Sport Rivalen und Angstgegner - große Duelle der Sportgeschichte

Das werden keine Freunde mehr... Ronaldo gegen Messi, Tonya Harding gegen Nancy Kerrigan, Jan Ullrich gegen Lance Armstrong - ein Rückblick auf sportive Duelle, bei denen die Funken flogen.
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Die Eishexe mit der Eisenstange: Die Eiskunstläuferin Tonya Harding (links) wollte Olympiagold um jeden Preis, Rivalin Nancy Kerrigan stand ihr im Weg. Als Kerrigan am 6. Januar 1994 vom Training kam, folgte ein Mann ihr Richtung Kabine und schlug mit einem Stock auf ihr Knie - nur einmal, hart, "aber nicht so hart, dass Knochen gebrochen sind", sagte er später. Dieser Mann war Shane Stant, beauftragt von Tonya Hardings Ehemann. Die verletzte Nancy Kerrigan...

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...konnte bei der Olympiaqualifikation nicht starten, durfte aber trotzdem an den Spielen im Februar 1994 in Lillehammer teilnehmen - ebenso wie Harding, die erst später wegen der Attacke verurteilt wurde. Harding wurde Achte; Eisprinzessin Kerrigan holte die Silbermedaille. "Ich hatte einfach großes Glück, dass es extrem untalentierte Verbrecher waren", sagte sie später über den Angriff. Beide beendeten bald nach Lillehammer ihre Karrieren. Tonya Harding versuchte sich noch im Boxen (hier auf einem Foto von 2003), ebenso bei Eislauf-Revuen und in Talkshows - alles ohne großen Erfolg. Mehr über den Eiskunstlauf-Skandal lesen Sie hier.

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Ein völlig gewaltfreies Zickenduell auf Kufen lieferten sich jahrelang Anni Friesinger (links) und Claudia Pechstein. Hier die bayerische Frohnatur, eine extrovertierte, dralle "Eis-Naddel"; dort die spröde Sportsoldatin aus der DDR - und beide international hoch dekorierte Eisschnellläuferinnen. Sie mochten einander nicht und machten keinen Hehl daraus, vor allem im Umfeld der Olympischen Spiele 2002 in Salt Lake City. Dort beschilderte Friesinger ihr Zimmer mit "Zickenzone". Es war eine Seifenoper mit reger Anteilnahme von Zeitungen, die etwa über "Busen-Neid" oder Pechsteins "Mopp auf dem Kopp" (schwarz-rot-goldene Perücke nach dem Olympiasieg) spotteten. "Wir haben uns noch nie gut verstanden", sagte Pechstein im SPIEGEL-ONLINE-Interview, "wir sind uns einfach nicht grün." Das Gezicke zahlte sich indes für beide aus, sie gewannen an Bekanntheit, was sie als Werbefiguren gut ummünzen konnten.

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Zickenduell im Becken: Ähnlich lieb wie Friesinger und Pechstein hatten sich die Schwimmerinnen Franziska van Almsick (links) und Sandra Völker, hier 1996 bei den Deutschen Meisterschaften. Berlin gegen Hamburg, freche Schnauze gegen kühles Auftreten, Frühstarterin gegen Spätblüherin, "Goldfisch"-Glamour gegen Understatement - Hoffnungsträgerinnen des deutschen Schwimmsports waren sie beide, Freundinnen nie. Ihre Karrieren verliefen höchst unterschiedlich: Van Almsick bekam viel Aufmerksamkeit, holte die Kameras an den Beckenrand und verdiente reichlich Werbegeld. Dagegen landete Völker später in der Privatinsolvenz und musste ihre Medaillen versteigern.

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Rollende Apotheken: Zu einem echten Angstgegner für Jan Ullrich (links) wurde sein Kontrahent Lance Armstrong. Das Duell war mehrfacher Höhepunkt der Doping-Festspiele bei der Tour de France. Fünfmal versuchte der Deutsche in den Nullerjahren den Amerikaner abzuhängen, fünfmal wurde er nur Zweiter. Was die beiden alles tankten: bis heute nur teilweise bekannt. Lance Armstrong gebärdete sich über viele Jahre als Chef des Pelotons, attackierte Kritiker unter den Kollegen und verklagte praktisch jeden, der Dopingvorwürfe äußerte - bis Armstrong erst 2013 doch Doping eingestand. Das tat auch Ullrich, aber aus seiner speziellen Sicht war es kein Betrug: Er habe ja nichts genommen, "was die anderen nicht auch genommen haben". Beide haben viel dazu beigetragen, den Radsport gründlich zu ruinieren.

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Große Rivalen der Rennbahn waren Edwin Moses (rechts) und Harald Schmid (Mitte). Von Mitte der Siebziger- bis Mitte der Achtzigerjahre zählten sie zu den besten Läufern der Welt über 400 Meter Hürden. Und immer ging es gleich aus: Moses gewann, und das erstaunliche 122 Rennen nacheinander. Hinter diesem Laufwunder blieb Schmid nur der zweite oder dritte Platz, wie hier 1987 mit seiner Bronzemedaille bei der Weltmeisterschaft in Rom. Ein einziges Mal konnte er gegen Moses siegen: 1977 bei einem Wettkampf in Berlin - da patzte der Amerikaner an der letzten Hürde, und Schmid lag vorn.

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Abbildung ähnlich: Nein, das da rechts ist nicht Harald Schmid beim Hürdenlauf - es ist beim Zehnkampf Jürgen Hingsen, der 1983 ebenfalls den zeittypischen Schnäuzer trug. Links neben ihm läuft Dauerrivale Daley Thompson aus Großbritannien. Die beiden lieferten sich starke Duelle, Hingsen stellte drei Zehnkampf-Weltrekorde auf. Und doch konnte er, wie Harald Schmid, seinen Hauptkontrahenten bei Wettkämpfen einfach nicht bezwingen. Thompson wurde Olympiasieger, Weltmeister und Europameister. Hingsen, der Hüne, wurde das alles auch - nur mit der Vorsilbe Vize.

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Hingsens Karriere nahm einen traurigen, rätselhaften Abschluss: Auch bei Olympia 1988 in Seoul traten Hingsen und Thompson an. Aber zu einem echten Duell kam es nicht mehr. Der Zehnkampf beginnt stets mit dem 100-Meter-Sprint. Hingsen beging gleich drei Fehlstarts, in der Leichtathletik extrem selten, und wurde prompt disqualifiziert. Danach zog er sich vom Zehnkampf zurück.

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Turbozwerg gegen Beauty-Queen: Wer ist der weltbeste Fußballer? Lionel Messi und Cristiano Ronaldo tragen diesen Wettstreit schon lange gegeneinander aus, bei großen Turnieren im Fernduell, in der spanischen Liga auch immer wieder bei den Partien zwischen FC Barcelona und Real Madrid. Mal liegt der Maradona-Erbe, der kleine Argentinier mit dem großen Steuerproblem um eine Fußspitze vorn, mal um einen Übersteiger der polarisierende Portugiese, der provokative Popstar, der stets die Haare schön hat. Plakativer hätte man eine Fußballerrivalität auf keiner Spielkonsole gestalten können.

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Faust auf Faust: Wer "der Größte" ist, wie Muhammad Ali (links) sich selbst nannte, braucht mehr als nur einen starken Kontrahenten. Bei Ali war es neben George Foreman vor allem Joe Frazier (rechts). 1971 lieferten die beiden sich in New York ein legendäres Schwergewicht-Duell, das auch als "Kampf des Jahrhunderts" bekannt wurde und der Beginn einer langjährigen Rivalität war - Ali verlor und wurde in 15 Runden übel vermöbelt. Den nächsten großen Kampf gewann er knapp gegen Frazier, ebenso den "Thrilla in Maila" im Oktober 1975. "It's gonna be a thrilla / and a chilla / and a killa / when I get the Gorilla...", rappte Ali vorher. Und sagte danach: "Wir kamen als junge Champions nach Manila und gingen als alte Männer.“

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Box-Legenden: Als Max Schmeling (rechts) und Joe Louis 1936 in New York aufeinandertrafen, standen sie auch für zwei Systeme. Das vom Rassenwahn verstrahlte Nazi-Deutschland reklamierte Schmeling als Repräsentanten, als er gegen den "braunen Bomber" boxte. Schmeling war nicht mehr Schwergewichtweltmeister, Louis noch nicht, galt aber als praktisch unschlagbar - er hatte in 27 Kämpfen immer gewonnen. Trotzdem siegte Schmeling per K.o. in der zwölften Runde, was die NS-Propaganda als "Beweis für die Überlegenheit der arischen Rasse" bejubelte. Beim Rückkampf zwei Jahre später allerdings schlug Louis ihn bereits in der ersten Runde. Nach dem Zweiten Weltkrieg entwickelte sich eine Freundschaft, die Jahrzehnte überdauerte. Das Foto zeigt die beiden bei einem Treffen in New York 1960.

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Rasende Rivalen: Eines der härtesten Duelle der Formel-1-Geschichte liefern sich derzeit Nico Rosberg (links) und Lewis Hamilton. Beide starten für das dominante Team Mercedes, gönnen einander aber keinen Millimeter und sind in der laufenden Saison schon dreimal kollidiert. Sie kennen sich seit der Jugend beim Kartfahren: "Wir duellieren uns, seit wir 14 sind, schon damals waren wir im selben Team, wir waren befreundet, sind zusammen in den Urlaub gefahren", so Rosberg. Und vor einigen Monaten: "Ich weiß nicht, was er denkt. Ich spreche nicht so viel mit ihm." Hamilton über Rosberg: "Wir sind keine Freunde. Wir sind Kollegen." Oder auch: "Viel Jammern ist halt seine Art." Sozialprognose: Das wird nichts mehr mit gemeinsamen Urlauben.

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Zurück zum Tennis, zu einem Geschwisterduell: Da waren sie noch klein - Venus Williams (links) mit 14 Jahren und ihre ein Jahr jüngere Schwester Serena bei einem Tennisturnier 1994 in Oakland. Sie pflegen eine höchst produktive Rivalität. "Ich wollte wie Venus sein. Als sie sehr jung Erfolg hatte, wollte ich es ihr unbedingt nachmachen", sagte Serena Williams 2007 in einem Interview. "Wir sind uns sehr nahe. Sie ist meine beste Freundin. Ich liebe sie. Aber wenn sie auf der anderen Seite des Netzes steht, dann will ich sie schlagen." Die muskulösen Töchter eines schrillen Tennisvaters machten die Frauenturniere athletischer und wechselten sich an der Weltspitze ab. Venus ist mit Platz acht inzwischen wieder in den Top Ten - aber Serena die Nummer eins.

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Ungünstig entwickelte sich das Verhältnis zwischen Steffi Graf (links) und Claudia Kohde-Kilsch. Graf war das umjubelte Jahrhunderttalent, die höchst erfolgreiche Über-Spielerin, das Pendant zu Boris Becker. In ihrem Schatten stand plötzlich die zuvor ununumstrittene deutsche Nummer eins. Nur zeitweise vertrugen sie sich, wie als deutsche Doppelpartnerinnen beim gewonnenen Federation-Cup 1987 in Kanada (Bild), oder schlossen vorübergehend Frieden, wie für die Olympia-Bronzemedaille 1988 in Seoul. Ansonsten gab es reichlich Zoff. Beide hatten überehrgeizige und verhaltensauffällige Väter, die sich fast prügelten. Auch zwischen den Töchtern war viel Gift im Spiel. Claudia über Steffi Anfang 1988: "Sie ist brutal und ohne Kameradschaft." Steffi über Claudia: "Die soll mal schön ruhig sein. Die erzählt so viele unwahre Geschichten." (mehr dazu hier)

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Die stille Stefanie Graf aus Brühl ist seit 2001 verheiratet mit dem einstigen Tennis-Paradiesvogel Andre Agassi, der seinerseits eine besondere Rivalität pflegte: mit Pete Sampras. Und zudem eine Vorliebe für knatschbunte Turnierkleidung und für eine lange Lockenmähne, in Wahrheit ein Toupet, wie er in seiner unbedingt lesenswerten Autobiografie "Open" bekannte - nebst anderen Details über seine "Jugend in einer Folterkammer" unter der Knute seines Vaters oder über seinen Crystal-Meth-Konsum. Pete Sampras, seinen ewigen Widersacher, beschrieb er als langweiligen Tennisroboter und Geizkragen, der einem Parkwächter gerade mal einen Dollar Trinkgeld gegeben habe. Zwischen 1989 und 2002 spielten sie 34 Partien, Agassi gewann davon nur 14 und nur eines von fünf Grand-Slam-Finals.

Foto: Stephen Dunn/ Getty Images
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Schalke und der Meistertitel - auch da liegt kein Segen drauf, es ist ein Drama, eine sportive Leidensgeschichte. Seit Beginn der Bundesliga hat der FC Schalke 04 zwar oft oben mitgespielt, aber nie die Meisterschaft geholt. Dabei wähnte die Mannschaft sich 2001 schon am Ziel - für vier Minuten. So lange dauerte nämlich die Nachspielzeit des letzten Spieltags am 19. Mai: Just hatte Schalke das eigene Spiel gegen Unterhaching 5:3 gewonnen und der Hamburger SV 1:0 gegen Bayern München. Hurra, der Titel! Das jedenfalls glaubte man auf Schalke, Fußballer Andreas Möller und Manager Rudi Assauer jubelten schon (Bild). Bis sich herausstellte, dass Bayern in der Nachspielzeit noch einen Freistoß erhielt - Patrik Andersson schoss ihn rein. Aus der Traum, Tränen auf Schalke, nur "Meister der Herzen" und dazu böser Spott auf Transparenten: "Nur gucken, nicht anfassen" neben einem Bild der Meisterschale.

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