Genozid in Ruanda "Bilder des Triumphs und des Überlebens"

20 Jahre sind seit dem Völkermord an den Tutsi in Ruanda vergangen. Das Archiv der Hilfsorganisation Save the Children erinnert an das unvorstellbare Ausmaß des Terrors - und zeigt, wie die Opfer von einst mit der Erinnerung leben.
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Evans war acht Jahre alt, als er 1994 mit seinem Bruder Jean-Baptiste, 15, vor dem Völkermord fliehen musste. Sie konnten sich in ein Waisenhaus retten.

Foto: Colin Crowley/ Save the Children
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"Als ich auf der Flucht war und mich versteckte, dachte ich an gar nichts", erinnert sich Evans 20 Jahre später. "Wenn ich mir heute das Foto von damals anschaue, sehe ich ein Kind, das viel gelitten hat. Das Kind auf diesem Foto wusste nicht, was mit seiner Familie geschehen war. Nachdem das Bild aufgenommen worden war, litt ich sogar noch mehr, nachdem mir klar wurde, dass meine Eltern tot waren. Stück für Stück sind meine Wunden verheilt, aber mein Leiden trage ich immer noch mit mir."

Foto: Colin Crowley/ Save the Children
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Save the Children konnte Evans (im Bild) und seinen Bruder Jean-Baptiste mit einem Onkel zusammenführen. Heute arbeitet er in einer Metzgerei in einer Kleinstadt östlich von Kigali.

Foto: Colin Crowley/ Save the Children
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"Als die Massaker passierten, rannte ich davon und versteckte mich mit meinem Bruder in den Zuckerrohrfeldern am Fuß der Berge", erinnert sich Jean-Baptiste. "Wir versteckten uns tagelang ohne etwas zu essen, aber ich fühlte nicht einmal Hunger. Ich dachte nur daran, dass wir auf keinen Fall entdeckt werden durften. Ich wusste, dass wir sonst getötet werden würden. Wenn ich mir das Bild von damals anschaue, erinnere ich mich daran, dass ich zu dieser Zeit hoffte, weiter zu studieren. Aber ich konnte die Schule niemals abschließen. Das Bild erinnert mich daran, was ich verloren habe."

Foto: Colin Crowley/ Save the Children
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Nach seiner Flucht konnte es sich Jean-Baptistes Familie nicht leisten, den 15-Jährigen wieder zur Schule zu schicken. Er kehrte in sein Dorf zurück, um dort zu arbeiten. Seit sieben Jahren ist er als Wachmann tätig. "Ich tue alles, um meinen Kindern die guten Sachen zu geben, die ich nicht haben konnte", sagt Jean-Baptiste.

Foto: Colin Crowley/ Save the Children
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In den ersten Tagen des Genozids in Ruanda musste Flodouard mitansehen, wie seine Eltern ermordet wurden. Mit seinen jüngeren Geschwistern Cyprien und Gloriose konnte er in ein Waisenhaus fliehen. "Ich war dabei, als meine Eltern am 11. April 1994 beim Massaker getötet wurden. Ich konnte mich unter den Leichen verstecken. Es war als, würde Gott persönlich mich verstecken. Ich konnte fliehen und rannte so lange, bis ich zu den Militärkasernen gelangte."

Foto: Colin Crowley/ Save the Children
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Flodouards jüngerer Bruder Cyprien war 13, als das Morden begann. "Bei dem Blick auf das Foto sehe ich, dass ich damals glücklich war. Ich wusste nichts von den Schwierigkeiten, die noch vor mir lagen. Das Bild erinnert mich aber auch an den Fortschritt, den ich seitdem gemacht habe und an den Fortschritt, den mein Land hinter sich hat." Seit 16 Jahren ist Cyprien Angehöriger des Militärs in Ruanda. Der 33-Jährige arbeitet dort als Mechaniker.

Foto: Colin Crowley/ Save the Children
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Save the Children konnte Flodouard und seine Geschwister mit einem Onkel zusammenbringen. Er begann Geld zu sparen, um einen kleinen Bauernhof auf dem Land seiner Eltern zu errichten. Dort zog er seine jüngeren Geschwister auf. Jetzt ist Flodouard Kleinbauer und selbst Vater von drei kleinen Kindern. "Ich hoffe für meine Kinder, dass sie ein gutes Leben haben und niemals so etwas durchmachen müssen wie ich", sagt der 35-Jährige.

Foto: Colin Crowley/ Save the Children
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Gloriose, heute 25, ist die Schwester von Flodouard und Cyprien. "Als das Foto gemacht wurde, glaubte ich noch, dass alles gut werden würde, dass meine Eltern zurückkommen und mir ein glückliches Leben ermöglichen würden", sagt Gloriose. Heute studiert sie Pflanzenbauwissenschaft und Veterinärmedizin. "Mein Traum ist es, einmal so viel Geld zu verdienen, dass ich meinem Bruder Flodouard helfen kann, das Schulgeld seiner Kinder zu bezahlen. Mein älterer Bruder hat so viel für mich geopfert, damit ich eine Bildung genießen kann. Jetzt möchte ich das Gleiche für seine Kinder leisten."

Foto: Colin Crowley/ Save the Children
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In diesen Kisten lagert Save the Children die Unterlagen über die Waisen und Kriegsopfer. Von 1994 an bemühte sich die Organisation darum, ruandische Familien wieder zusammenzuführen.

Foto: Colin Crowley/ Save the Children
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Die Hilfsorganisation fertigte bei der Registrierung der Kriegsopfer Polaroid-Aufnahmen der Kinder an. Diese Bilder wurden dann in Gemeinden gezeigt, in der Hoffnung, dass die Jungen und Mädchen von Verwandten wiedererkannt werden.

Foto: Colin Crowley/ Save the Children
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Tausende Kinder konnten so wieder mit ihren Eltern, Geschwistern, Onkeln oder Tanten zusammengebracht werden. Diese Aufnahme hält einen dieser Moment fest.

Foto: Save the Children
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Etwa 45 Prozent der von Save the Children registrierten Kinder, fanden ihre Angehörigen wieder.

Foto: Save the Children
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Geoffrey Mugisha, Länderdirektor von Save the Children sagt: "Die Bilder sind wie Fenster, durch die wir Geschichten des Triumphs und des Überlebens sehen."

Foto: Save the Children
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