Plagiatssuche-Software im Test So schneiden die Programme ab

Eine Software soll Frank-Walter Steinmeier überführt haben. Aber wie belastbar sind derartige Abschreibe-Vorwürfe? Neue Tests von Plagiatsexperten zeigen jetzt: Viele Such-Programme sind allenfalls "teilweise nützlich".
1 / 17

Wer stumpf aus digitalen Quellen kopiert, den findet auch die Plagiatssoftware - aber um einen echten Abschreiber zu überführen, braucht es mehr als ein Computerprogramm. Jetzt hat Debora Weber-Wulff, Informatikerin und Mitglied im Plagiatsjägernetzwerk Vroniplag, wieder einen neuen Software-Test präsentiert. Ihr Fazit: Die Systeme sind nur "teilweise nützlich". mehr... 

Foto: TMN
2 / 17

Zahmer Spürhund: Im Test von Debora Weber-Wulff und Kollegen erwies sich der PlagiarismFinder als hübsch anzusehen und leicht zu bedienen. Von den 130 Punkte für "Effektivität" schaffte das Tool allerdings gerade 29 Prozent. Das war der schlechteste Wert im aktuellen Ranking. 2004 war ein wohlwollender Artikel über die Such-Software auf SPIEGEL ONLINE erschienen,  mit dem PlagiarismFinder noch heute wirbt. Das aktuelle Testergebnis wollte das Unternehmen nicht kommentieren.

3 / 17

Vorletzter Rang, 30 Prozent Punktequote, schaffte das OAPS-Angebot bei den Testfällen. Die Ergebnisse schickte Weber-Wulff der Firma am Samstag zu. Auf SPIEGEL-ONLINE-Anfrage auch hier: bis Montagnachmittag kein Kommentar.

4 / 17

Plagiarisma brachte es auf 30 Prozent von 130 möglichen Punkten, allerdings fiel das Programm bei den Testern in der subjektiven Wertung völlig durch: Mit "F" erhielt das Angebot in der Kategorie "Subjective Usability Score" die schlechteste Note. Das Unternehmen wollte sein Ergebnisse nicht kommentieren.

Foto: PR
5 / 17

PlagTracker ist für akademische Zwecke ungeeignet, urteilen die Autoren der Studie: In der Kategorie "Effektivität" erreichte das Programm nur 32 Prozent. Besonders gut zu bedienen ist es auch nicht.

6 / 17

Duplichecker erreicht in der Kategorie "Effektivität" gerade mal 48 Prozent. Alles unter 60 Prozent bewerten Debora Weber-Wulff und Kollegen als unakzeptabel. Auch in punkto Bedienungsfreundlichkeit zeigen sich die Tester nicht überzeugt.

7 / 17

Seit 2004 am Markt, ist Docoloc von Anfang an bei Weber-Wulffs Software-Test vertreten. Das Programm landete mit nur 54 Prozent von 130 möglichen Punkten im unteren Mittelfeld. Die Macher betonen Verbesserungen, die "in dem Test anscheinend nicht zur Geltung kam". Außerdem kritisiert Docoloc die 20 Testfälle, die Weber-Wulff und ihre Mitarbeiter aufwendig aus Literatur, PDF-Dokumenten aber auch Enzyklopädien zusammengebastelt hatten. Trotz umfangreicher Dokumentation ist der Text für Docoloc "eine Black-Box".

8 / 17

PlagiarismDetect Standard landet in der Studie zwar im Mittelfeld und schneidet in den einzelnen Kategorien trotzdem nicht gut ab: Effektivität 50 Prozent und schwer zu bedienen. PlagiarismDetect Premium ist die Edelvariante des gleichen Anbieters, wie schon der Name sagt. Trotzdem schneidet das Programm in dem Test nicht gut ab: Weder findet es viele Plagiate, noch lässt es sich gut bedienen, fanden Weber-Wulff und Kollegen.

9 / 17

Compilatio arbeitet vor allem im frankophonen Raum, aber auch in Italien und Deutschland. Weltweit nutze laut Firmenangaben 250 Hochschulen die Software. Das Programm schaffte ebenfalls gut die Hälfte der möglichen Punkte, allerdings kamen die Tester damit insgesamt nicht gut zurecht. Die Franzosen loben Weber-Wulff, ihre Arbeit sei "sehr wichtig für die Gesellschaft". Compilatio räumt Sprachschwierigkeiten der Software ein, an denen ständig gearbeitet werde. Insgesamt sei die Bewertung "sehr streng", Kunden würden sich ungleich positiver äußern.

10 / 17

Plagscan, Startup eines Neurowissenschaftlers und eines Informatikers, ist unter anderem an den Unis Osnabrück und Innsbruck im Einsatz. PlagScan ärgert die "Generalkritik" an sogenannten "false positives", also fälschlicherweise markierten Stellen. Mit diesem Problem hätten alle Anbieter zu kämpfen. Deshalb habe man das eigene Programm so verändert, dass der Nutzer unterschiedliche Sensitivitäten einstellen kann. So könne man entscheiden, "nur die großen Funde zu sehen", erklärt PlagScan. Insgesamt sei Weber-Wulffs Liste ein Ansporn und "aussagekräftig", sagt Markus Goldbach, einer der PlagScan-Gründer.

11 / 17

Unwesentlich besser schneidet Strike Plagiarism ab: Das Programm erreicht 58 Prozent in der Kategorie "Effektivität". Allerdings ist es ähnlich unhandlich wie schon Compilatio, finden die Programm-Tester. Auf SPIEGEL-ONLINE-Anfrage: kein Kommentar.

12 / 17

PlagAware erreicht in der Kategorie "Effektivität" 58 Prozent, laut Studie ein nicht akzeptabler Wert. Dafür lässt sich das Programm recht gut anwenden.

13 / 17

In der Anwendung schneidet das Programm Ephorus ganz passabel ab, besonders effektiv ist es allerdings nicht: In der Kategorie "Effektivität" erreicht es 58 Prozent. Euphurs argumentiert, die Studie Weber-Wulffs enthalte "Ungenauigkeiten", ohne darauf näher einzugehen, und kündigt eine inhaltliche Auseinandersetzung mit dem Software-Test auf der Firmen-Webseite an.

14 / 17

Hier beginnt die, wenn man so will, Spitzengruppe der "teilweise nützlichen" Software-Angebote: Die Software Copyscape bewerten Debora Weber-Wulff und ihre Kollegen vergleichsweise gut: Es arbeitet zumindest recht effektiv (67 Prozent). Allerdings finden sie das Programm in der Anwendung recht unhandlich.

15 / 17

Turnitin arbeitet ähnlich effektiv wie Copyscape: Beide Programme erreichen in der Kategorie "Effektivität" 67 Prozent. Allerdings schneidet Turnitin bei den Testern in der Anwendung besser ab. Die Firma verweist auf ihre weltweite Marktführerschaft und betont, an Hochschulen sei neben dem Einsatz von Software ein "ganzheitlicher Ansatz" notwendig. Hauptkritikpunkt an Turnitin war lange, dass die Firma alls Datenkrake alle eingesandten Arbeiten auf Servern in den USA speichert. Stolz weist das Unternehmen darauf hin, diese Funktion könnten deutsche Lizenznehmer inzwischen ausschalten.

16 / 17

Urkund erreicht in diesem Test die besten Ergebnisse: Es findet im Vergleich die meisten Plagiate ("Effektivität" 73 Prozent). Allerdings finden die Tester auch diese Software nicht so leicht zu bedienen. In der Studie betonen Debora Weber-Wulff und ihre Kollegen: Auch das System, das am besten abschneidet, könnten sie nicht für einen generellen Gebrauch empfehlen. Die Professorin rät Hochschulen, zwei Programme zu kombinieren. Testsieger Urkund ist voll des Lobes für das Ranking. Man arbeite hat hart an der Weiterentwicklung des Programms. Auf die Kritik, die Software sei nicht benutzerfreundlich, ging Urkund nicht ein.

17 / 17

Es könnte sein, dass viele falsche Treffer einer Plagiatssuche-Software zum Plagiatsvorwurf gegen Frank-Walter Steinmeier (SPD) führten. Eine Software soll ihn des Plagiats überführt haben. Bereits 2010 urteilte Weber-Wulff über das Programm ProfNet: "nicht berauschend". In diesem Jahr nahm die Professorin nur neue Programme auf oder jene, die sich schon in früheren Tests als einigermaßen brauchbar erwiesen.

Foto: Maurizio Gambarini/ dpa
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.