Ende der "Quick" "Deine Fotos will keiner mehr sehen!"

Als 1992 die "Quick" eingestellt wurde, brach für Hans Peter Kruse eine Welt zusammen. 25 Jahre war er für die Illustrierte auf der Jagd nach exklusiven Bildern gewesen. Kruse traf Diktatoren, saß in Geiselhaft - und wusste schon lange vor dem "Stern", dass die Hitler-Tagebücher eine Fälschung waren.
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Verboten: Mit diesem Foto des Frauenmörders Peter Sutcliffe setzte sich "Quick" im Mai 1981 über die Hausordnung des altehrwürdigen Strafgerichtshofs Old Bailey hinweg - und provozierte damit einen Skandal in Großbritannien.
Adelheid Gräfin von der Schulenburg, Ehefrau eines britischen Staatsministers, war die Londoner Korrespondentin der deutschen Illustrierten und hatte aus dem Gerichtssaal berichtet. Nachdem das Foto erschienen war, wurde sie vom Prozess ausgeschlossen.
Der Fotograf blieb damals anonym. Hans-Peter Kruse heute: "Ich hatte Angst, nicht mehr nach England einreisen zu dürfen."

Foto: Quick/ Hans Peter Kruse
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"Sternstunde der 'Quick'": Die Ankündigung der Illustrierten "Stern", sie werde Tagebücher von Adolf Hitler veröffentlichen, hatte die "Quick"-Redaktion in Panik versetzt. Denn der "Stern" war ihr stärkster Konkurrent.
Nachdem bekannt geworden war, dass es sich bei den Tagebüchern um Fälschungen handelte, weidete sich das Münchner Blatt über Wochen und Monate an der Blamage der Kollegen.
Zunächst aber gab es einen anderen Plan: Für einen halbwegs adäquaten Gegenschlag...

Foto: Quick
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...kündigte "Quick" in aller Eile die "geheimen Aufzeichnungen" der Hitlersekretärin Christa Schroeder an - bekam sie dann allerdings nicht und brachte stattdessen diesen Artikel mit Zitaten Christa Schroeders.
Für das folgende Heft versprach "Quick" seinen Lesern einen Beitrag mit echten Enthüllungen - Titel: "Hitlers engste Mitarbeiter berichten: So spielte er uns gegeneinander aus." Erschienen ist dieser allerdings nie.

Foto: Quick
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Schwindelfrei: Für diese Reportage aus den USA besuchte Fotograf Hans-Peter Kruse die Mohawk-Indianer - und stieg auf die Stahlkonstruktion eines Wolkenkratzers in New York.

Foto: Quick/Hans Peter Kruse
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"Quick" zu Besuch bei Ajatollah Chomeini: Zwei Tage und eine Nacht hatten die Reporter am Heiligen Sitz des Revolutionsführers in Qom ausgeharrt. Gute Bilder hatten sie bereits bekommen, aber sie wollten mehr: ein Interview.
Der Ajatollah hatte schließlich ein Einsehen - oder Mitleid: Die Deutschen durften ins Haus. "Und dann saß er da, an der Wand in einem völlig leeren Raum", erinnert sich Hans-Peter Kruse. Die Reporter durften ihre Fragen stellen, "aber er hat keine einzige konkret beantwortet. Wir hatten unser Interview - aber es taugte nichts."

Foto: Quick/Hans Peter Kruse
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Hölle und Paradies: Mehrmals reiste Hans-Peter Kruse mit seinem "Quick"-Kollegen Armin Zipzer während des Bürgerkriegs in den Libanon und bewegte sich dabei zwischen mörderischen Straßenkämpfen und mondänem Strandleben. "Ich war fast jedes Jahr dort und habe mitbekommen, wie die Brutalität immer mehr eskalierte", sagt Kruse.

Foto: Quick/Hans Peter Kruse
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Ganz nah ran: Für Hans-Peter Kruse war die Jagd nach den Fotos "wie ein Sport", bei dem er großen Ehrgeiz entwickelte. Für spektakuläre Fotoreportagen schickte ihn "Quick" rund um die Welt - mehrmals auch nach Teheran.

Foto: Quick/Hans Peter Kruse
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Exotik für daheim: Im Irak dokumentierte Fotograf Hans-Peter Kruse 1977 den Aufbruch des norwegischen Abenteurers und Naturforschers Thor Heyerdahl zu seiner Segeltour mit dem Schilfboot "Tigris".

Foto: Quick/Hans Peter Kruse
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Schuss aus dem Verborgenen: Panzer umzingeln Kabul. "Quick"-Fotograf Hans-Peter Kruse war in Afghanistan, als 1979 die Sowjets das Land besetzten. Das Titel-Foto zu der Geschichte gelang ihm aus einer Art "Tuk-Tuk" mit Verdeck, einer motorisierten Rikscha heraus. "Wir sind damit an den Russen vorbeigefahren, das Bild habe ich heimlich mit dem Tele gemacht."

Foto: Quick/Hans Peter Kruse
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"Nur draufgedrückt": Wenn er mit der Kamera unterwegs war, erzählt Hans-Peter Kruse, habe er oft "gar nicht mitbekommen, was da eigentlich los war. Ich war in dem Moment nur Zeitzeuge und habe draufgedrückt." Wie etwa beim Vorstoß der israelischen Truppen auf die libanesische Hauptstadt Beirut. Er habe geglaubt, sagt Kruse, "dass die Kamera mich beschützt". Oft sei ihm erst im Labor beim Entwickeln der Bilder klar geworden, in welche Situation er sich begeben hatte. "Als junger Mann habe ich mich immer für unsterblich gehalten, heute wäre ich viel vorsichtiger."

Foto: Quick/Hans Peter Kruse
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Enthüllung - sprichwörtlich: Mit diesem Titelbild der Ausgabe 35 vom 23. August 1972 machte die "Quick" spektakulär auf einen Skandal in eigener Sache aufmerksam.
Die Veröffentlichung diverser Geheimpapiere der sozialliberalen Koalition hatte zu einer staatsanwaltlichen Durchsuchung der Redaktionsräume und der Beschlagnahmung von Dokumenten geführt.
Das Titelbild dürfte allerdings kaum den Ausschlag dafür gegeben haben. Auf dem Cover zeigte "Quick" zu dieser Zeit - wie fast alle ihre Kiosk-Konkurrentinnen - zumeist Busen und Po.

Foto: Quick
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"Geld. Gold. Waffen.": Um die Auflage zu retten, versuchte es "Quick" Anfang der neunziger Jahre noch einmal mit Enthüllungen - und druckte Auszüge aus Briefen des DDR-Devisenbeschaffers Alexander Schalk-Golodkowski an Stasi-Chef Mielke, in denen es um persönliche Kontakte zu Franz Josef Strauß ging - sehr zum Ärger der CSU.

Foto: Quick
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"Kronzeugen": In den sechziger Jahren wetteiferten die Bilderblätter um den Vorabdruck der Memoiren bekannter Nazi-Größen. Während sich der "Stern" Baldur von Schirach sicherte, durfte zeitgleich in der "Quick" Emmy Göring erzählen, "wie es wirklich war". Ausgabe 43 im Jahr 1966.

Foto: Quick
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Die Soraya-Memoiren kosteten "Quick" für damalige Verhältnisse zwar ein Vermögen und stammten noch dazu von einem Ghostwriter - doch der Glamour-Faktor der unglücklichen, schönen und reichen Prinzessin rechtfertigten die Investition des Jahres 1963: Die Auflage stieg.
Die Münchner Illustrierte zahlte, so schrieb damals der SPIEGEL, 200.000 Mark für die Erinnerungen der Kaiserlichen Hoheit - "das höchste Honorar, das bislang im deutschen Illustrierten-Geschäft für ein Manuskript ausgegeben wurde."

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Erste Ausgabe: Die Nummer 1 der ersten deutschen Nachkriegs-Illustierten, erschienen am 25. April 1948, zeigte US-Präsidenten Harry S. Truman auf dem Titel. "Ein bedeutsames Bilddokument" betonen die Macher der "Quick", die sich "besten deutschen Bildjournalismus" auf die Fahnen geschrieben hatten.

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"Spitzenkräfte des deutschen Bildjournalismus" hatten Verlagsgründer Theodor Martens und Diedrich Kenneweg für die "Quick" versammelt. Die meisten Fotografen und Reporter kannten sich bereits - von der Arbeit für die NS-Propagandazeitschrift "Signal".
Zu ihnen gehörte der österreichische Illustrator Hans Liska. Dieser veranschaulichte beispielsweise sowohl in "Signal" (Ausgabe 11 von 1941) den "blitzartigen Vormarsch deutscher motorisierter Truppen" als auch...

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...biblische Geschichten, wie sie zur Weihnachtszeit in "Quick"-Nummer 52 im Jahr 1950 erschienen.

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"Von Bomben, Haien und Angst": Der Krieg war endlich vorbei - darüber zu lesen aber wurden die "Quick"-Käufer in den ersten beiden Nachkriegsjahrzehnten nicht müde. Begierig verfolgten sie die Geschichten etwa von deutschen Seeleuten im "tropischen Paradies".

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Nick Knatterton: Manfred Schmidts Meisterdetektiv wurde in den siebziger Jahren als Zeichentrickfigur populär. "Quick"-Leser kannten ihn bereits aus den Krimi-Comics, die ab den Fünfzigern im Heft erschienen.

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Vom Kaviar hatte Johannes Mario Simmel bald genug. Der Fortsetzungsroman des "Quick"-Autors gilt als erster großer Erfolg des österreichischen Schriftstellers. Ursprünglich sollen weit weniger Teile geplant gewesen sein, doch die Chefredaktion bekniete Simmel ob des gewaltigen Zuspruchs daran weiterzuschreiben.

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Ans Licht gezerrt: Parteivereinbarungen, Vertragsentwürfe, Geheimprotokolle - was immer "Quick"-Redakteuren in die Hände fiel und dazu geeignet schien, die SPD zu ärgern, wurde gedruckt.
Der Leser dankte es nicht unbedingt. "Quick" war nun einmal eher ein Hausfrauen- und Familien-Blatt, keines für Polit-Insider.

Foto: Quick/Hans Peter Kruse
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Kräftig mitgemischt hat die Illustrierte "Quick" bei der sogenannten Steiner-Wienand-Affäre. Der Geschäftsführer der SPD-Bundestagsfraktion Karl Wienand war beschuldigt worden, den CDU-Abgeordneten Julius Steiner bestochen zu haben, so dass Oppositionsführer Barzel (CDU) bei einem konstruktiven Misstrauensvotum 1972 die absolute Mehrheit verfehlte.
Die Zeitschrift, die keine Chance auf eine politische Sensation auszulassen schien, hielt Steiner währenddessen an wechselnden Orten in Österreich versteckt...

Foto: Quick/Hans Peter Kruse
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...und sicherte sich so den exklusiven Zugang zu Steiners Verlautbarungen.
Angeblich natürlich völlig uneigennützig: "Wir fahren mit ihm jetzt weiter übers Land, wir müssen ihn schützen, seine Gesundheit und ihn vor seinen eigenen Äußerungen", zitierte der "Münchner Merkur" 1973 einen "Quick"-Reporter, der Steiner bewachte.

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Rund um die Welt: "Quick"-Fotograf Hans-Peter Kruse vor dem Brunnen am Redaktionssitz in der Münchner Brienner Straße. Die Steinkugel sollte symbolisieren: Dem "Quick"-Leser gehört die Welt.

Foto: Quick/Hans Peter Kruse