Pfingsten 1987 Als die Ost-Berliner ungehorsam wurden

Auf einem Open-Air-Konzert standen Pfingsten 1987 Popgrößen wie David Bowie auf der Bühne am Brandenburger Tor. Unzählige Ostbürger pilgerten an die Mauer, sie wollten wenigstens zuhören. Doch während anderswo längst Perestroika ausgerufen wurde, prügelte die Volkspolizei die Fans nieder.
1 / 17

Unter den Linden: Während in West-Berlin freies Flanieren möglich war, mussten die Ostfans Polizeiposten und Absperrungen umgehen. "Ich wollte wenigstens einmal in meinem Leben den Rockstars so nahe sein wie möglich", erinnert sich einer der Besucher.

Foto: Elke Bruhn-Hoffman/ AP
2 / 17

Pfingstsonntag: David Bowie schickt einen Gruß über die Mauer, "ich habe viel mit jungen Leuten gesprochen, als ich gestern drüben war, und ich glaube schon, dass einige von ihnen zum Konzert heute Abend kommen werden."

Foto: Chris Hoffmann/ picture-alliance/ dpa
3 / 17

Unversöhnlich: Die Stasi bezeichnete die Ereignisse später als "Zusammenrottung" von "vorbestraften, asozial lebenden und politisch negativ Eingestellten".

Foto: ASSOCIATED PRESS
4 / 17

Mit einem öffentlichen Massenprotest hatte die Volkspolizei in der Hauptstadt der DDR wenig Erfahrung. Nun aber sahen sich die Vopos zwischen Charité und Brandenburger Tor einer bunten Mischung aufgebrachter Menschen gegenüber. Ob langhaarige Jeansträger, Popper, Skinheads, Punks oder Konsum-Verkäuferinnen: Sie alle wollten zum Konzert.

Foto: SPIEGEL ONLINE
5 / 17

Was friedlich begonnen hatte, ändert sich am Pfingstsonntagabend (8. Juni 1987): Jugendlichen strömten scharenweise an die Mauer. Der Wind hatte gedreht, die Klänge von Eurythmics waren im Osten gut zu hören. Am Virchowdenkmal nahe der Charité tanzten einige auf der Straße.

Foto: SPIEGEL ONLINE
6 / 17

"Achtung, Achtung! Bürger, hier spricht die deutsche Volkspolizei! Verlassen Sie unverzüglich das Gebiet und begeben Sie sich nach Hause!" So schallten die Durchsagen auf der Ostseite des Brandenburger Tors in der Nacht zum Pfingstmontag 1987.

Foto: SPIEGEL ONLINE
7 / 17

Hinter Ketten: Wer im Osten zum Konzert wollte, musste seinen Ausweis zeigen, Name und Anschrift wurden erfasst.

Foto: SPIEGEL ONLINE
8 / 17

Gegen Mitternacht eskalierte die Stimmung. Während anderswo längst Perestroika und Glasnost ausgerufen worden waren, begegnete die Deutsche Volkspolizei ihren Bürgern mit Gewalt. Bewirkt hat es aber das Gegenteil.

Foto: SPIEGEL ONLINE
9 / 17

Entsetzt: Der 19-jährige Instandhaltungsmechaniker Detlef Matthes war empört über die Polizeigewalt. Noch in der Nacht setzte er sich hin und schrieb alles auf, was er gesehen hatte. Das schickte er als Brief an einen West-Berliner Bekannten, in der Hoffnung, dass sein Augenzeugenbericht die Redaktion "Kontraste" beim ARD-Fernsehen erreichen würde. Sein Brief kam niemals an.

Foto: Privat
10 / 17

Schlüsselerlebnisse: Ihre Erfahrungen aus der Pfingstnacht und die vieler anderer Augenzeugen protokollierten damals zwei junge Aktivisten aus den Gruppen in der evangelischen Kirche....

Foto: SPIEGEL ONLINE
11 / 17

...Christian Halbrock (Passfoto) und Uwe Kulisch kamen von der offenen Jugendarbeit der Kirche. Gemeinsam sammelten sie so viele Berichte wie möglich und schrieben sie nieder. Kulisch ließ eine hektografierte Broschüre mit dem Titel "Der 7. 8. 9. Juni - intern" "nur zum innerkirchlichen Dienstgebrauch" im Konsistorium anfertigen.

Foto: BStU
12 / 17

Heimliches Interview: Unter abenteuerlichen Umständen berichtete Uwe Kulisch über die Geschehnisse. Eine Freundin schmuggelte das Band über die Mauer, später war es in einem Beitrag im West-Fernsehen über die Pfingstdemos zu hören.

Foto: SPIEGEL ONLINE
13 / 17

Uwe Kulisch heute: Der DDR-Geheimdienst erfuhr erst später, dass er "sich aktiv an der sogenannten Dokumentierung von Übergriffen durch die Schutz- und Sicherheitsorgane beteiligt hat". Das war tatsächlich sein Anliegen und Kulisch wollte noch mehr Öffentlichkeit herstellen.

Foto: Privat
14 / 17

Ein Exemplar des "Der 7. 8. 9. Juni - intern" gab er dem Ost-Berliner Bischof Gottfried Forck (r.), damit dieser in Gesprächen mit Staatsvertretern handfeste Argumente und Beispiele für Übergriffe nennen konnte.

Foto: Privat
15 / 17

"Der 7. 8. 9. Juni - intern": Halbrocks Freundin Susanne tippte noch einmal die ganze Dokumentation auf besseren Matritzen ab. Im Keller der Umweltbibliothek am Zionskirchplatz druckte er heimlich hundert Exemplare und verteilte sie bei einer Fahrradrundfahrt durch Ost-Berlin in der Szene.

Foto: SPIEGEL ONLINE
16 / 17

Starker Demokratiewunsch: Viele Ost-Berliner machten die Erfahrungen gänzlich unversöhnlich, sie stellten Ausreiseanträge, andere schöpften daraus den Mut zu den Demonstrationen im Herbst 1989.

Foto: SPIEGEL ONLINE
17 / 17

Pfingsten 1987: Es war, wie ein Beteiligter heute sagt, wie ein Wetterleuchten zum Ende eines erstarrten Systems - zwei Jahre vor dem Fall der Mauer.

Foto: SPIEGEL ONLINE
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.