Fotograf in Ost-Berlin "Das Objekt Hauswald geriet außer Kontrolle"

Er rebellierte mit der Kamera: Der Ost-Berliner Fotograf Harald Hauswald zeigte Hinterhöfe und verfallende Fassaden, Trinker, Punks und Kellerbands. Wer einen unverfälschten Eindruck von der DDR in den Achtzigern bekommen will, kann mit seinen Bildern dorthin zurückkehren.
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Drei ältere Arbeiter, die mit starrem Blick in der Ost-Berliner U-Bahn von der Schichtarbeit kommen und ihren Gedanken nachhängen. Niemand schaut den anderen an, keiner redet, keine Silbe wird gewechselt, Berührungen werden möglichst vermieden. Die russische Mütze tief in der Stirn, altern sie stur vor sich hin. Heute schon längst nicht mehr da, bleibt ihr Bild für immer Gegenwart.

Foto: Harald Hauswald/ OSTKREUZ
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Der Traum vom ersten eigenen Auto - in der DDR brauchte man Geduld. Über ein Jahrzehnt Wartezeit war keine Seltenheit.

Foto: Harald Hauswald/ DPA
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Hauswald hatte ein Auge für den unfreiwilligen Humor, den er bei seinen Streifzügen durch die Straßen entdecken konnte - "Wir sind umgezogen - Nach gegenüber" war angesichts der mangelnden Freizügigkeit in der DDR einfach nur witzig.

Foto: Harald Hauswald/ OSTKREUZ
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"Mandy ist doof" und drei Frauen am Rosenthaler Platz vor einem aufgegebenen Geschäft.

Foto: Harald Hauswald/ OSTKREUZ
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1.-Mai-Demonstration am Alexanderplatz 1987: Ein Regenschauer bringt für einen Moment die vorgesehene Ordnung und das übliche Ritual der Unterwerfung durcheinander.

Foto: Harald Hauswald/ OSTKREUZ
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Grünkohl. Weißkohl. Äpfel. Ein typischer Konsum, den Hauswald in Leipzig sah.

Foto: Harald Hauswald/ OSTKREUZ
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An der Dimitroffstraße, Ecke Schönhauser: So sah sie aus, die "VEB Wohnkultur" im realen Sozialismus. Überall im Lande verfielen die Altbauviertel, ganze Stadtteile brachen in sich zusammen - und in den Parteizeitungen wurde das Wohnungsbauprogramm mit seinen Plattenbauten an den Stadträndern gefeiert.

Foto: Harald Hauswald/ OSTKREUZ
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Berlin im Sommer 1988: Beim legendären Konzert von Bruce Springsteen auf der Radrennbahn Weißensee. Der Rockmusiker ruft "Seid ihr müde?" 160.000 Menschen brüllen zurück "Nein!" Die beiden FDJ'ler im Vordergrund gehören zur Ordnungstruppe, die die Fans zurückhalten sollen.

Foto: Harald Hauswald/ OSTKREUZ
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Berlin 1990, Mainzer Straße: Bei der Räumung von besetzten Berliner Häusern fotografierte Harald Hauswald. Polizisten wollten ihm deswegen Kameras und Filme abnehmen. Doch etliche West-Kollegen protestieren und solidarisieren sich mit ihm - mit Erfolg. Die Polizei muss ihre Absicht aufgeben.

Foto: José Giribás/ OSTKREUZ
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Die typische Fahrtroute der Wagenkolonne mit den vielen schwarzen Volvos von Erich Honecker und anderen Regierungsmitgliedern führte auf dem Weg von Berlin-Mitte zu ihrer abgeschirmten Wohnsiedlung in Wandlitz über die Wilhelm-Pieck-Straße, an der Harald Hauswald 1983 zufällig an dieser Ecke stand.

Foto: Harald Hauswald/ OSTKREUZ
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Straßenszene in Berlin-Köpenick neben dem Rathaus. Während des Hauptmann-von-Köpenick-Festes 1985 wurden riesige Transparente vor völlig verfallene Häuser gehängt, um den Zerfall der Innenstadt zu vertuschen.

Foto: Harald Hauswald/ OSTKREUZ
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Ein Rentner an der Armutsgrenze in der DDR sucht Pfandflaschen in einem Papierkorb auf dem Alexanderplatz. Für Gläser, Wein- oder Bierflaschen gab es zwischen 10 und 30 Pfennig. Hauswald saß auf einer Bank, sah die Szene aus den Augenwinkeln, riss die Kamera hoch und drückte nur einmal ab. "Es war wohl mein schnellstes Bild, ich hatte nicht mal Belichtung und Schärfe eingestellt", erinnert er sich an diesen Moment von 1983.

Foto: Harald Hauswald/ OSTKREUZ
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Farbenpracht vor grauer Fassade: Hauswald fand bei der Aufnahme dieser Häuserecke im Prenzlauer Berg das Nebeneinander von Leichenbestattungen und Fleischerei skurril.

Foto: Harald Hauswald/ OSTKREUZ
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Harald Hauswald auf einer Friedenswerkstatt der evangelischen Kirche im Sommer 1983. Er trägt das Abzeichen der unabhängigen Friedensbewegung "Schwerter zu Pflugscharen".

Foto: SPIEGEL ONLINE
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Landfrauen in einem Dorf an der Elbe sortieren faule Kartoffeln aus, bevor die Ernte im Keller in der Kartoffelstiege eingelagert wird. Das Bild entstand bei einer Tour, die Hauswald mit dem Bürgerrechtler Rüdiger Rosenthal 1984 im Trabi entlang der Elbe machte. Anfangs fuhr ihnen ein Lada mit Stasi-Mitarbeitern hinterher.

Foto: Harald Hauswald/ OSTKREUZ
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Als ob die Zeit stehen bleibt: ein Ost-Berliner Rentner in seiner Stammkneipe 1988

Foto: Harald Hauswald/ OSTKREUZ
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Berlin, Prenzlauer Berg, 1983: die "Gaststätte am Wasserturm" in der Rykestraße. Hier gab es Bockwurst für 85 Pfennig, dazu Kartoffelsalat aus einem Eimer unterm Tresen. Das Bier am Tresen war billiger als an den Tischen. Für alte Männer mit Magenproblemen hielt der Wirt einen kleinen Reisetauchsieder bereit, den sie in ihre Gläser stellten, um das Bier kurz anzuwärmen.

Foto: Harald Hauswald/ picture alliance / dpa
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