Schachweltmeister 16 große Champions, 16 kleine Anekdoten

Seit 130 Jahren gibt es den offiziellen Titel des Schachweltmeisters. Nur 16 Männer haben es seither an die Spitze geschafft, darunter geniale Kettenraucher und verhinderte Opernsänger. Klicken Sie sich durch ihre Geschichten.
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Raúl Capablanca (1921-1927)
Capablanca war ein Schachwunderkind. Angeblich hatte er schon mit vier Jahren Schach durch bloßes Zuschauen gelernt. Als Diplomat Kubas fand er später die besten Bedingungen für seine Schachkarriere und konnte sich nebenher um seine zahlreichen Liebschaften kümmern. Capablanca gewann seine Partien mit großer Leichtigkeit und verlor sehr selten. Gegen Fritz Sämisch widerfuhr ihm aber ein grober Fehler, als seine Ehefrau und seine Geliebte zur gleichen Zeit im Turniersaal erschienen.

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Max Euwe (1935-1937)
Euwe gelang es 1935, Weltmeister Aljechin zu besiegen und Weltmeister zu werden. Zwei Jahre später verlor er den Revanchewettkampf, nachdem Aljechin seine Alkoholsucht in den Griff bekommen hatte. Euwe war Amateur und arbeitete hauptberuflich als Mathematiklehrer. Der Niederländer genoss schon als Spieler hohes Ansehen und vergrößerte dies noch, als er Präsident des Weltschachbunds wurde. In seiner Amtszeit fand 1972 das legendäre Match zwischen Fischer und Spasski statt.

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Wassily Smyslow (1957-1958)
Im ersten Anlauf 1954 scheiterte Smyslow noch als Herausforderer von Botwinnik. Drei Jahre später konnte er den Altmeister besiegen, unterlag aber ein Jahr später im Revanche-Wettkampf. Smyslow rechnete beim Schach nicht weit voraus, sondern wusste intuitiv, wohin er die Figuren ziehen musste. Schach hatte er von seinem Vater gelernt, der eine große Schachbibliothek besaß. Smyslows zweite Liebe war der Gesang. Nur knapp verpasste er die Aufnahme als Bariton am Bolschoi-Theater.

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Michail Tal (1960-1961)
Die Zeitgenossen nannten ihn den "Magier von Riga", denn keiner kombinierte wie der junge Michail Tal, der seine Gegner förmlich vom Brett wirbelte. Auf diese Weise gewann er auch die Weltmeisterschaft 1960 gegen Botwinnik. Ein Jahr später unterlag er jedoch im Revanchekampf. Tal hatte Nierenprobleme, rauchte wie ein Schlot, war Alkoholiker und zudem zeitweise morphiumabhängig. Aber auch eine der liebenswürdigsten Personen im Schachzirkel.

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Boris Spasski (1969-1972)
Der in Leningrad geborene Spasski war eines der größten Schachtalente der Geschichte, gehörte aber nicht unbedingt zu den größten Kämpfern. Auch er lebte in seiner Kindheit und Jugend unter erbärmlichen Verhältnissen. Nachdem er 1966 noch an Petrosjan gescheitert war, gewann er den Titel 1969 im zweiten Anlauf. Nach der Niederlage gegen Fischer sah Spasski sich vom KGB verfolgt und erreichte die Ausreise nach Frankreich. 1992 spielte er ein verspätetes Revanchematch gegen Fischer, das er auch verlor.

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Robert James Fischer (1972-1975)
Fischer wurde mit 14 Jahren der jüngste US-Landesmeister. Beim Kandidatenturnier 1962 fühlte er sich von den Sowjet-Großmeistern betrogen und zog sich zeitweise vom Turnierschach zurück. 1972 besiegte er in Reykjavik Boris Spasski. Nach dem Sieg verschwand Fischer aus der Öffentlichkeit und tauchte erst 1992 wieder auf, als er das Revanchematch gegen Spasski gewann. Seine letzten Tage verlebte Fischer in Reykjavik, wo er 2008 an Nierenversagen starb. Fischer war psychisch labil und litt unter starker Paranoia.

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Anatoli Karpow (1975-1985)
Botwinnik attestierte dem jungen Karpow völlige Talentlosigkeit und riet von einer Schachkarriere ab. Karpow hielt sich nicht daran und wurde der beste Spieler der Welt. 1975 gewann Karpow den Titel kampflos, weil Fischer nicht antrat. 1985 verlor er ihn an Kasparow, kehrte aber nach der Spaltung der WM 1993 als "Fide-Weltmeister" zurück. Karpow besitzt die weltgrößte Briefmarkensammlung, ist im Ölgeschäft aktiv und spielt noch regelmäßig in der Schachbundesliga.

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Garri Kasparow (1985-2000)
Kasparows Talent entwickelte sich mit unglaublicher Geschwindigkeit. 1984 spielte er gegen Karpow sein erstes WM-Duell. Da keiner die erforderlichen sechs Partien gewann, wurde das Match 1985 wiederholt. Kasparow gewann und wurde der erste Weltmeister, der Computertechnologie mit Schachdatenbanken systematisch nutzte. 1993 booteten Kasparow und Nigel Short den Weltverband Fide aus und spalteten das System der Schach-WM. Im Jahr 2000 verlor Kasparow den Titel, mittlerweile kämpft er als Oppositionspolitiker gegen Wladimir Putin.

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Wladimir Kramnik (2000-2007)
Kasparow hatte seinen Landsmann Kramnik als Herausforderer bestimmt, unterlag aber im Jahr 2000 in London gegen seinen besser vorbereiteten Gegner. Die Revancheforderung von Kasparow lehnte Kramnik ab. Stattdessen erreichte er in Verhandlungen mit dem Weltschachbund Fide die Wiedervereinigung des seit 1993 gespaltenen Systems. Kramnik besiegte im unter skandalösen Umständen durchgeführten Wiedervereinigungskampf Konkurrenz-Weltmeister Weselin Topalow.

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Viswanathan Anand (2007-2013)
1991 tauchte der Inder in der Weltspitze auf und verblüffte die Konkurrenz mit seinem unglaublich schnellen Spiel. 1995 qualifizierte sich Anand als Herausforderer von Kasparow in dessen "PCA-WM", unterlag aber im New Yorker World Trade Center. 2000 gewann Anand die WM der Fide und holte sich nach der Wiedervereinigung 2007 auch den absoluten Titel. Nach vielen Turnierteilnahmen in Deutschland spricht Anand neben einigen anderen Sprachen auch fließend Deutsch.

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Magnus Carlsen (2013 bis heute)
Bei einem Schnellschachturnier 2004 besiegte der 13-jährige Carlsen beinahe Kasparow und war auf einen Schlag bekannt. In der Folge spielte er sich konsequent in die Weltspitze. Das Kandidatenturnier 2013 gewann er nur knapp, den WM-Kampf im gleichen Jahr gegen Anand dann klar. 2014 verteidigte Carlsen seinen Titel gegen den gleichen Gegner. In Norwegen ist Carlsen ein Popstar, Live-Übertragungen seiner Partien im Fernsehen erreichen 30 Prozent Marktanteil. Zum WM-Start 2016 lief der Film "Magnus, der Mozart des Schachs" in den Kinos an.

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