Protest in Spanien Wut und Wahrheitssuche
Star-Richter Baltasar Garzón wollte die Verbrechen der Diktatur in Spanien untersuchen. Nun muss er sich selbst vor Gericht verantworten: Ihm wird vorgeworfen, im Jahr 2008 unzulässige Verfahren wegen des Verschwindens von Menschen im Spanischen Bürgerkrieg und während der anschließenden Diktatur von Francisco Franco eingeleitet zu haben.
Ausgerechnet drei ultrarechte Organisationen haben Garzón verklagt - viele Menschen in Spanien wollen das nicht hinnehmen. Vor dem Obersten Gerichtshof protestieren sie gegen die drohende Absetzung des populären Untersuchungsrichters. "Universelle Gerechtigkeit" und "Mehr Richter wie Garzón" fordern diese Frauen.
Die Aktivisten haben auch ein Logo für den Protest: "Straffreiheit für den Franquismus? Nein, danke" steht auf dem gelben Logo. Abgebildet ist Diktator Franco, der bis 1975 fast 40 Jahre über Spanien herrschte.
Auch Regisseur Pedro Almodóvar setzt sich für Garzón ein: Wenn eine offen faschistische Organisation wie die Falange den Richter auf die Anklagebank zwinge, "dann ist das, als habe Franco noch einmal gesiegt".
Garzón ist über die Landesgrenzen hinweg bekannt, weil er gegen die baskische Terrororganisation Eta, aber auch wegen Verbrechen in lateinamerikanischen Diktaturen ermittelte. 1998 hatte er einen internationalen Haftbefehl gegen den früheren chilenischen Militärmachthaber Augusto Pinochet ausgestellt.
Die Unterstützer Garzóns versammeln sich nun in der Madrider Complutense-Universität. Seit 14. April organisieren sie unter der Woche Lesungen, Film-Nachmittage und Diskussionsveranstaltungen.
In der Universität erinnern zahlreiche Fotos an die politischen Gefangenen der Franco-Zeit.
"Wir möchten, dass anerkannt wird, welches Leid den Opfern Francos widerfahren ist", sagt Ángel García, der den Protest in der Madrider Universität mit organisiert hat. "Wir müssen endlich die Wahrheit erfahren."
Großer Ansturm im Hörsaal: Längst geht es nicht mehr nur um Richter Garzón. "Jetzt möchten wir über alles reden, über all die Verbrechen Francos", sagen die Bürger, die hierherströmen.
Carolina Araguetes ist Archäologin. Sie hat mitgeholfen, die Opfer der Franco-Diktatur aus Massengräbern in ganz Spanien zu exhumieren. "Jeder wusste, wo die Gräber waren. Aber während der Zeit des Regimes hat sich keiner getraut, dort hinzugehen und zu trauern."