Sachbücher für Kinder Lesen und Lernen

Sachbücher stehen im Ruf, bei Kindern schnell im Regal zu verschwinden. Doch diese Titel sind so stark illustriert, schlau aufgebaut, liebevoll erzählt, dass sie junge Leser fesseln wie eine gute Geschichte.
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Vom Atelier zur Ausstellung

Mal angenommen, ein Kind findet Museen doof und dennoch drückt ihm jemand dieses total überfällige Buch in die Hand. Dann schlägt es einfach Seite 24 auf ("Wozu ins Museum gehen?") und erfährt, wie viele gute Gründe es gibt, ein Museum zu betreten: Kaffeetrinken. Vor dem Regen Schutz suchen. Träumen. Sich an etwas Schönem erfreuen. Selber zeichnen.
Entspannt lehnt man sich zurück und blättert neugierig weiter. Denn dieses Buch beschreibt nicht nur, was für Schatzkammern der Kulturen Museen sind, sondern auch, dass sie jedem offen stehen und ein großartiger Freiraum sind.
Die tschechischen Autoren haben ein großes, lebendiges und vor allem auch lustiges Buch gestaltet, mit verständlichen Illustrationen und Infos zu vielen berühmten Kunstwerken – sowie deren Diebstählen und Fälschungen. Sie erzählen auch, seit wann es Ausstellungen überhaupt gibt, was hinter den Kulissen einer Ausstellung passiert, und welche Berufe daran beteiligt sind. Am Ende stehen die Zeitungskritiken zu einer Ausstellungseröffnung: Eine ist begeistert, die andere ein Verriss. Das ist Kunst.

Anzeige Ondrej Chrobák, Rotislav Koycánk, Martin Vank, David Böhm: "Wie kommt die Kunst ins Museum?", Karl Rauch Verlag, 20 Euro, ab 6 Jahren.
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Brumm-brumm

Muldenkipper mit Knicklenkung. Raumtransporter. Hummerkutter. Scheren-Arbeitsbühne. Indonesische Piroge.
Manche Leute denken, dass kleine Kinder doof sind. Stimmt natürlich nicht. Wer einmal erlebt hat, dass Dreijährige Automarken erkennen und komplizierteste Fahrzeugbezeichnungen flüssig aussprechen, wird "Endlich!" rufen und sich über dieses Buch freuen. Warum? Weil hier alle, einfach alle Fahrzeuge zu Land, Luft und Wasser - rund um die Erde - in bunten, klaren Bildern dargestellt werden. Inklusive Raumfahrt macht das 105 Fahrzeuge. Herrlich!

Anzeige Anne-Sophie Baumann, Didier Balicevic: "Viele tolle Fahrzeuge", Gerstenberg Verlag, 12,95 Euro, ab 3 Jahren.
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Kinderleicht

Ein Schreib- und Lesebuch für Kinder. Ein Stück Kulturgeschichte für Erwachsene. Seit den Zwanzigerjahren veröffentlichte die Künstlerin Tom Seidmann-Freud Kinderbücher. Diese Fibel erschien erstmals 1930 und wurde jetzt neu aufgelegt. Ein klug gestaltetes, modernes Buch, didaktisch weit vor seiner Zeit.
Das Kind wird in vielen einfachen Übungen angeleitet, Buchstaben und Laute zu identifizieren und selbst den Stift zu führen. Später wird das Buch zu einer Lesefibel, in der wiederum Buchstaben erkannt und eigene Geschichten verfasst werden sollen.
Am Ende folgen kurze Anleitungen zur Schreibschrift und der deutschen Sütterlin-Schrift. Seidmann-Freud nannte es "Spielfibel": Spielend lernen, das war schon damals ihr Anliegen.

Anzeige Tom Seidmann Freud: "Hurra, wir lesen! Hurra, wir schreiben!", Walde+Graf, 16 Euro, ab 5 Jahren.
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Wie macht die Kegelrobbe?

Sehr süß, diese Kegelrobbe, und erst recht der Papageientaucher. Und wie klingt er? Mit dem Tastendruck ertönt ein... ähm... Geräusch? - Das man natürlich versucht nachzumachen. So kennt man es ja von Esel oder Kuh. Das kann bei diesen merkwürdigen Lauten nur schiefgehen, ist aber sehr lustig. Denn was ist schöner für Kinder als Erwachsene, die sich zum Affen machen?
Nein, für das menschliche Ohr sind die Töne nicht gemacht. Doch wer meint, Bücher oder Spielzeuge mit Geräuschtaste sollten verboten sein, muss keine Angst vor diesem Buch haben. Die Aufnahmen sind von angenehmer Lautstärke und nicht zu lang. Wer das Röhren und Schnaufen 80-mal gehört hat, kann damit auch ein Quiz machen.

Anzeige Holger Haag: "Tiere der Meere und Ozeane. Mit zwölf echten Tierstimmen", Coppenrath, 16,95 Euro, ab 6 Jahren,
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Was ist bloß los mit uns?

Seit dem Kindergarten kennen sich Pia und Paul, doch jetzt ist nicht mehr alles, wie es mal war. Abwechselnd erzählen sie in einem gemeinsamen Tagebuch mit unfassbarer Offenheit, wie sich ihre Körper verändern. Ist das realistisch? – Egal. So bietet sich jedenfalls die Möglichkeit, Jungs und Mädchen gleichermaßen zu Wort kommen zu lassen, etwas mehr als nur die üblichen Pubertätsfakten abzuhaken und auch dem sich verändernden Seelenleben Raum zu geben. Leider gerät die Autorin dabei etwas ins Schwafeln, und man wünscht sich einen weniger gewollt jugendlichen Stil.
Die vielen bunten Zeichnungen aber sind zugleich sachlich und lustig. Durch sie bekommt dieses Aufklärungsbuch die richtige Leichtigkeit. Gelungen ist auch die Themenvielfalt: Es geht nicht nur um die üblichen Verdächtigen - Anatomie, Verhütung, Zyklus, sondern auch um Dinge wie BH-Kauf und: die Liebe.

Anzeige Ilona Einwohlt, Katharina Vöhringer: "Gucken verboten! Das (fast) geheime Aufklärungsbuch", Sauerländer, 15 Euro, ab 11 Jahren.
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Über Ingenieurskunst

Die Geschichte von der Ratte, dem Frosch und dem Spatz, die ein Auto mit Viertaktmotor bauen. Warum das unbedingt drei Tiere machen müssen? Vielleicht soll es uns sagen: "He, das ist kinderleicht! Das können sogar Tiere!" Man weiß es nicht.
Ahnung haben die drei allerdings, und so begleitet man sie beim Zusammenbau des Wagens entlang detaillierter Zeichnungen, die dann in der Geschichte erläutert werden. Natürlich kann nicht jedes Bauteil berücksichtigt werden. Doch es reicht, um grundsätzlich zu verstehen, wie ein Auto funktioniert. Das Wagendesign stammt eher aus den Fünfzigern, ein toller Schlitten. Leider sind Sprache und Zeichnungen genauso nostalgisch. Der altbackene Stil und die düsteren Tierzeichnungen sind etwas anstrengend, aber es lohnt sich. Ein Vorlesebuch, bei dem mitlesende Erwachsene vielleicht auch mit erhellenden Erkenntnissen belohnt werden.

Anzeige Martin Sodomka: "Ronnie und seine Freunde bauen ein Auto", Ullmann, 9,99 Euro, ab 6 Jahren.
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In philosophischer Mission

Los, denk selbst! Wer willst du sein? Wofür bist du verantwortlich? Was ist normal? Was ist Liebe? Dein Leben fängt jetzt an, dir zu gehören. Was machst du damit?! Ein modernes Philosophiebuch ohne geschwätzige Schwurbelsätze. Eine Einladung zum Innehalten. Bernardys Buch ist ein Trainingscamp des Denkens, welches die großen Themen des Lebens verständlich auf den Punkt zu bringt.
Schade, dass das Cover nicht mehr von dieser Einladung transportiert. Dafür, dass es sich an Jugendliche wenden soll, ist es etwas zu nichtssagend geraten und läßt nicht erahnen, was für tolle Fragen sich dahinter verbergen.

Anzeige Jörg Bernardy, Linda Wölfel: "Philosophische Gedankensprünge - Denk selbst!", Beltz & Gelberg. 16,95 Euro, ab 12 Jahren.
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Wie schwer ist das Internet?

Dieses Buch könnte man die Schwester des Guinnessbuchs der Rekorde nennen. Denn hier geht es auch um Rekorde, aber nicht um bekloppte Sachen, die Menschen mit langen Fingernägeln in zehn Kilometer Höhe gemacht haben. Sondern um solche, die Natur, Technik oder der Mensch selbst zu bieten haben. Atemlose 192 Seiten lang wird man in großen Fotos und Grafiken mit Fakten und Rekorden zu buchstäblich allem zwischen Himmel (Welcher Planet ist am schwersten?) und Erde (Welche Chili ist am schärfsten?) zugeballert.
Auch der Mensch (Wie viele Haare haben Rothaarige?) bekommt ein Kapitel, und er wird genutzt, um Größenverhältnisse anschaulich zu machen. Einiges hätte man weglassen können, denn bei manchen großen Zahlen gerät man an die Grenzen der Vorstellungskraft. Aber insgesamt eine unterhaltsame Art, sich Naturwissenschaften zu nähern.

Anzeige "Das glaubst du nie!", DorlingKindersley, 16,95 Euro, ab 8 Jahren.
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Ein Hoch auf die Vielfalt

Viele Kinderbücher sind in den letzten Jahren erschienen, die Flüchtlingen ein Gesicht geben oder Fremdenfeindlichkeit etwas entgegensetzen wollen - die meisten von ihnen sind traurig. Dieses Buch bietet einen anderen Zugang zum Thema. Es will Kinder neugierig auf andere Kulturen machen, indem es davon ausgeht, dass wir alle fremd sind. Auch wenn es nur für kurze Zeit auf einer Reise ist.
Sinnvoll strukturiert erklärt Anne Kostrzewa in kindgerechten Texten, was alle Menschen gemeinsam haben und warum sie dennoch nicht alles gleich machen. Wozu zum Beispiel brauchen viele Menschen eine Religion? Wie streiten sich Japaner? Warum haben Ausländer einen Akzent? Und warum isst man in heißen Ländern viel Scharfes?
Richtig gelungen ist dieses Buch auch dank der fröhlichen Illustrationen von Inka Vigh. Ihre Bilder veranschaulichen die Erklärungen nicht nur sehr gut, sondern haben auch ihren eigenen Witz.

Anzeige Anne Kostrzewa, Inka Vigh: "Nasengruß und Wangenkuss - So macht man Dinge anderswo", Sauerländer, 14,99 Euro, ab 8 Jahren.
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