Politiker im Visier So denken die US-Diplomaten

Die Kanzlerin ist Angela "Teflon" Merkel, Außenminister Guido Westerwelle fehlt es an Erfahrung, der König von Saudi-Arabien hält wenig von Iran - SPIEGEL ONLINE dokumentiert die wichtigsten Einschätzungen der US-Diplomatendepeschen, die WikiLeaks enthüllt hat.
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Kanzlerin Angela Merkel: Sie habe den Ton der transatlantischen Beziehungen verbessern wollen, stellt der ehemalige US-Botschafter William Timken in einer Depesche von Ende 2006 fest. Nur habe sie "keine mutigen Schritte unternommen, um den substantiellen Inhalt dieser Beziehung zu verbessern". Generell fremdeln die US-Vertreter mit Merkel, intern wird sie in den Berichten "Angela 'Teflon' Merkel" genannt, weil viel an ihr abgleite. "Sie meidet das Risiko und ist selten kreativ", heißt es im März 2009. Die Kanzlerin sehe internationale Diplomatie vor allem unter dem Gesichtspunkt, welchen Profit sie innenpolitisch daraus ziehen könne. Allerdings wird das Bundeskanzleramt in außenpolitischen Fragen als besserer Ansprechpartner gesehen als das Auswärtige Amt. Die schwarz-gelbe Koalition wird skeptisch gesehen. Merkel habe das "Joch der Großen Koalition abgeschüttelt, nur um jetzt mit einem FDP-CSU-Doppel-Joch belastet zu sein", heißt es in einer Depesche vom Februar 2010.

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Außenminister Guido Westerwelle: Seine Gedanken hätten "wenig Substanz", schreibt höchst undiplomatisch der gegenwärtige Chefdiplomat der USA in Berlin, Botschafter Philip Murphy. Das liege vor allem daran, dass offenbar seine "Beherrschung komplexer außen- und sicherheitspolitischer Themen noch Vertiefung erfordert". Die Geheimberichte beschreiben den FDP-Politiker als inkompetent, eitel und amerikakritisch. Die US-Diplomaten sehen sich vor die Herausforderung gestellt, wie sie mit einem Politiker umgehen sollen, der ein "Rätsel" sei, mit wenig außenpolitischer Erfahrung und einem "zwiespältigen Verhältnis zu den USA". Westerwelle habe eine "überschäumende Persönlichkeit".

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König Abdullah von Saudi-Arabien: Er könne seinen Nachbarn Iran nicht ausstehen und halte das Mullah-Regime "ohne Zweifel für irgendwie labil", steht in den Depeschen.

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Scheich Mohammed Bin Sajid Al Nahjan aus Abu Dhabi: Ist den US-Berichten zufolge der Meinung, "ein baldiger konventioneller Krieg mit Iran sei eindeutig besser als die langfristigen Konsequenzen eines nuklear bewaffneten Iran".

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Irans Präsident Mahmud Ahmadinedschad: Zornentbrannt soll der Stabschef der Revolutionswächter, Mohammed Ali Dschaafari, auf ihn losgegangen sein und ihm ins Gesicht geschlagen haben, weil er sich überraschend für mehr Pressefreiheit eingesetzt habe, weiß ein spezieller "Iran-Beobachter" den USA von einem Eklat zu berichten.

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Russlands Präsident Wladimir Putin und Italiens Premier Silvio Berlusconi: US-Außenministerin Hillary Clinton will von ihren Botschaftern in Moskau und Rom wissen, ob etwas dran sei an den Gerüchten, Berlusconi habe mit seinem Männerfreund Putin auch Privatgeschäfte eingefädelt. Das lassen beiden jedoch vehement dementieren.

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Russlands Präsidentengattin Swetlana Medwedewa: Die Botschafter und Gesandten Washingtons melden auch viel Klatsch und Berichte vom Hörensagen an die Zentrale - etwa wenn es in einer Depesche über Medwedewa heißt, sie schaffe "Spannung zwischen den Lagern" und bleibe "Gegenstand von eifrigem Tratsch". Die russische Präsidentengattin habe schon schwarze Listen von Amtsträgern angelegt, denen sie einen Karriere-Knick an den Hals wünsche, weil sie sich ihrem Mann gegenüber als unzureichend loyal erwiesen hätten.

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Kenias Präsident Mwai Kibaki (Bild) und Premier Raila Odinga: Ein landesweiter Sumpf blühender Korruption soll das Land sein, ist den Depeschen zu entnehmen. 15 hochrangige Offizielle sind inzwischen mit einem Einreiseverbot in die USA belegt, fast aus jeder Zeile der Botschaftsberichte spricht Verachtung für die Regierung.

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Türkischer Premier Recep Tayyip Erdogan: Unter dem Premierminister, der mit Hilfe einer Kamarilla inkompetenter Berater regiere, befinde sich das Land auf dem Weg in eine islamistische Zukunft und sei für Europa womöglich schon verloren - so sind die US-Depeschen aus Ankara zusammenzufassen.

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Mehriban Alijewa, Gattin des Staatschefs von Aserbaidschan (2. v. r. im Hintergrund): Sie habe sich so oft liften lassen, dass sie von weitem zwar mit ihrer Tochter zu verwechseln sei, dafür aber ihr Gesicht kaum noch bewegen könne, lassen die US-Diplomaten verlauten.

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Ägyptens Staatschef Husni Mubarak: Endlose Tiraden des Präsidenten werden zitiert, denen zufolge der Irak-Krieg der "größte Fehler war, der je begangen wurde". Er rät, "alles über Demokratie im Irak zu vergessen": Der beste Weg für einen friedlichen Übergang nach dem Abzug der US-Truppen sei ein Militärputsch - so hält die US-Botschaft den Rat des Ägypters fest.

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