The-Who-Sänger Roger Daltrey "Ich wusste, ein Elvis werde ich nie"

Seit gut einem halben Jahrhundert steht er mit The Who auf der Bühne, einer der einflussreichsten Bands der Rockgeschichte. Hier spricht Roger Daltrey über Musik-Idole, zerstörte Instrumente und Altern in Würde.
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The Kids are alright! Der Song von The Who wurde 1965 neben "My Generation" zu einer Hymne der aufkommenden Mod-Szene. Im Zuge der "British Invasion" zählten The Who zu den lauteren, aggressiveren unter den Bands, die sich in den Sechzigern formierten. Zur Show gehörte auch das Zerstören von Instrumente. Pete Townshend habe insgesamt an die 3000 Gitarren kaputt gemacht, "von den Gagen blieb in den ersten Jahren kaum was übrig", so Sänger Roger Daltrey im einestages-Interview.

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In Paris: Roger Daltrey, Keith Moon, Pete Townshend und John Entwistle (von links) posieren Mitte der Sechzigerjahre in Paris; im Hintergrund der berühmte Nightclub Moulin Rouge.

Foto: Jacques Haillot/ Getty Images
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"Who's Next", die fünfte Platte von The Who, erschien im Juli 1971 und zählt mit Songs wie "Baba O'Riley", "Won't Get Fooled Again", "Behind Blue Eyes" und "Bargain" zu den epochalen Werken des Rock. Das Cover, auf dem die Band sich augenscheinlich an einem Obelisken erleichtert hatte, wurde zum Kult. Unterwegs kam der Fotograf auf diese Idee. "Wir haben es versucht, aber wir konnten nicht", erinnert sich Daltrey. "Also musste kurzerhand Regenwasser aus einer rumstehenden Tonne als Ersatz herhalten."

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Diese Augenklappe trug Roger Daltrey (links) bei einem Konzert, nachdem Gary Glitter (rechts) ihm versehentlich ein blaues Auge mit dem Mikrophonständer verpasst hatte. Die Klappe hat die Farben eines Mod-Symbols. "Mods", abgeleitet vom englischen Begriff "Modernist", waren meist jugendliche Anhänger einer Subkultur, die in der Arbeiterschicht und unteren Mittelklasse Englands ihren Ursprung hatte - auch eine Vorstufe zum Punk und später zum Brit-Pop.

Foto: STEFAN ROUSSEAU/ ASSOCIATED PRESS
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Cheers! Seit einiger Zeit vertreibt Sänger und Schauspieler Daltrey auch einen Champagner, der vom französischen Weingut Charles Orban in Troissy hergestellt wird und "Eminent Life" heißt. Die Flasche ziert ein Artwork des Who-Albums "Tommy" (1969). Teile der Einnahmen spendet Roger der Kinderkrebshilfe-Organisation "Teen Cancer America", die er zusammen mit Gitarrist Pete Townshend gegründet hat.

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Power-Duo: Daltrey (links) und Gitarrist Pete Townshend schrieben zusammen Rockgeschichte. Auch am 31. Mai 1976, als sie nach einem Konzert vor 50.000 Fans in London mit 120 Dezibeln als "lauteste Rockband der Welt" ins Guinness Buch der Rekorde aufgenommen wurden. "Als wir anfingen, mussten wir laut spielen, damit man Notiz von uns nahm", sagt Daltrey. Und über seinen Band-Partner: "Pete ist mein absoluter Lieblingsgitarrist, noch innovativer als Jimi Hendrix oder Jimmy Page. Keiner klingt wie er. Sein Gitarrenspiel und meine Stimme harmonieren perfekt."

Foto: Michael Putland/ Getty Images
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Papst Ringo: Neben Beatles-Drummer Ringo Starr (rechts, als Papst) spielte Daltrey (links) 1975 im kontroversen Kinofilm "Lisztomania" die Hauptrolle - den österreichisch-ungarischen Komponisten Franz Liszt (1811-1886). In einer weiteren Rolle war Rick Wakeman von der britischen Progrock-Band Yes sehen, Regie führte Ken Russell.

Foto: ddp images
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In der seichten Filmkomödie "Buddy's Song" spielte Daltrey 1990 den Vater von One-Hit-Wonder Chesney Hawkes, der damals mit seinem Hit "The One and Only" weltweit die Charts stürmte. Der Film beschreibt den Aufstieg eines Jungen aus der Provinz zum Popstar. Daltrey produzierte den Streifen zusammen mit seinem Manager Bill Curbishley.

Foto: ddp images
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"Moon the Loon": Keith Moon, der Durchgeknallte - "loon" kommt von "lunatic". Diesen Beinamen erhielt der exzentrische Drummer von The Who (1946-1978), weil er so vehement trommelte und zudem als "Erfinder" des Zerlegens von Hotelzimmern und allerlei anderem Schabernack gilt. Legendär war die Feier zu Moons 21. Geburtstag in Flint (Michigan): "Es ging hoch her, Keith war in Höchstform", erinnert sich Daltrey. "Eine Nackte entsprang einer riesigen Geburtstagstorte, auch Keith riss sich seine Klamotten vom Leib, entleerte euphorisch mehrere Feuerlöscher und parkte am Ende einen Lincoln Continental im Hotelpool."

Foto: imago/ United Archives
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Berüchtigt: Die Kray-Zwillinge Ronnie (links) und Reggie, in den Sechzigerjahren gefürchtete Bosse der Londoner Unterwelt, betrieben auch mehrere Musikclubs. Auch Daltrey lief ihnen über den Weg, "zwangsläufig, weil sie und ihre Organisation, 'The Firm', die Londoner Club-Szene kontrollierten". Später besuchte Daltrey sie einige Male im Gefängnis, weil er eine Dokumentation über die Brüder drehen wollte; daraus wurde aber nichts.

Foto: William Lovelace/ Getty Images
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Nix Summertime Blues: The Who - John, Keith, Pete und Roger (von links) im Juli 1971 in Surrey - zählen zu den erfolgreichsten und wichtigsten Rock-Bands der Welt. Sie verkauften über 100 Millionen Platten und wurden 1990 in die Rock And Roll Hall Of Fame aufgenommen.

Foto: Michael Putland/ Getty Images
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Rock-Dinos: Die Stones treffen The Who - Keith Richards, Pete Townshend, Mick Jagger, John Entwistle und Roger Daltrey (von links) 2001 bei einem Benefiz-Konzert für New York City, wenige Wochen nach 9/11. Organisator war Paul McCartney. Die Bands gehörten Mitte der Sechziger zur sogenannten "British Invasion", als englische Bands wie The Beatles, The Kinks und The Animals Amerika eroberten. Aus einstiger Rivalität wurde Freundschaft.

Foto: Kevin Mazur/ WireImage
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Junge Rebellen: Roger, Keith, Pete und John in der Hamburger Ernst-Merck-Halle auf dem Weg zur Bühne. Das Foto entstand 1968, dem Jahr, in dem unter anderem die Single "Magic Bus" erschien. Daltrey war früh klar: "Ein Elvis werde ich nie, als Vorbild war er für mich kleinen Cockney mehrere Nummern zu groß." Aber The Who mit Roger Daltrey als Frontmann wurden eine der einflussreichsten Bands der Rock-Geschichte.

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Wut in Woodstock: Daltrey on Stage in einer Szene der Woodstock-Doku, die 1970 erschien. Ein Jahr zuvor waren The Who beim "Love & Peace"-Festival aufgetreten - bis ein politischer Aktivist namens Abie Hoffman die Bühne enterte und ihre Show stürmte. "Townshend ist ausgetickt und hat den Typen hochkant von der Bühne geworfen", erinnert sich Roger auf einestages. "Das Publikum buhte ihn wegen dieser Aggression aus. Da hat sich Pete an den Bühnenrand gestellt und 500.000 Fans niedergestarrt."

Foto: imago/ Cinema Publishers Collection
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Gangster oder Sänger? Roger Daltrey drohte in seiner Jugend auf die schiefe Bahn zu geraten. Einige seiner Freunde landeten im Knast. "Auch mir hätte das drohen können, aber ich entschied mich lieber für eine Karriere als Sänger", sagt er. Den harten Gangster gab er nur im Kino - 1980 als Schauspieler in der Titelrolle des "John McVicar" (Foto, mit Georgina Hale).

Foto: Moviestore Collection/ face to face
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Singen und helfen: Daltrey bei seinem alljährlichen Benefizkonzert im März 2018 in der Royal Albert Hall in London zugunsten des Teenage Cancer Trusts. Weitere Stargäste waren Paul McCartney, Ronnie Wood, Nile Rodgers & Chic, Def Leppard und Kasabian. Über 200 Millionen Dollar hat Daltrey in den 18 Jahren des Bestehens für die Kinderkrebshilfe gesammelt.

Foto: imago/ PA Images
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Halbzeit-Show: Im Februar 2010 rockte Roger Daltrey mit The Who die Show in der Superbowl-Pause im Sun Life Stadium in Miami. Die Band spielte ein Medley ihrer Hits "Pinball Wizard", "Baba O'Riley", "Who Are You", "See Me, Feel Me" und "Won't Get Fooled Again". Im Finale standen sich übrigens die Indianapolis Colts und die New Orleans Saints gegenüber; die Saints gewannen 31:17.

Foto: Ronald Martinez/ Getty Images
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Mods in Mode: The Who posieren 1965 cool gestylt bei einem Fotoshooting in der Modemetropole London - Keith Moon, Pete Townshend, John Entwistle, Roger Daltrey (von links).

Foto: Cyrus Andrews/ Michael Ochs Archives/ Getty Images
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TV-Theater: The Who im September 1967 bei ihrem allerersten TV-Auftritt in den USA. In der Show "Smothers Brothers Comedy Hour" zertrümmert Pete Townshend (rechts) vor den Augen von Moderator Tom Smothers seine Akustikgitarre. Roger Daltrey (links) sieht belustigt zu.

Foto: CBS Photo Archive/ Getty Images
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Brust raus: Roger Daltrey zählt neben Robert Plant (Led Zeppelin) und Jim Morrison von The Doors zu den charismatischsten Frontmännern des Rock, hier bei einem Konzert in Miami Beach im November 1971.

Foto: UPPA/ face to face
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Abschied: "Who are you" ist das letzte Album mit dem unvergessenen Keith Moon. Kurios: Der Drummer (2. von rechts) sitzt auf einem Stuhl mit der Aufschrift "Not to be taken away". Nur drei Wochen nach der Veröffentlichung am 7. September 1978 starb Moon an einer Überdosis Heminevrin, einem Mittel zur Behandlung des Alkohol- und Drogenentzugssyndroms. "Er wollte seine jahrelange Sucht bekämpfen", so Daltrey, "aber es war bereits zu spät."

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Solo: "As long as I have you" ist Daltreys erstes Soloalbum in 26 Jahren. Zu hören sind eigene Songs wie "Certified Rose" (für seine Tochter Rosie) und Coverversionen von Stevie Wonder, Dusty Springfield, Stephen Stills und Nick Cave. 2014 hatte Daltrey zusammen mit dem Musiker Wilko Johnson das Album "Going back home" veröffentlicht. Dagegen ist von The Who nichts Neues zu erwarten: "Alles hängt von Pete Townshend ab, er schreibt die Songs", sagt Daltrey. "Ihm fehlt momentan die zündende Idee für ein Albumkonzept."

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Rock'n'Roll-Liebe: Mit seiner Frau Heather Taylor ist Roger seit 45 Jahren verheiratet. "Ich war als Sänger schon bekannt, als wir uns kennenlernten", erzählt er. "Heather versteht das Rockbusiness und wusste genau, worauf sie sich einlässt, dass ich auch mal drei Monate auf Tour bin und es nicht einfach sein wird. Aber sie hat mich so akzeptiert, wie ich bin. Dafür liebe ich sie über alles. Sie ist ein Fels in meinem komplett wahnsinnigen Leben. Verrückt ist übrigens, dass Heather zwar Amerikanerin ist, aber in London-Hammersmith geboren wurde - und zwar im selben Hospital wie ich."

Foto: Mike Theiler/ REUTERS
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Teenage-Hymne: "My Generation" erschien im Herbst 1965 als Singleauskopplung aus dem gleichnamigen Debütalbum von The Who. Die Nummer, produziert von Shel Talmy, gehört auch wegen der unsterblichen Zeile "I hope I die before I get old" zu den bekanntesten der Band.

Foto: imago/ Leemage
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Im Bett mit Barbra: Im Videoclip zu Barbra Streisands Single "Emotion" übernahm Roger Daltrey 1984 eine Rolle. "Barbra rief mich einfach an und fragte, ob ich mitmachen würde. War mir eine Ehre, weil sie so bezaubernd ist. Im Clip spiele ich ihren gelangweilten Ehemann, den sie ständig versucht zu verführen. Den ganzen Drehtag musste ich im Bett liegen, teilweise mit ihr", erinnert sich Daltrey. "Ich habe wirklich schon anstrengendere Jobs gehabt."

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Ehrung: Im Dezember 2008 wurden Roger Daltrey und Pete Townshend, die beiden Überlebenden von The Who, in Washington DC mit dem Kennedy Honors Award für ihr Lebenswerk ausgezeichnet, wie auch Barbra Streisand, Morgan Freeman, Country-Sänger George Jones und Choreographin Twyla Tharp.

Foto: Mike Theiler/ REUTERS
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Und Action! Roger Daltrey (2. von links) 1966 mit seinen Who-Kollegen John Entwistle, Keith Moon und Pete Townshend (von links) bei der Aufzeichnung des Songs "Happy Jack" für die britische TV-Show "Top Of The Pops".

Foto: Ron Howard/ Redferns/ Getty Images
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Rock-Oper: Daltrey 1975 als Hauptdarsteller Tommy Walker in einer Filmszene aus "Tommy". Der Musikfilm unter Regie von Ken Russell bot eine absolute Starbesetzung: Neben Daltreys bandkollegen spielten auch Eric Clapton, Elton John, Oliver Reed, Ann-Margret, Jack Nicholson und Tina Turner (als "Acid Queen") mit. "Tommy", das Album mit Songs wie "Pinball Wizard", "I'm free" und "We're not gonna take it", war bereits 1969 erschienen.

Foto: Moviestore Collection/ face to face
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