frankreich rund um die Welt Proteste hervor. Hier erhebt der philippinische Senator Heherson Alvarez am 1. August 1995 kämpferisch seine Faust bei einer Anti-Nukleartest-Demonstration vor der französischen Botschaft in Manila. Auf den Philippinen wie in vielen anderen Ländern forderten Atomwaffengegner einen Boykott beliebter französischer Produkte, etwa Wein.

Foto: PAT ROQUE/ ASSOCIATED PRESS
10 / 18

Schweres Gerät: Auf dem französischen Testgelände auf dem Mururoa-Atoll wurde am 29. Juli 1995 dieser zylindrische Behälter aufgestellt, später eine Atombombe eingebracht und in einen 1000 Meter tiefen Schacht hinabgesenkt - um im September des Jahres bei einem unterirdischen Test gezündet zu werden.

Foto: AMY PAMINTUAN/ Associated Press
11 / 18

Wellenberg: Die Zündung des Atombombentests "Tethys" brachte am 5. September 1995 das Meer vor Mururoa zum Kochen. Nach einem dreijährigen französischen Moratorium war dies der erste erneute Test - sieben weitere sollten ihm binnen kurzer Zeit folgen.

Foto: MARCEL MOCHET/ ASSOCIATED PRESS
12 / 18

Datensammlung: Ein Motorboot bringt am 5. September 1995 Forscher zur Beobachtungsplattform nahe dem Zentrum einer 35 Minuten zuvor erfolgten unterirdischen Nuklearexplosion am Mururoa-Atoll - der 130. ihrer Art. Auf der schwimmenden Station sollten Messwerte zu dem Atombombentest ausgelesen werden.

Foto: FRANCOIS MORI/ ASSOCIATED PRESS
13 / 18

Staatsmann im Strahlenschutzanzug: General Charles de Gaulle (rechts) wohnt im September 1966 einem Atombombentest nahe Mururoa bei. Begleitet wurde der französische Präsident dabei (von links nach rechts) von Alain Peyrefitte (Minister für Forschung, Atom- und Raumfragen), Pierre Billotte (Minister für Überseegebiete) und Armeeminister Pierre Messmer.

14 / 18

Aufnahme aus dem Orbit: Satellitenbild des französischen Testgeländes auf dem Mururoa-Atoll vom 26. Mai 1967. Die Gefahren verschwieg Frankreich weitgehend vor den eigenen Angestellten und erst recht vor den einheimischen Polynesiern.

Foto: USG
15 / 18

Zerstörung im Südseeidyll: Atompilz einer Nuklearexplosion auf Mururoa während französischer Tests im Jahr 1971. Schon im September 1962 hatte Frankreich beschlossen, das abgelegene Südseeatoll für Kernwaffentests zu verwenden. Die von 1966 bis 1996 durch die Tests verursachten Umweltschäden sollten verheerend sein.

Foto: ullstein bild
16 / 18

Gott spielen: Nach einer 34-Kilotonnen-Explosion breitet sich 1971 bei dem Nuklearwaffentest "Dione" eine riesige, glühende Wolke über dem Südpazifik bei Mururoa aus. Seinen Namen verdankte der Test der Mutter der Aphrodite aus der griechischen Sagenwelt, in der Dione als eine der das Meer bewohnenden Okeaniden, der Töchter von Okeanos und Tethys, bezeichnet wird.

Foto: ullstein bild
17 / 18

Bombentyp: Ein Demonstrant greift am 30. September 1995 während eines Protestmarsches in Paris den berühmten Ausspruch "L'État, c'est moi!" ("Der Staat bin ich!") durch den französischen König Ludwig XIV. auf. Verkleidet als Atombombe mit der Nachbildung eines von einer Nuklearexplosion entstellten Jacques Chirac, auf ihrer Spitze legt ein Schild dem Premierminister das Zitat "Die Bombe bin ich!" in den Mund.

Foto: FRANCOIS MORI/ ASSOCIATED PRESS
18 / 18

Der singende Camembert: Und was verbindet den Moderator Markus Lanz mit Mururoa? Fun Fact: dass die Atomtests ihn 1995 seinen Job kosteten. Damals machte sich Frankreichs Premier Jacques Chirac durch sein Beharren auf den Atomtests viele Feinde, die ihn unter anderem mit "Fuck Chirac" beschimpften. Unter diesem Titel, der auch den Refrain bildete, veröffentlichte auch Markus Lanz einen Protestsong, zusammen mit zwei Kollegen als "Le Camenbert radioactif". Darunter lag ein stumpfer Eurodance-Beat, das Stück ist völlig zu Recht vergessen und auch kaum noch zu finden (außer zum Beispiel hier) . Lanz arbeitete beim Privatsender Radio Hamburg, hatte schon Abmahnungen kassiert und spielte diesen Song in der Morgenshow - worauf ihn die Senderleitung feuerte. Direkt geschadet hat es Lanz nicht, er ging dann zu RTL und später zum ZDF.

Foto: Malte Christians/ picture alliance / dpa
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.