Deutschland nach '45 Trümmerfrauen, Schwarzmarkt, Flüchtlinge - eine Zeitreise

Städte in Trümmern, Hunger und Kälte, GIs und Kohleklau - und zugleich die Hoffnung auf ein besseres Leben. Zeitzeugenberichte aus Nachkkriegsdeutschland von 1945 bis 1949.
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Verzweifelte Suche nach Brennmaterial: Ein Mann 1946 beim Holzhacken in Berlin - dieser Baumstumpf war im einst so prächtigen Tiergarten noch übrig. Im November 2017 startete die einestages-Redaktion einen Zeitzeugen-Aufruf. Daraufhin meldeten sich mehr als 500 Menschen, um uns ihre persönlichen Erfahrungen aus der Nachkriegszeit zu schildern.

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Ende des Krieges, Schluss mit den Durchhalteparolen: Drei britische Soldaten, 1945 in der Stadt Goch in Nordrhein-Westfalen. Deutschland wurde nach der Kapitulation am 8. Mai 1945 in vier Besatzungszonen aufgeteilt, Improvisation prägte überall den Alltag im Kampf ums Überleben.

Foto: EDDIE WORTH/ AP
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Die Ruinen von Dresden: Zum Kriegsende lagen zahlreiche deutsche Städte in Schutt und Asche, darunter Berlin, Hamburg, Hannover, Köln. Mitte Februar 1945 hatten die Alliierten auch Dresden bombardiert und fast vollständig zerstört.

Foto: Deutsche Fotothek / Walter Hahn
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Als der bittere Winter nahte: Wiesbadener Kinder suchen im November 1946 in zerstörten Gebäuden nach Kohleresten. Überlebenswichtig, denn die Temperaturen sanken alsbald auf bis zu minus 20 Grad. Im Extremwinter 1946/47 starben viele tausend Menschen in Deutschland an den Folgen von Hunger und Frost.

Foto: ullstein bild
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Fringsen: Wer keine Kohle hatte, der nahm sie sich - wie diese Kinder zwischen den Bahnhöfen Hamburg und Altona (Foto von 1946). "Fringsen" hieß das damals, benannt nach dem Kölner Erzbischof Josef Kardinal Frings. Der Kirchenmann hatte Kohleklau und anderen Diebstahl in der Silvesterpredigt 1946/47 in Notsituationen für moralisch gerechtfertigt erklärt.

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Trümmerfrauen: Viele Männer waren im Krieg gefallen oder noch in Gefangenschaft, die Frauen umso mehr gefordert. Auch mit schwerer körperlicher Arbeit leisteten sie viel bei der Beseitigung von Gebäudeteilen in zerstörten Städten und beim Wiederaufbau, wie hier im Dezember 1948 in Berlin.

Foto: ASSOCIATED PRESS
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"Tschocklett plies!" Das riefen Kinder am Straßenrand den amerikanischen Soldaten zu - und wurden erhört (Foto von 1945). Die GIs schenkten ihnen Schokolade und Kaugummi, aber auch Apfelsinen und Peanut Butter, bis dato völlig unbekannte kulinarische Köstlichkeiten.

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Versuch der Umerziehung: Das Foto zeigt Bürger aus Burgsteinfurt Anfang Juni 1945 auf dem Weg ins Kino. Um ihnen die Nazi-Gräueltaten vor Augen zu führen, zeigten britische Soldaten dort einen sechsminütigen Film, den alliierte Truppen in den befreiten Konzentrationslagern von Bergen-Belsen und Buchenwald gedreht hatten. 4000 Menschen mussten an der Vorführung von "Atrocities: The Evidence" teilnehmen, der Widerstand dagegen war groß. Das britische Militärmagazin "Soldier" bezeichnete Burgsteinfurt deshalb als "Village of Hate".

Foto: ASSOCIATED PRESS
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Tanzveranstaltung in Berlin: Am 18. Juli 1945 schwoften britische und amerikanische Soldaten mit jungen deutschen Frauen. So feierten sie das Ende des "Fraternisierungsverbotes", das zum Ende des Krieges und unmittelbar danach galt: Alliierte Soldaten sollten keine freundschaftlichen Kontakte zu Deutschen knüpfen, sich keinesfalls "verbrüdern". Das Verbot...

Foto: imago/United Archives International
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...wurde allerdings schon bald schrittweise gelockert und am 1. Oktober 1945 ganz aufgehoben. Hier warten US-Soldaten und zwei "Fräuleins" in Kassel gemeinsam auf einen Zug (Aufnahme von 1945).

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Mit Care-Paketen sicherten amerikanische Helfer das Überleben zahlreicher Deutscher. Die Care-Organisation wurde im November 1945 gegründet, ab Juni 1946 erreichten ihre Nahrungsmittelpakete Europa, hier 1947 Kinder in einem Berliner Lager. Dass die fernen Amerikaner, kurz zuvor noch Kriegsgegner, auf Hilferufe reagierten, grenzte für viele hungernde Deutsche an ein Wunder.

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Auferstanden aus Ruinen: FDJ-Fahne auf einem Berliner Schuttberg - bereits am 7. März 1946 wurde die Freie Deutsche Jugend in der sowjetischen Besatzungszone gegründet und blieb bis zum Ende DDR die einzige Jugendorganisation, die staatlich anerkannt und gefördert wurde.

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Fön gegen Schuhe - und beide Handelspartnerinnen sind zufrieden. Im Nachkriegsdeutschland entwickelte sich ein lebhafter Tauschhandel, 1948 brachte dann die Währungsreform mehr Stabilität.

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Streng verboten: Schwarzmarkthändlern drohten die Amerikaner mit harten Strafen, im täglichen Ringen der Menschen ums Überleben konnten aber auch solche Plakattafeln wenig ausrichten.

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Schwarzmarktrazzia: Dieser Junge hatte Pech - er wurde im Juli 1947 in Hannover von einer Polizistin festgenommen. Schwarzmarkt und Tauschhandel florierten nach dem Krieg, wovon dieses zeitgenössische Gedicht zeugt:
"Den Schmuck hat man als Butter aufgegessen
die Meißner Tassen trägt man jetzt als Schuh
So wächst dem Eigner, was er einst besessen
von Grund auf umgewandelt wieder zu."

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Die Heimkehrer: Das Foto von 1948 zeigt ehemalige Kriegsgefangene, die soeben via Luftbrücke nach Berlin zurückgekommen sind. Mehr als elf Millionen Wehrmachtssoldaten und Angehörige der Waffen-SS befanden sich in Lagern der Alliierten. Aus dem Gewahrsam der USA, Großbritanniens und Frankreichs kamen die meisten bis Ende 1948 frei; aus der Sowjetunion fand die letztere größere Entlassung erst 1955 statt.

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Ersehnte Mahlzeit: Berliner Kinder warten im Februar auf die Ausgabe der Schulspeisung (Foto von 1947). Um die Not der Kleinsten zu lindern, erhielten die Schulkinder in der Stadt schon ab November 1945 täglich eine warme Mahlzeit.

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Schätze aus dem Müll: Auf der Suche nach Essbarem verloren die Menschen jeglichen Ekel - diese beiden wühlen im Abfall eines Kühllagers der US-Armee nach Nahrungsmitteln. Aufgenommen 1947 in Frankfurt am Main.

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Später Fund: Dieses Foto zeigt den Inhalt eines Care-Paketes, das 1946 nach Berlin geschickt worden war und erst 1980 bei einer Wohnungsauflösung gefunden wurde.

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Berliner Luftbrücke: West-Berliner Jungen, die auf einem Trümmerberg stehen, begrüßen winkend ein US-amerikanisches Transportflugzeug, das Versorgungsgüter nach West-Berlin bringt. Als Reaktion auf die Währungsreform in den Westsektoren am 23. Juni 1948 verhängte die UdSSR am Tag danach eine Blockade: Alle Land- und Wasserwege wurden für den Personen- und Güterverkehr zwischen West-Berlin und Westdeutschland gesperrt. Die Versorgung der Westberliner Bevölkerung und der westalliierten Besatzung erfolgte daraufhin durch eine von den USA und Großbritannien errichtete Luftbrücke.

Foto: DPA
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Flüchtlingsalltag 1945: Eine Rotkreuz-Schwester betreut die Kinder in einem der zahlreichen Flüchtlingslager. Insgesamt strömten aus den abgetrennten deutschen Ostgebieten bis zu 14 Millionen Flüchtlinge nach Deutschland.

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Hat mein Bruder nicht etwas mehr Suppe bekommen als ich? Argwöhnisch beäugen die Kinder die Teller ihrer Geschwister - die Mutter wacht darüber, dass es gerecht zugeht. Aufgenommen 1946/47 in Hamburg.

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Schatz in der Erde: Jungen aus dem Flüchtlingslager Laatzen (bei Hannover) bei der Kartoffelnachlese (Foto von 1947). Das "Stoppeln" gehörte für die Kinder zum Nachkriegsalltag: Sie gingen auf schon abgeerntete Felder, um von den Bauern übersehene Kartoffeln, Rüben und anderes aufzusammeln.

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Riskantes Vergnügen: Mit großer Begeisterung spielten die Kinder nach dem Krieg mit Munition oder Kriegsschrott. Nicht wenige verletzten sich dabei - oder verloren gar ihr Leben. Diese zwei Münchner Jungen spielen mit Maschinengewehrpatronen, die sie beim Stöbern in der Infanteriestraße gefunden haben (Foto von 1947).

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Hamstern: Vollbepackt und guter Laune - Kölner Hausfrauen, die im März 1946 von einer Hamsterfahrt zurückkehren. Zu Tausenden zogen die Stadtbewohner nach dem Krieg ins Grüne, um ihre Habseligkeiten bei den Bauern gegen Essbares zu tauschen.

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Als sich die Bundesrepublik formierte: Ein Schild vor der Autobahnabfahrt Bonn weist am 1. September 1948 den Weg zum Parlamentarischen Rat, der bis zum Frühjahr 1949 in Bonn tagte, den Grundstein für den politischen Neuanfang der in Westdeutschland legte und am 8. Mai '49 das Grundgesetz für die Bundesrepublik verabschiedete.

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