Frauendusche und Schafsdarmkondom Die Geschichte der Verhütung

Frauendusche, Scheidenbarrieren, Schafsdarmkondom: Wenn es darum ging, eine Schwangerschaft zu verhindern, waren die Menschen schon immer recht erfinderisch. Doch bis zum Kondom mit Flügeln sollte es noch viele Jahre dauern. Und viele der Verhütungsmethoden brachten - nichts.
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Kondom mit Flügeln: Der Hersteller bewirbt das etwas seltsam anmutende Präservativ als "die erste echte Innovation auf dem Kondom-Markt seit einem Jahrhundert." An Erfindungen zur Verhütung von Schwangerschaften und Schwangerschaftsabbrüchen hat es in der Geschichte der Menschen nicht gemangelt. So waren...

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...Scheidenspülungen im 19. Jahrhundert sehr verbreitet. Allerdings waren sie nicht besonders wirksam, da einige Spermien blitzschnell den Muttermund erreichen. "Man kann sich vorstellen, dass die Anwendung nicht sehr lustbetont war", sagt Christian Fiala, Gründer des Museums für Verhütung und Schwangerschaftsabbruch in Wien. "Die Frauen mussten unmittelbar nach dem Verkehr aufspringen und dann mit kalten, heißen oder ätzenden Mitteln die Scheide ausspülen." Dass Scheidenspülungen trotzdem weit verbreitet waren, zeigt die Menge an Exponaten, die Fiala gesammelt hat. "Im Museum haben wir um die 50 Stück."

Foto: muvs.org
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Spülapparate wie dieser marmorierte waren beliebte Hochzeitsgeschenke. Jeder wusste, was für einen Zweck die verzierten Gefäße haben. Auch heute kann man sie noch auf Flohmärkten finden. Allerdings ist ihre Bestimmung kaum mehr bekannt. "Als ich auf dem Flohmarkt einen entdeckt habe, habe ich den Händler gefragt, was das ist. Überzeugt antwortete er, das sei zum Ölpressen", sagt Fiala. Die Apparate waren Zylinder, innen gibt es eine Pumpe mit einer Feder, die aufgezogen werden konnte wie eine Uhr - so wurde der Druck erzeugt. "Das war schon ein gewisser Fortschritt, es gab eine Mechanik."

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Bidets dienten nicht der Körperhygiene, sondern waren ein Verhütungsmittel für gehobenere Frauen zur Schwangerschaftsverhütung. Bis Anfang der sechziger Jahre fanden Bidets reißenden Absatz. "Erst als die Pille auf den Markt kam, wollte sie niemand mehr", sagt Fiala. Am "Highend" gab es Fiala zufolge das Bidet, am "Lowend" die Frauendusche. Bei Ebay lässt sich folgende Geschichte über die Aufgabe eines Bidets nachlesen: "Ich erinnere mich an eine Amerikanerin, die vor gar nicht so langer Zeit im Bad eines französischen Hotels das Bidet entdeckte und das Zimmermädchen fragte: 'Oh, how lovely. Is it to wash the babies in?' Worauf die junge Französin lächelnd erwiderte: 'No madame, it is to wash the babies out.'"

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Der Schwamm ist eine der ältesten Verhütungsmethoden. Vor allem in der Antike sollte er die Frauen vor einer Schwangerschaft schützen. Er wurde mit Harzen, Honig, Salzlake oder ähnlichem getränkt und dann in die Scheide eingeführt. Der Schwamm sollte als Barriere dienen und die Spermien nicht in die Gebärmutter lassen.

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Das Kondom war schon immer ein Naturprodukt. Bevor Charles Goodyear die Vulkanisierung entwickelt hatte, mit deren Hilfe man Kautschuk widerstandsfähig machen kann, mussten sich die Menschen mit dem behelfen, was es in ihrer Umgebung gab. "Es war naheliegend, Schafsdarm zu benutzen, die Menschen haben eng mit den Tieren gelebt und alles Tierische genutzt", sagt Fiala. Der Blinddarm des Schafes sei, wenn das Schaf drei Monate alt ist, in etwa so groß wie ein erigierter Penis. Zudem haben Schafe keinen Wurmfortsatz am Blinddarm. "Wäre ja auch unpraktisch, wenn man das nutzen wollte." Die Kondome waren teuer und rar.

1855 stellte Goodyear aus dem Pflanzensaft Kautschuk das erste, ein bis zwei Millimeter dicke Gummikondom mit Längsnaht her. Julius Fromm gelang es dann 1912, hauchdünne Kondome mit Reservoir ohne Nähte zu produzieren. Sieben Jahre später waren es täglich bereits 150.000 Stück.

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Der Wiener Adolf Schmid entwickelte 1931 ein Präzisionsinstrument, mit dem Frauen ihre fruchtbaren und unfruchtbaren Tage bestimmen konnten. Die Methode basiert auf jener von Knaus und Ogino, bei der Frauen ihren Menstruationszyklus genau protokollieren müssen. Das Gerät wurde ein Kassenschlager und machte seinen Hersteller zum Millionär. Mit Einführung der Pille ging das Unternehmen pleite.

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Der Fruchtbarkeitstester hat die Form eines Lippenstifts, innen befindet sich eine kleine Lupe, die abgeschraubt wird. Die Frau trägt Muttermundschleim auf und lässt ihn antrocknen. Dann schraubt sie die Lupe wieder ein. Durch eine kleine Lichtquelle lassen sich Muster im Schleim erkennen. Sieht es aus wie Farnkraut, sollte die Frau auf Geschlechtsverkehr verzichten.

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In den siebziger Jahren geisterte das Schlagwort "Gossypol" durch die Weltpresse. Gossypol, das aus der Baumwollpflanze gewonnen wird, greift die Enzyme der Samenfäden an und macht die Spermien dadurch bewegungsunfähig. Entdeckt wurde das Wundermittel von einem chinesischen Arzt. Dieser kam auf die Idee, dass die auffällige Unfruchtbarkeit vieler Dorfbewohner mit ihrer Ernährung durch Baumwollsaatöl zusammenhängen könnte. Die Beobachtungen bestätigten sich, und die Regierung Chinas startete einen Massenversuch mit über 8000 Menschen. Die Erfolge waren enorm, denn nahezu alle Versuchspersonen wurden unfruchtbar. Allerdings kam es zu schweren Nebenwirkungen, und die Hälfte der Versuchspersonen blieb unfruchtbar, nachdem die Behandlung mit Gossypol längst abgesetzt war. Es setzte sich nicht durch.

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Ernst Gräfenberg war Anfang des 20. Jahrhunderts Gynäkologe in Deutschland. "Vielen ist der Name ein Begriff, weil er den G-Punkt der Frau, ihre erogene Zone in der Scheide, entdeckt hat", sagt Fiala. Gräfenberg hat auch die erste Spirale entwickelt, die heute noch in China angewendet wird.

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Enovid war die erste Verhütungspille weltweit. Sie kam 1960 in den USA auf den Markt und leitete eine Revolution in der Verhütung ein. 1961 folgten Anovlar in West-Deutschland und Ovosiston in Ost-Deutschland.

Mit der "Pille" konnten Frauen erstmalig ihre Fruchtbarkeit selbständig und wirksam kontrollieren. Damit ging ein jahrtausendealter Menscheitstraum in Erfüllung: die Trennung von Sexualität und Fruchtbarkeit. Die Einführung der "Pille" war nicht nur ein unglaublicher medizinischer Fortschritt, sondern leitete auch große gesellschaftliche Umwälzungen ein - etwa die sexuelle Revolution 1968.

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