Plattencover-Erfinder Alex Steinweiss gestorben Abschied vom Cover-Lover

Mit Farbklecksen zum Verkaufserfolg: 1939 verpasste der junge Grafikdesigner Alex Steinweiss Schallplatten zum ersten Mal farbig gestaltete Hüllen - und revolutionierte die Musikwelt. Nun ist der Erfinder des Plattencovers im Alter von 94 Jahren gestorben.
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Sound einer Abrissbirne: Kaum ein Cover-Gestalter fand so eindrückliche Bilder für die Musik auf den Alben - etwa für den "Swinging Big Sound" von Don Jacoby und The College All-Stars.

Foto: Taschen Verlag
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Cover-Lover: Alex Steinweiss in seinem Büro, fotografiert 1947 für das Magazin "Downbeat". 1939 hatte der Designer für die Musikbranche bahnbrechende Idee gegabt, die bislang schnöden Verpackungen von Platten aufzuhübschen.

Foto: William P. Gottlieb/jazzphotos.com
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Sex sells: Steinweiss' erfolgreichstes Albumcover - es sei, so der Grafiker, bei Columbia-Records-Mitarbeitern wie beim Publikum gleichermaßen gut angekommen.

Foto: Taschen Verlag
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Ehepaar Steinweiss: 1961 besuchte Alex Steinweiss mit seiner Frau Blanche, hier am John F. Kennedy International Airport, Europa. Seine mehr als 20 Jahre jüngere Frau war vergangenes Jahr im Alter von 71 Jahren gestorben.

Foto: Courtesy Alex Steinweiss
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Abstrakte Klänge: Immer wieder suchte Steinweiss nach Möglichkeiten, Musik zu visualisieren. Dieses Cover ist einer seiner liebsten Entwürfe. Die gelbe Farbexplosion soll die Ausbreitung des Klangs beim Anschlagen einer Saite symbolisieren.

Foto: Taschen Verlag
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Gewagt: 1950 schmückte Steinweiss das Album "Shéhérazade" mit zwei küssenden Männern.

Foto: Taschen Verlag
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Passionierter Raucher: Steinweiss liebte Brahms - und war ebenso wie der Komponist ein passionierter Zigarren-Connoisseur. "Offen gesagt glaube ich nicht, dass Brahms ohne Zigarre auch nur eine einzige Note zu Papier gebracht hätte", sagte Steinweiss einmal, "so wie bei mir ohne Zigarre kein Bild zustande gekommen wäre."

Foto: Taschen Verlag
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Musik in Form und Farbe: Auf Covern wie dem zu "Contrasts in Hi-Fi" von Bob Sharples wollte der Grafiker Alex Steinweiss mit geschwungenen Formen und farbigen Flächen einen Eindruck vom Klang der Musik entstehen lassen.

Foto: Taschen Verlag
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Per Verpackung zum Verkaufsschlager: Steinweiss' Gestaltung des Covers von Beethovens "Klavierkonzert Nr. 5" nahm den mehr als 30 Jahre später vom britischen Designstudio Hipgnosis entwickelten Cover-Klassiker von Pink Floyds "Dark Side Of The Moon" vorweg. Wenn auch auf der Neuinterpretation aus dem Piano ein gläsernes Dreieck geworden ist.

In einer früheren Fassung stand hier, dass es sich bei "Emperor" um Beethovens Klaviersonate Nr. 5 gehandelt hat - natürlich war es sein 5. Klavierkonzert. Wir entschuldigen uns für diesen Fehler und danken allen Lesern, die uns darauf aufmerksam gemacht haben.

Foto: Taschen Verlag
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Alec Steinweiss: Der Erfinder des Plattencovers 2008. Am 17. Juli 2011 starb er im Alter von 94 Jahren in seinem Haus in Sarasota, Florida.

Foto: Miguel Elizalde/Taschen Verlag
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Die swingendsten Illustrationen: Jim Flora eckte an. Weil seine Kunst komisch war und makaber. Doch auch wenn ihn das Gros der Masse nicht verstand - Flora hatte ein wunderbares Auge. Er entdeckte den jungen Andy Warhol und arbeitete in den vierziger Jahren gemeinsam mit Alex Steinweiss, dem Erfinder des gestalteten Albumcovers, bei Columbia Records. Erst in den fünfziger Jahren legte er selbst los und entwarf als Freiberufler durchgeknallte, grellbunte, irre abstrakte Plattenhüllen. Bis heute gelten diese Illustrationen als stilprägend. Weil sie ihrer Zeit lange voraus waren. "Mambo For Cats" von 1955, eine instrumentale Broadway-Einspielung, gilt als sein berühmtestes Werk.

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Berühmte Banane: Warhol war Pop-Art, und Pop-Art war Musik. Die Kunstform des New Yorkers spielt mit den Sinnen und verfremdet Alltägliches, indem er es in seinen Siebdruckarbeiten in ungewohnten (Klang-)Farben erstrahlen ließ. Ein Plattencover von Andy Warhol durfte deshalb alles sein, nur nicht gewöhnlich - wohl aber einen sehr gewöhnlichen Gegenstand zeigen. Herauskam 1967 die bis heute berühmteste Banane der Welt - eine Ikone der Pop-Art- und Musikgeschichte. Auf den ersten Exemplaren der Platte war die quietschgelbe Frucht noch als Abziehbild befestigt,...

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...unter der sich eine rosafarbene Banane verbarg. Die Produktionskosten hierfür waren allerdings so hoch, dass die meisten weiteren Auflagen ohne Sticker gedruckt wurden. Trotzdem designte Warhol vier Jahre später ein weiteres interaktives Cover. Es war...

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..."Sticky Fingers": Dieses Cover war die erste Amtshandlung der Rolling Stones nach Gründung ihres eigenen Plattenlabels - sie machten auf dicke Hose und beauftragten Andy Warhol, es für sie zu gestalten. 15.000 Pfund bekam der Pop-Art-Künstler dafür und lieferte für die Platte von 1971 einen Schnappschuss unter der Gürtellinie ab - inklusive Reißverschluss zum Öffnen der Jeans. Auch wenn sich die Händler später beklagten, das Metall würde während des Transports das Vinyl beschädigen: Das Cover wurde Kult. Der US-Schauspieler Joe Dallesandro hat sich für dieses berühmte Cover zur Verfügung gestellt.

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Sexy Cover: Die Ohio Players spielten in den siebziger Jahren eine ebenso heiße wie selbstironische Mischung aus Funk und R'n'B. In diesem Geiste engagierten sie für das Covershooting für das Album von 1975 den Fotografen Joel Brodsky. Und dieser lichtete die Dame mit dem Honigglas ab, als...

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...Pin-up zum Ausklappen. Ester Cordet hieß das Model und sie war - wen wundert es - Miss Oktober 1974 im "Playboy". Der Fotograf Brodsky war übrigens schon damals eine Legende unter den Cover-Fotografen - er hatte Jim Morrison und The Doors für mehrere Albumhüllen porträtiert.

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Das kostbarste Cover? "Ihr habt ja keine Ahnung, wie viel es gekostet hat, so billig auszusehen", sagte Dolly Parton einmal und entlarvte damit, ohne es zu wissen, die Logik des vermeintlich edelsten Plattencovers aller Zeiten: Anderthalb Millionen Euro waren die Edelsteine wert, die für das Best-Of-Album der Spice Girls von 2007 zusammengetragen wurden. Diamanten und Saphire, Smaragde und Bernstein wurden abgelichtet, um daraus das Wort "Spice" zurechtzustückeln. Besser wurde die Musik dadurch zwar nicht, die Mädels sahen trotzdem Sahne aus. Man kann nicht alles haben. "Wer den Regenbogen mag, muss auch den Regen ertragen." Sagte? Richtig. Dolly Parton.

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Das vielsagendste Cover: Als Künstler die Anfangsbuchstaben seines Namens auf das Plattencover zu bringen, hinter denen sich zusätzlich noch eine Geschichte und der Albumtitel verbergen - das hat bis heute nur Frank Zappa geschafft. "Drudel" nennt sich die Form des minimalistischen Bilderrätsels, in der eine Szene mit wenigen Strichen abgebildet wird, die den Betrachter auffordert, die Geschichte zu der Zeichnung zu erraten. In diesem Fall ist es ein größeres geneigtes Dreieck und ein kleineres, die Geschichte dazu: "Schiff zu spät kommend, um eine ertrinkende Hexe zu retten". Oder alternativ: Mama Pyramide füttert Baby Pyramide. Was Zappa von der zweiten Bedeutung seines Cover-Drudels von 1982 hielt, ist nicht überliefert.

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Die stilprägendsten Jazz-Cover: Sie waren ein kongeniales Duo und prägten ein Jahrzehnt lang die Ästhetik der Plattencover in den USA - der Cover-Designer Reid Miles und der Fotograf Francis Wolff. Miles wurde Anfang der fünfziger Jahre vom Jazzlabel Blue Note Records unter Vertrag genommen, wo er Hunderte von Plattenhüllen gestaltete - zum Beispiel 1957 "The Sermon!" von Jimmy Smith oder auch...

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..."Workout" (1961) von Hank Mobley. Wolff und Miles etablierten die Porträt- und Konzertfotografie als gängiges Mittel der Albengestaltung. So wurden sie zu Studien eines Lebensgefühls und seiner Persönlichkeiten. Miles beschäftigte Illustratoren, spielte mit Typografien, trieb die Ikonisierung der Künstler weiter voran. Komponierte aus Farbe, Licht, Menschen und Schriften. So schuf er auf den Covern das, was der Jazz für seine Hörer ohnehin immer war - eine eigene kleine Welt.

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Das erste psychedelische Cover: Die besten Ideen entstehen oft durch den Zufall. So geschah es auch mit der Plattenhülle von "Rubber Soul" (1965), dem sechsten Album der Beatles. Um das Design des neuen Covers abzunicken, setzten sich die vier Liverpooler vor den Diaprojektor, doch bei der Simulation verrutschte die leere Plattenhülle, auf die das Motiv geworfen wurde - die Projektion wirkte irgendwie verzerrt. Die Beatles waren begeistert - genau so und nicht anders sollte das Cover ihrer neuen Platte aussehen. Für die Musikszene Mitte der sechziger Jahre war "Rubber Soul" eine solche Inspiration, dass sie eine eigene Stilrichtung begründete - die der psychedelischen Plattencover. Doch damit hatten die Fab Four erst angefangen, die Welt der Plattencover zu revolutionieren. Als nächstes kamen die Alben "Revolver" (1966) und...

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..."Sgt. Pepper's Lonely Hearts Club Band": Mit ihnen machten sie die Collage als Coverkunst salonfähig. Das Foto für "Sgt. Pepper" entstand am 30. März 1967 in Zusammenarbeit mit dem Art Director Robert Fraser und dem Pop-Art-Künstler Peter Blake. Und weil die Collage ermöglicht, eigentlich Unvereinbares zusammenzufügen, war es John Lennon, der darauf bestand, Hitler, Jesus und Elvis Presley unter die 70 Persönlichkeiten aus aller Welt zu schmuggeln. Doch keiner der drei schaffte es am Ende aufs Cover. Hitler und Jesus aus Angst davor, eine Kontroverse auszulösen - der King of Rock'n'Roll aus Gründen, die bis heute nicht geklärt werden konnten. Doch dafür versammelte das Bild Größen wie Bob Dylan, Oscar Wilde, William S. Burroughs, Einstein und Lenny Bruce um die Beatles herum - eine Gemeinschaft der "neuen freien Menschen" wie LSD-Papst Timothy Leary sie propagierte.

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