Schlacht um Verdun Apokalypse des Stellungskriegs

Mann gegen Mann in der "Knochenmühle": Das Grauen von Verdun ist unvorstellbar. Diese Schlacht im Ersten Weltkrieg wurde zum Inbegriff des sinnlosen Gemetzels.
1 / 22

"Helme und Schädel": Das Foto zeigt den Einschlag einer schweren Granate, im Vordergrund liegen mehrere Helme. Insgesamt wurden in der Schlacht von Verdun mindestens 20 Millionen Granaten verschossen. Die Geschütze pflügten den Boden um, ganze Ortschaften wurden pulverisiert. Noch Jahrzehnte später fanden Bauern Knochen in der Erde. So lautet die erste Strophe eines 1932 veröffentlichten Gedichtes von Erich Kästner:
Auf den Schlachtfeldern von Verdun
finden die Toten keine Ruhe
Täglich dringen dort aus der Erde
Helme und Schädel, Schenkel und Schuhe.

2 / 22

Lebendig begraben: Die kolorierte Postkarte zeigt französische Soldaten, die 1916 Position in einem ehemals deutschen Unterstand bezogen haben. Auswertungen von Erinnerungen, Tagebuchaufzeichnungen und Briefen zeigen, dass die Schlachtteilnehmer eine enorm große Angst davor umtrieb, durch den Beschuss lebendig begraben zu werden. Die Schlacht von Verdun wurde zum Inbegriff des sinnlosen Gemetzels. 

3 / 22

"Nur Mut, wir kriegen sie": Die Ruinen der lothringischen Stadt Verdun im Jahr 1916. Am 21. Februar 1916 eröffneten die Deutschen aus mehr als 1200 Rohren das Feuer auf die französischen Stellungen und entfachten ein Trommelfeuer, das neun Stunden lang anhielt. Nachdem die Deutschen zunächst rasch nach vorn gedrängt waren und am 25. Februar das Fort Douaumont erobert hatten, stockte der Vormarsch ab Anfang März. General Philippe Pétain gab die Losung aus: "Courage, on les aura!" ("Nur Mut, wir kriegen sie!") - fortan setzte Frankreich alles daran, die Deutschen vor Verdun abzuwehren.

Foto: DB/ dpa
4 / 22

Quälender Durst: Französische Soldaten in einem der Forts, die die Festung Verdun in einem Doppelkranz umgaben. Die Männer quälte nicht nur Todesangst, Schmerz, Hunger und Erschöpfung, sondern auch der Durst. Ständig unter Beobachtung des Feindes, konnte kein Nachschub geholt werden: Der Wassermangel war so gravierend, dass die Soldaten mitunter das Sickerwasser von den Wänden leckten, ihre nassen Umhänge aussaugten, ihren eigenen Urin oder das Regenwasser aus den verschlammten, oft mit Leichenteilen gefüllten Granattrichtern tranken.

Foto: AP
5 / 22

Schutzlos ausgeliefert: Sperrfeuer bei Verdun. Anders als etwa an der Somme bestanden die Schützengräben um Verdun häufig nur aus miteinander verbundenen Granattrichtern. Aufgrund des dort vorhandenen harten Kalkbodens war es schwierig, in die Tiefe zu graben – die Soldaten kauerten vielfach in provisorischen Kuhlen und waren den Angriffen des Gegners schutzlos ausgeliefert.

Signatur im Bundesarchiv: Bild 183-R06111
Zum digitalen Bildarchiv des Bundesarchivs 

6 / 22

Höllenbrand: Eine durch Beschuss beschädigte Christus-Statue in der Nähe von Verdun. Am 22. Mai 1916 notierte der der Verdun kämpfende französische Leutnant Alfred Joubaire: "Die Menschheit ist verrückt geworden. Was für ein Massaker! Dieser Horror, dieses Gemetzel. Ich finde keine Worte, um meine Eindrücke wiederzugeben. So furchtbar kann nicht einmal die Hölle sein." Eine Woche später war er tot - mit gerade einmal 20 Jahren.

7 / 22

Warten auf den Einsatz: Die kolorierte Postkarte zeigt französische Reservesoldaten vor Verdun. Anders als auf deutscher Seite der Front gab es vor Verdun für die Franzosen ein klar geregeltes Rotationsprinzip: die "Noria" (französisch für "Schöpfrad"). Laut Historiker Gerd Krumeich führte die "Noria" dazu, dass von den rund 100 Divisionen, die die französische Armee 1916 an der Westfront besaß, 71 zumindest einmal vor Verdun in den vordersten Reihen standen. Auf deutscher Seite fehlte ein solches logistisches System, die deutschen Soldaten wurden, so Krumeich, buchstäblich "zu Schlacke verbrannt".

8 / 22

Schlammwüste: Das Foto zeigt französische Soldaten beim Angriff. Besonders hatten die Männer auf beiden Seiten der Front mit dem Schlamm zu kämpfen, da es während der Schlecht um Verdun extrem viel regnete: Zwischen Beginn der Schlacht (am 21. Februar 1916) und Ende (am 15. Dezember 1916) kamen im Schnitt zwei Tage Regen auf drei Tage Sonne.

Foto: ARCHIVES/ AFP
9 / 22

Die Nabelschnur von Verdun: Tag und Nacht rollten auf der Straße von Bar-le-Duc nach Verdun die Lastkraftwagen und karrten Soldaten, Waffen, Munition und Verpflegung an die französische Front. Stoßstange an Stoßstange drängten sich die Fahrzeuge, teilweise rollten täglich 9000 Laster auf der vom französischen Schriftsteller Maurice Barrès "Voie Sacrée" ("Heilige Straße") getauften Strecke. Zur modernen Rollbahn ausgebaut wurde sie unter General Philippe Pétain.

Foto: AP
10 / 22

"Zerfetzte Leichen": Französische Soldaten unter Beschuss. Eindringlich schilderte der Arzt Louis Monnier in einem Brief an seine Frau das Grauen auf dem Schlachtfeld: "Du kannst dir nicht vorstellen, wie schrecklich dieses Gelände war, als wäre es von einem riesengroßen Pflug bearbeitet worden; riesige Löcher, alle schwarz vom Puder; hier und da lagen noch großkalibrige Blindgänger, zerfetzte Leichen."

Foto: General Photographic Agency/ Getty Images
11 / 22

Kanonenfutter: Per Lastwagen wurden die Leichen dieser vor Verdun gefallenen deutschen Soldaten vom Schlachtfeld abtransportiert. Menschen galten im zynischen Kalkül der kriegsführenden Generäle ebenso als Material wie Waffen, Munition und Verpflegung. Es galt die Überzeugung: Wer es schafft, noch mehr Material als der Gegner heranzuschaffen, kann die Schlacht gewinnen.

Foto: imago/United Archives
12 / 22

Tödlicher Feuerstrahl: Eine der gefürchteten Hilfswaffen im Infanteriekampf vor Verdun war der Flammenwerfer. In Deutschland entwickelt, fand der erste große Einsatz am 26. Februar 1916 statt. Das Prinzip: In einem Behälter unter Druck stehendes Flammenöl wird durch ein Rohr verspritzt und beim Verlassen durch eine Zündvorrichtung entzündet. Das Foto stammt aus der ZDF-Dokumentation "Die Hölle von Verdun" von 2006 (Regie: Stefan Brauburger, Oliver Halmburger).

Foto: ddp images
13 / 22

Abnutzungsschlacht: Helm und Gewehr auf dem Foto gehören einem vor Verdun gefallenen Soldaten - sie markieren jene Stelle auf dem Schlachtfeld, an der er sterben musste. Verdun gilt als Symbol der sinnlosen Abnutzungsschlacht. Exakte Zahlen sind nicht zu ermitteln, Historiker gehen von circa 700.000 Verlusten aus, dazu gehören Tote ebenso wie Gefangene, Verwundete, Vermisste. Konkret beliefen sich die Verluste laut Historiker Gerd Krumeich auf 336.000 Deutsche (davon 143.000 Tote) und 362.000 Franzosen (davon 167.000 Tote).

Foto: Hulton Archive/ Getty Images
14 / 22

Sinnloses Blutvergießen: Deutsche Infanteristen in einem Dorf bei Verdun (Aufnahme von Mai 1916). Am 1. Juli startete die britisch-französische Offensive an der Somme, die Deutschen zogen einen großen Teil ihrer Truppen aus Verdun ab. Am 15. Dezember 1916 nahmen die Franzosen im Rahmen einer letzten Offensive auf dem rechten Maasufer wieder das Gebiet von Louvemont bis Bezonvaux ein - die Front verlief am Ende der Schlacht nahezu dort, wo sie im Februar gestanden hatte.

Foto: Hulton Archive/ Getty Images
15 / 22

Der Mensch als Material: Das Foto zeigt einen von den Deutschen eroberten französischen Graben auf der Höhe 304 - eine der strategischen Schlüsselstellungen der Schlacht um Verdun. Oft hatte man keine Zeit, die Leichen zu begraben oder wegzubringen. Den Erinnerungen der Soldaten zufolge wurden die leblosen Körper der Kämpfer vor Verdun unter anderem dazu benutzt, die Schützengräben zu stabilisieren.

16 / 22

Gift aus der Luft: In der Schlacht von Verdun gehörten die Gasmasken (hier von deutschen Soldaten präsentiert) zur unerlässlichen Ausrüstung. Mit Giftgas hatten die Deutschen zuerst in der Schlacht von Ypern 1915 angegriffen. Vor Verdun kam es dann auf beiden Seiten massiv zum Einsatz von Phosgen- und Diphosgen-Granaten (wegen des grünen Kreuzes zur Markierung bei den Deutschen auch als "Grünkreuzgranaten" bekannt). Phosgen ist ein farbloses, süßlich faul riechendes Gas, das zu Augen- und Hustenreiz und schließlich zu einem fast immer tödlich verlaufenden Lungenödem führt.

17 / 22

Lebensgefährliches Vorrücken: Soldaten ducken sich in einem Schützengraben vor Verdun. Bereits das Vorrücken in die vorderste Stellung war lebensgefährlich. Die Männer hatten ein Gepäck von mehr als 20 Kilogramm auf dem Rücken, sanken oftmals im Schlamm ein, mussten die kurzen Feuerpausen nutzen, um sich weiter vorzuarbeiten.

Foto: imago/United Archives International
18 / 22

Verwundet: Mühsam schleppen sich verletzte Soldaten vor Verdun über ein Feld. Bei Tag verhinderte der Dauerbeschuss oftmals, dass sich Verwundete auch nur von der Stelle rühren konnten. Stundenlang lagen sie da, bevor jemand sie fand und im Schutz der Nacht in den Sanitätsunterstand transportierte. Der Theologiestudent Johannes Haas schrieb am 1. Juni 1916 auf dem Schlachtfeld: "Ich liege auf dem Schlachtfeld mit Bauchschuss. Ich glaube, ich muss sterben. Bin froh, noch einige Zeit zu haben, mich auf die himmlische Heimkehr vorzubereiten." Haas starb noch am selben Tag.

Foto: imago/United Archives International
19 / 22

Isoliert: Das Foto zeigt einen deutschen Soldaten nahe des Fort Vaux - von dem Kameraden zu seiner Linken sind nur noch die Beine zu sehen. Die in der Schlacht um Verdun kämpfenden Männer litten massiv unter dem Zustand völliger Isolation. Immer wieder beschädigten Angriffe die offen verlegten Telefonleitungen, die Kommunikation zwischen kämpfenden Soldaten und Befehlshabern wurde abgeschnitten. So schrieb etwa der Franzose Noël Vacher, Jahrgang 1900: "Wir erhielten von niemandem mehr irgendeinen Befehl. Wir wussten nicht, wer in den Löchern nebenan lag. Wir waren uns völlig selbst überlassen." Oftmals einzige Verbindung zwischen der Gefechtsführung und den Truppen an vorderster Front: die "Läufer", die unter Geschosshagel hin- und hereilten, um Informationen zu überbringen.

Foto: IWM
20 / 22

Im Zweiten Weltkrieg: Am 15. Juni 1940, nur einen Tag nach der Eroberung von Paris, wurde Verdun von deutschen Truppen eingenommen (das Foto zeigt vorrückende Panzertruppen). Das NS-Parteiblatt, der "Völkische Beobachter", schrieb: "Das Symbol der Widerstandskraft Frankreichs gefallen. (...) Heute ist der Mythos zerbrochen. Wo im Jahr 1916 die deutsche Kraft erlahmte, ist unser Heer unaufhaltsam weitergestürmt."

21 / 22

Mondlandschaft: Zahlreiche Höhen und Schluchten charakterisieren das Schlachtfeld von Verdun, wie diese zeitgenössische Illustration veranschaulicht (veröffentlicht am 26. März 1916). Der Gegner war meist in Sichtweite, von Fesselballons, Flugzeugen und Anhöhen aus wurde jede Bewegung registriert.

Foto: imago/Leemage
22 / 22

Geste der Versöhnung: Am 22. September 1984 reichten sich der damalige französische Staatspräsident François Mitterrand (links) und der damalige deutsche Bundeskanzler Helmut Kohl über den Gräbern von Verdun die Hand. Minutenlang verharrten die beiden Politiker schweigend in dieser Haltung. Ob spontane Geste oder kalkulierte Inszenierung: Das Foto hat sich als Symbol der deutsch-französischen Aussöhnung ins kollektive Gedächtnis eingebrannt.

Foto: Wolfgang Eilmes/ picture-alliance/ dpa
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.