Optographie Was sich vor dem Tod in die Netzhaut brennt

Der letzte Atemzug - der letzte Blick. Was sieht ein Mensch, kurz bevor er stirbt? Die Optographie sollte Verbrecher überführen und Bilder aus dem Grenzraum zwischen Leben und Tod liefern. Die Hoffnungen erfüllten sich nicht. Aber eine Heidelberger Ausstellung zeigt: der Mythos lebt weiter.
1 / 6

Netzhaut eines Kaninchens: Was sieht ein Lebewesen kurz bevor es stirbt? 1975 machten sich Evangelos Alexandridis und sein Kollege Thomas Klothmann von der Universitäts-Augenklinik in Heidelberg daran, den letzten Blick auf der Netzhaut von Kaninchen einzufangen. Dazu narkotisierten sie die Tiere und fixierten sie vor einer Leinwand, auf der sie unterschiedliche Dias projizierten. Dann töteten sie die Kaninchen und präparierten deren Netzhaut. Dieses Tier bekam vor seinem Tod ein Bild des Künstlers Salvador Dalí zu sehen. Der markante Schnurrbart hatte sich deutlich in die Netzhaut "eingebrannt".

Foto: Alexandridis
2 / 6

Kaninchen-Optogramm: Alexandridis und Klothmann legten die präparierten Kaninchenaugen 24 Stunden lang in einer Kalium-Alaun-Lösung ein, nahmen die Netzhaut heraus, und zogen sie auf weiße Porzellankugeln auf. Das Ergebnis: Tatsächlich zeigten die so entstandenen Optogramme, was die Kaninchen als letztes in ihrem Leben gesehen hatten - in diesem Fall die Zahl 75 (in rosa, über dem schwarzen Fleck zu sehen).

Foto: Alexandridis
3 / 6

Beobachtungen zur Anatomie der Retina: Bereits zuvor hatte der Heidelberger Physiologe Wilhelm Kühne erste Optographie-Experimente gemacht. Ein tragischer Mordfall bot dem Gelehrten 1880 die Gelegenheit, seine Erkenntnisse auch an einem Menschen zu testen - die er im Detail schriftlich festhielt.

4 / 6

Seziertes Kuhauge: Das lichtempfindliche Pigment Rhodopsin in den Sehzellen der Netzhaut (Retina) verwandelt optische Reize in elektrische Nervenimpulse.

Foto: Derek Ogbourne
5 / 6

Präpariertes Kaninchen-Optogramm mit Dalí-Bild: Wenn jemand ermordet wird, dann brennt sich ein Bild des Täters in seine Netzhaut ein. Angeblich gestand 1924 ein achtfacher Mörder seine Taten, nachdem man ihn vor Gericht darüber informiert hatte, dass sein Konterfei im Auge des Toten zu sehen war.

Foto: Alexandridis
6 / 6

Kaninchen Optogramm mit Schachbrettmuster (als helle und dunkle Vierecke erkennbar): Kann man mit der Optographie Verbrecher überführen? Ein Opfer müsste seinen Mörder in einem hellbeleuchteten Raum aus der Nähe anstarren, und nur wenn der Täter sofort die Blutzufuhr komplett unterbricht - den Anderen also köpft - und gleich das Licht ausmacht, hätte die Polizei zumindest theoretisch die Chance, auf der Netzhaut des Getöteten etwas erkennen zu können.

Foto: Alexandridis