NS-Propaganda Einmarsch ins Märchenreich

Der König war immer der "Führer", Rotkäppchens Retter trug das Hakenkreuz: Die Propagandamaschine der Nazis machte auch vor den Kleinsten nicht halt. Systematisch trimmte die deutsche Filmindustrie Kindergeschichten auf Linie - das Umschreiben der Klassiker trieb dabei oft abstruse Blüten. Von Ron Schlesinger
1 / 13

Wer hat Angst vorm bösen Wolf?: Das blonde Rotkäppchen (Eva-Marianne Müller) wundert sich in "Rotkäppchen und der Wolf" (1937) über seine Großmutter.

Foto: Nachlass Fritz Genschow / Deutsches Filminstitut
2 / 13

Nazi-Jäger: In "Rotkäppchen und der Wolf" von 1937 trägt der Waidmann (Fritz Genschow), der den Wolf aufschneidet, Reichsadler und Hakenkreuz an seiner Jägeruniform.

Foto: Nachlass Fritz Genschow / Deutsches Filminstitut
3 / 13

Star und Spitz: Auch populäre Filmstars des "Dritten Reichs" spielten in Märchenfilmen mit. Etwa die Österreicherin Lucie Englisch. In "Frieder und Catherlieschen" (1940) spielte sie die Rolle des Catherlieschens.

Foto: EYE Film Instituut Nederland, Amsterdam
4 / 13

Schneider gegen den Rest der Welt: Anders als der Grimmsche Märchenheld zieht das "Tapfere Schneiderlein" (Hans Hessling, 2.v.l.) 1941 im Nationalsozialismus bewusst in den "Kampf" mit Wildschwein, Einhorn und den beiden Riesen, die das "Reich" bedrohen.

Foto: EYE Film Instituut Nederland, Amsterdam
5 / 13

Triumph des Frosches?: Für die Kameraaufnahmen im Märchen "Der Froschkönig" (1940) war Herbert Kebelmann verantwortlich. Er zählte auch zum Kamerateam für den Riefenstahl-Reichsparteitagsfilm "Triumph des Willens" (1934/35).

Foto: Stiftung Deutsche Kinemathek
6 / 13

Märchen auf Linie: In "Der gestiefelte Kater" (1935), dem ersten Märchenfilm im "Dritten Reich", wird der Held (Paul Walker, l.) zum Erlöser stilisiert: "Heil dem Kater Murr! Er ist unser Erretter! Wir leben wieder!" Zweifellos wollte sich der Produzent Alf Zengerling als regimetreu erweisen.

Foto: Stiftung Deutsche Kinemathek
7 / 13

Mut und Muckis: Auch die Geschichte "Der kleine Muck" von Wilhelm Hauff wurde NS-konform glatt gebürstet. Der Held ist kein physisch benachteiligter Zwerg mit Buckel oder großem Kopf, sondern körperlich in bester Verfassung. Ein vor Mut und Tapferkeit strotzender "Pimpf".

Foto: Stiftung Deutsche Kinemathek
8 / 13

"Echte Liliputaner": Für Regisseur und Produzent Hubert Schonger war "Die Heinzelmännchen" von 1939 ein Märchenfilm. Die Idee ging allerdings auf die volkstümliche Ballade von August Kopisch zurück. Der Presse gefielen vor allem die "echten Liliputaner aus Berlin" in der Rolle der Heinzelmännchen.

Foto: Das Bundesarchiv/Filmarchiv
9 / 13

Nationalsozialistische Märchenstunde: Der Märchenfilm "Die verzauberte Prinzessin" (1939) von Alf Zengerling über den Türken Assad (Hermann Wagner, links) wurde von nationalsozialistischen Presseorganen antisemitisch instrumentalisiert. Der "Filmkurier" titelte am 16. Juli 1939 "Bei den Außenaufnahmen in Sarajewo hetzten Juden" - doch das war nur ein Märchen.

Foto: Stiftung Deutsche Kinemathek
10 / 13

Der König war der "Führer": Und musste er in einem Märchen einmal unpopuläre Entscheidungen treffen, wurden diese sozialpolitisch abgefedert. Als der Regent in "Dornröschen" (1936) zum Schutz seiner Tochter befiehlt, alle Spindeln im Reich verbrennen zu lassen, sorgt er gleichzeitig für den Erwerbsausfall des vom Spinnhandwerk abhängigen Volkes.

Foto: Stiftung Deutsche Kinemathek
11 / 13

Karrieresprungbrett Kinderfilm: Auch "Hänsel und Gretel" wurde im Dritten Reich verfilmt. Für den Hänsel-Darsteller Gunnar Möller wurde der erfolgreiche Märchenfilm von 1940 der Beginn einer Karriere als Kinderstar im Nationalsozialismus.

Foto: Stiftung Deutsche Kinemathek
12 / 13

Auf in den aussichtslosen Kampf: Mit dem ungleichen Wettlauf in "Der Hase und der Igel" (1940) wurde bewiesen, dass ein aussichtsloser Kampf mit Cleverness, Taktik und einer Idee gewonnen werden konnte. Auch die hilfsbereite Igelfrau (rechts) trug dazu ihren Anteil bei.

Foto: Stiftung Deutsche Kinemathek
13 / 13

"Rumpelstilzchen" reloaded: In dem Märchenfilm von 1940 hilft kein irrer Waldkobold in einfacher Kleidung mit zotteligem Haar der Müllerstochter und späteren Königin (Trude Häfelin), sondern ein weißbärtiges Edelmännchen (Paul Walker) in glänzendem Kostüm und einer Kappe aus feinstem Stoff.

Foto: Stiftung Deutsche Kinemathek
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.