Schüler erzählen Wir sind sitzengeblieben

Sind Sitzenbleiber die Dödel von der letzten Bank und einfach nicht schlau genug fürs Weiterkommen? Politiker streiten gern darüber, ob die Ehrenrunde sinnvoll ist, als Weckruf oder Warnschuss. Hier erzählen sechs Schüler, wie sich Wiederholen anfühlt - und ob es geholfen oder geschadet hat.
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Der Moment, in dem man erfährt, dass es mit der Versetzung nicht geklappt hat, tut weh. Hier erzählen Schüler, wie es ihnen im Wiederholungsjahr ergangen ist. mehr... 

Foto: Corbis
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Tobias, 18, 12. Klasse: "Ich will eine Zwei vor dem Komma"

"Ich hätte eigentlich im April meine Abiturprüfungen machen müssen. Doch zum Halbjahreswechsel wurde ich in die elfte Klasse zurückversetzt. Die Leistungsanforderungen waren besonders in den Fremdsprachen zu hoch für mich.

Wenn ich nicht sitzengeblieben wäre, hätte ich mich genauso angestrengt wie jetzt. Aber leistungstechnisch hätte ich ein Problem. Denn bereits in der Qualifikationsphase, die ich jetzt wiederhole, sammelt man Punkte für das Abitur. Außerdem durfte ich nun meine Prüfungsfächer neu wählen. Mein Ziel ist ein Abischnitt mit einer Zwei vor dem Komma."

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Anna-Lena, 16, 9. Klasse: "Dankbar, dass ich eine Chance bekam"

"Das vergangene Schuljahr habe ich wiederholt, weil mir damals der Kopf nicht danach stand zu lernen. Ich hatte einfach aufgehört, mich mündlich zu beteiligen. Mein Papa war schwer krank, es stand zu befürchten, dass er sterben wird.

Als es ihm wieder besser ging, habe ich versucht noch die Kurve zu kriegen, aber dafür war es zu spät. Ich bin sehr dankbar, dass ich die Chance bekam, alles nachzuholen, was ich verpasst hatte. Mit einer Fünf in Mathematik wäre es schwer gewesen, Architektin zu werden. Jetzt habe ich eine Eins und freie Bahn zum Durchstarten."

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Tom, 17, 10. Klasse: "Ich dachte, das Jahr packst du eh"

"Im vergangenen Jahr habe ich nichts für den Unterricht getan, weil ich dachte, dass ich das Jahr eh packen würde. Als mir klar wurde, dass meine Versetzung auf dem Spiel stand, akzeptierte ich das und chillte weiter, feierte und schlief zu viel, trieb mehr Sport und spielte mehr Videospiele als zu lernen. Aber ich schwor mir, in meinem zweiten zehnten Schuljahr Vollgas zu geben, um eine gute Grundlage für die Oberstufe zu bekommen.

Meine einzige Angst war, in der neuen Klassengemeinschaft als der Dumme zu gelten und nicht so integriert zu sein wie in der alten. Aber das Gegenteil ist der Fall. Ich fühle mich auch jetzt wohl und will unbedingt ein gutes Abitur machen und studieren, um die bestmöglichen Berufschancen zu haben. Und das traue ich mir auch zu."

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Jana, 17, 10. Klasse: "Ich war eine der Jüngsten"

"Lauter Vieren machen sich auf dem Bewerbungszeugnis nicht so gut, also bin ich freiwillig ein Jahr zurückgetreten. Meine ehemalige Freundin aus der alten Klasse hat die Schule gewechselt. Ich habe dann nicht mehr richtig Anschluss finden können und war eine der Jüngsten. In der neuen Klasse hat von Anfang an alles gepasst. Schnell hat es Klick gemacht, und ich sagte mir: 'Streng dich an, damit du gute Noten bekommst.' Mittlerweile kommt eine Vier auf dem Zeugnis bei mir nicht mehr vor."

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Vanessa, 15, 8. Klasse: "Ich dachte, ich werde ausgelacht"

"Ich habe im achten Schuljahr eine freiwillige Ehrenrunde gedreht, weil ich in Mathe nicht mehr mitkam. Damals hatte ich eine Fünf. Jetzt habe ich eine Zwei. Ich dachte, ich werde ausgelacht, aber im Gegenteil: Man hat Respekt davor, dass ich so ehrgeizig bin, wegen nur einer schlechten Note ein ganzes Schuljahr zu wiederholen. Meine Schwester hat das übrigens auch getan - und ist genauso froh wie ich."

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Lukas, 13, 6. Klasse: "Ich wäre lieber bei meinen alten Freunden"

"Sitzengeblieben bin ich, weil meine Noten insgesamt nicht so gut aussahen. Zu Hause spiele ich lieber Fußball oder Klavier, als etwas für die Schule zu tun. Ich würde viel lieber mit meinen Freunden aus der alten Klasse im Unterricht sitzen. Der Lernstoff fällt mir auch nicht viel leichter als vorher. Ich könnte mir vorstellen, im siebten Schuljahr genauso gut klar zu kommen wie jetzt. Schlechte Noten will ich vermeiden, damit meine Eltern sich nicht darüber aufregen - und damit ich später einen guten Job bekomme."

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