NSA-Enthüllungen Chronologie der Snowden-Affäre

Edward Snowden hat die Spähaktionen der NSA aufgedeckt und damit den US-Geheimdienst bloßgestellt. Seitdem ist der Whistleblower auf der Flucht vor der US-Regierung. Von Hongkong reiste er nach Moskau - und bat dort um Asyl. Eine Chronologie der Ereignisse.
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Snowden-Plakat in Kiel: Wohl keine Zeugenvernehmung des Ausschusses im Bundestag.

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Das aktuellste Bild von Edward Snowden (vom 12. Juli): Der ehemalige Mitarbeiter des US-Geheimdienstes NSA hat einen gigantischen Datenskandal aufgedeckt. Im Zentrum: die National Security Agency (NSA). Der Dienst soll über Jahre gigantische Datenmengen aus weltweiten Kommunikationsnetzen abgezweigt haben. Auch die deutsche Regierung gerät in der Affäre immer mehr unter Druck. Seit seiner Enthüllung ist Snowden auf der Flucht. Derzeit hält er sich in Russland auf. Klicken Sie sich durch die Chronologie der Ereignisse.

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5. und 6. Juni: So fing alles an. Der britische "Guardian" und die amerikanische "Washington Post" berichten zum ersten Mal von den Spähaktionen der National Security Agency (hier die Zentrale im US-Bundesstaat Maryland): In großem Stil zapft der Geheimdienst die Rechner von Internetfirmen an, um sich Zugang zu Videos, Fotos, E-Mails und Kontaktdaten zu verschaffen. Auch die Daten von Telefonanbietern werden millionenfach abgegriffen. Das geheime Programm Prism soll es bereits seit 2007 geben.

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7. Juni: US-Präsident Barack Obama (Archivbild) nimmt erstmals zur massiven Kritik Stellung. "Niemand hört Ihre Anrufe ab", sagt er - erfasst würden nur Dauer der Telefonate und Telefonnummern. Prism sei ein wichtiges Mittel im Kampf gegen den Terror.

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9. Juni: Der britische "Guardian" präsentiert den Mann, der hinter den NSA-Enthüllungen steckt. Es ist der damals 29-jährige Techniker Edward Snowden, der in den vergangenen Jahren als Mitarbeiter externer Unternehmen wie Dell in dem US-Geheimdienst tätig war. "Ich will nicht in einer Gesellschaft leben, die so etwas macht", kommentiert Snowden das geheime Ausspähen von Internetdiensten. Er war rund drei Wochen zuvor mit geheimen Dokumenten von Hawaii nach Hongkong geflohen und hofft nun auf Asyl. Die Enthüllungsplattform WikiLeaks unterstützt ihn.

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17. Juni: Snowden beantwortet die Fragen von Internetnutzern auf der Webseite des "Guardian". Außerdem kündigt er weitere Details über die Überwachung von Internetnutzern an.

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19. Juni: Bei seinem Besuch in Berlin verteidigt Barack Obama abermals die Spähaktionen. Sie seien nötig, um das amerikanische Volk zu schützen. Bundeskanzlerin Angela Merkel mahnt hingegen, dass die "Balance und die Verhältnismäßigkeit gewahrt bleiben" müsse.

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21. Juni: Unter Berufung auf Gerichte heißt es in US-Medien, die USA hätten Anklage gegen Snowden wegen Spionage und Diebstahls erhoben. Gleichzeitig berichtet der "Guardian", dass der britische Geheimdienst GCHQ ebenfalls weltweiten Internetverkehr in ungeahntem Ausmaß überwacht.

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23. Juni: Snowden landet aus Hongkong kommend auf dem Moskauer Flughafen Scheremetjewo - obwohl die USA seinen Pass entwertet haben. Ecuadors Außenminister teilt mit, Snowden habe in dem Land Asyl beantragt. Auch über Kuba und Venezuela als mögliche Ziele wird spekuliert. Russlands Präsident Wladimir Putin bestätigt zwei Tage später, dass sich Snowden im Transitbereich des Flughafens aufhält. Eine Auslieferung drohe ihm nicht - auch wenn die US-Regierung diese verlangt.

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29. Juni: Der SPIEGEL berichtet, dass der US-Geheimdienst (im Bild die Zufahrt zur NSA-Zentrale) auch die Europäische Union ausspäht. In den diplomatischen Vertretungen der EU in Washington und bei den Vereinten Nationen in New York seien Wanzen installiert und das Computernetzwerk infiltriert worden.

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30. Juni: Deutschland ist nach SPIEGEL-Informationen (Cover vom 1. Juli) eines der Hauptziele der NSA. Demnach überwacht der US-Geheimdienst jeden Monat rund eine halbe Milliarde Telefonate, E-Mails und SMS. Die Bundesregierung kritisiert die USA dafür scharf: "Abhören von Freunden, das ist inakzeptabel, das geht gar nicht, wir sind nicht mehr im Kalten Krieg", sagt Regierungssprecher Steffen Seibert.

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2. Juli: Auf seiner Flucht vor den US-Behörden bittet Snowden in rund 20 Ländern um Asyl - darunter auch Deutschland. Die Bundesregierung lehnt sein Asylgesuch jedoch ab. Auf diesem Bild demonstrieren Menschen vor dem Kanzleramt in Berlin für eine Aufnahme des US-Bürgers.

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3. Juli: Als der bolivianische Präsident Evo Morales von Moskau zurück in die Heimat fliegt, kommt es zum diplomatischen Eklat: Nach Angaben Boliviens hätten mehrere EU-Länder der Maschine die Überflugrechte verweigert. Der Staatschef muss auf dem Flughafen Wien landen und darf erst nach zwölf Stunden wieder abheben. Gerüchte, Morales verstecke Snowden an Bord, bestätigen sich nicht.

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4. Juli: Merkel und Obama telefonieren wegen des NSA-Skandals. Obama versichert, Bedenken der europäischen Partner sehr ernst zu nehmen, teilt das Weiße Haus in Washington mit. Innenminister Hans-Peter Friedrich kündigt außerdem an, gemeinsam mit einer Delegation zu Gesprächen in die USA zu fliegen.

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6. Juli: Venezuela, Nicaragua und Bolivien bieten Snowden Asyl an - aus "humanitären Gründen". Hier startet eine Maschine in Moskau mit Ziel Havanna. Der Trip über Kuba gilt als eine mögliche Reiseroute Snowdens auf dem Weg nach Südamerika.

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9. Juli: Der Whistleblower nimmt eines der Angebote an und stellt bei den Behörden in Venezuela offiziell einen Asylantrag. Staatschef Nicolás Maduro (im Bild): "Wir haben diesem jungen Mann gesagt: 'Sie werden vom Imperialismus verfolgt, kommen Sie her.'"

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12. Juli: Snowden hält sich noch immer im Transitbereich des Moskauer Flughafens auf. Der geflohene Ex-Geheimdienstmitarbeiter trifft sich mit Vertretern internationaler Menschenrechtsorganisationen. Dabei erklärt er auch, dass er in Russland um temporäres Asyl bitten will.

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12. Juli: Der deutsche Innenminister Hans-Peter Friedrich reist nach Washington: In der US-Hauptstadt trifft er unter anderem mit US-Justizminister Eric Holder zusammen. Nach den Gesprächen sorgt er jedoch keineswegs für die vorher versprochene Klarheit im NSA-Skandal. Es bleibt bei vagen Versprechungen und Informationshäppchen. Die Opposition kritisiert Friedrichs Übersee-Trip als reine Symbolaktion, "Desaster" und "Luftnummer".

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15. Juli: Die Bundesregierung behauptet weiter eisern, sie habe von den US-Schnüffelprogrammen erst vor kurzem erfahren. Das passt so gar nicht zu einem neuen Bericht: Unter Berufung auf US-Geheimdienstler meldet die "Bild"-Zeitung, der deutsche Dienst habe bei Geiselnahmen im Jemen und Afghanistan in den vergangenen Jahren mehrfach gezielt um die von der NSA gespeicherten Internetdaten der Entführten gebeten.

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16. Juli: Edward Snowden hat einen offiziellen Antrag auf vorübergehendes Asyl in Russland eingereicht: Ein entsprechendes Gesuch habe der 30-Jährige unterzeichnet, sagte sein Anwalt Anatolij Kutscherena laut der russischen Agentur Interfax. Der US-Amerikaner habe das Schreiben in der Transitzone des Moskauer Flughafens Scheremetjewo einem Mitarbeiter der Migrationsbehörde übergeben.

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17. Juli: Rätsel um das zweite Prism-Programm: Die Bundesregierung macht die Verwirrung komplett. Laut Regierungssprecher Steffen Seibert verwendet die Bundeswehr in Afghanistan ein Programm mit demselben Namen wie die NSA bei ihren Schnüffeleien in Europa. Beide Programme seien aber "nicht identisch", sagt Seibert unter Berufung auf den Bundesnachrichtendienst. Später stellt sich heraus: Beide Systeme greifen offenbar auf dieselbe US-Datenbank zurück.

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18. Juli: Nun widerspricht auch das Verteidigungsministerium der Darstellung der Bundesregierung. Ein Schreiben aus dem Wehrressort legt nahe, dass das in Afghanistan eingesetzte Software-Tool doch identisch mit dem US-Programm ist. Die Opposition kritisiert, das Kanzleramt habe die Öffentlichkeit gezielt belogen.

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18. Juli: Die Kanzlerin verabschiedet sich in den Sommerurlaub - vorher muss sie jedoch noch einmal zur NSA-Affäre Rede und Antwort stehen. Doch viele Erhellendes hat Angela Merkel nicht zu bieten. Die Kernaussage des 100-Minuten-Termins: "Die Aufklärungsarbeiten sind nicht abgeschlossen. Sie dauern an." Mit konkreter Kritik an den USA geht Merkel sparsam um. Sie stellt aber klar: "Deutschland ist kein Überwachungsstaat."

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21. Juli: Der SPIEGEL deckt auf: Dokumente zeigen, wie die Kooperation zwischen Bundesnachrichtendienst, Verfassungsschutz und der NSA massiv ausgeweitet wurde - und zwar in Merkels Amtszeit. Die deutschen Dienste nutzen ein ergiebiges Werkzeug der NSA. Das Datenprogramm XKeyscore ist ein System, das den Papieren zufolge teilweise sogar für mehrere Tage einen sogenannten Full Take aller ungefilterten Daten aufnehmen kann.

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31. Juli: Enthüllungen des "Guardian" zeigen eine neue Dimension der Überwachung, die Tempora und Prism noch übersteigt: Das Programm XKeyscore ist demnach ein "System zur Ausnutzung von Digital Network Intelligence / Analysestruktur". Der US-Geheimdienst hat damit praktisch unbegrenzten Zugriff auf Internetdaten weltweit.

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1. August: Nach mehr als einem Monat auf dem Moskauer Flughafen Scheremetjewo verlässt Snowden den Transitbereich des Airports und reist offiziell in Russland ein. Laut seinem Anwalt Anatoli Kutscherena hat der NSA-Enthüller vorläufiges Asyl in Russland erhalten - hier ist er mit den neuen Papieren Snowden zu sehen. Der Informant hatte am 16. Juli einen vorläufigen Asylantrag gestellt. Seinem Anwalt zufolge darf er nun für ein Jahr in Russland bleiben.

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