Selbstgezeichnete Videospiel-Landkarten So sehen Gamer-Träume aus

Früher mussten sich Videospieler den Abspann eines Games hart erarbeiten. Es gab keine Cheats und Lösungshilfen aus dem Internet, die Spiele besaßen nicht einmal eingebaute Karten. Also griffen die Spieler selbst zum Bleistift - das Magazin GEE zeigt die schönsten.
1 / 8

Philipp Schruff, 33, Unternehmensberater aus Berlin

"Sim City" (Amiga)

Wochenlang spielt Philipp Schruff damals gemeinsam mit seinem Freund Robert "Sim City". Dessen Vater besitzt einen Amiga für die Arbeit, in Schruffs Jugendzimmer jedoch steht keiner. Philipp hat also ein Problem: "Wie soll ich die Städtebausimulation nur spielen?" Die Lösung: Er nutzt den Schulunterricht, um seine Städte auf Kästchenpapier vorzuplanen. Zuerst Blöcke mit den Buchstaben I, R, C – Symbole für Industrial Zone, Residental Zone, Commercial Zone – später sogar die Layouts ganzer Stadtviertel mit Straßen, Bahngleisen, Häfen und Kraftwerken. Noch heute besitzt Philipp Schruff die Screenshots der Umsetzung seiner Pläne im Spiel – fein ausgedruckt von neun schnellen Nadeln.
 
Sim City, Indiana Jones, Pirates - welche Spielwelten haben Sie in Karten nachgezeichnet? Mailen Sie uns Fotos oder Scans, ihren Namen, ihr Alter und vor allem die Geschichte zu Ihrer Spielkarte. Die schönsten Einsendungen werden auf SPIEGEL ONLINE und bei GEE veröffentlicht. Wer eine E-Mail schickt, stimmt der Veröffentlichung zu und versichert, die Rechte an den mitgeschickten Fotos zu besitzen. Wir freuen uns auf Ihre E-Mails !

Foto: Benne Ochs / GEE
2 / 8

Wolfgang Weber, 33, Koordinator aus Frankfurt

"Indiana Jones und der letzte Kreuzzug" (PC)

Neugier und Beharrlichkeit haben Wolfgang Weber dazu motiviert, eine Sammlung von Lösungsblättern anzulegen und sie säuberlich in Ordner einzusortieren. Zu 100 Prozent erforschen will er seine Spiele und ihnen all ihre Geheimnisse entlocken. "Dafür habe ich viele mehrmals durchgespielt, manche bestimmt 20 Mal." Seine Lösungen selbst zu tippen, "darauf war ich stolz wie Bolle. Es gab ja noch kein Internet zu der Zeit, nur dann und wann Lösungen und Hinweise in Spielezeitschriften." Häufig sind die jedoch lieblos zusammengestückelt, und Fehler gibt es darin oftmals auch. "Ich habe bei 'Indy' damals akribisch die Lösungswege abgeklappert – aber erst vor einigen Wochen habe ich gelesen, dass es mehrere Enden gab. Wie schockierend!"
 
Sim City, Indiana Jones, Pirates - welche Spielwelten haben Sie in Karten nachgezeichnet? Mailen Sie uns Fotos oder Scans, ihren Namen, ihr Alter und vor allem die Geschichte zu Ihrer Spielkarte. Die schönsten Einsendungen werden auf SPIEGEL ONLINE und bei GEE veröffentlicht. Wer eine E-Mail schickt, stimmt der Veröffentlichung zu und versichert, die Rechte an den mitgeschickten Fotos zu besitzen. Wir freuen uns auf Ihre E-Mails !

Foto: Benne Ochs / GEE
3 / 8

Bara Udayana, 36, Architekt aus Berlin

"Sid Meier’s Pirates" (C128)

Eine Karte für "Pirates" ist die größte Mission, zu der Bara Udayana und sein Bruder Clemens je aufgebrochen sind – damals, 1988. Ihr Ziel: Orientierung. Schließlich liegt der unbekannte Teil der Piratenwelt stets im Dunkeln. Es existieren zahllose Stadthäfen, in denen es Proviant an Bord zu holen oder Quests zu erfüllen gibt. Dumm nur, dass ihr DIN A2 großes Kunstwerk seine Tücken hat. Beim Neustart beginnt das Spiel nämlich immer in einem anderen Jahr. "Oft war es so, dass ich eine Siedlung anfahren wollte, sie aber nicht aufzufinden war, weil es sie noch nicht gab." Trotzdem ist es eine tolle Zeit: "Ich hatte das Gefühl, ein echter Kapitän zu sein, der auf einer realen Karte seine Route festlegt."

Foto: Benne Ochs / GEE
4 / 8

Dr. Jan-Hinrik Schmidt, 36, Wissenschaftlicher Referent aus Hamburg

"Monty On The Run" (C64)

Ein kleiner Maulwurf hat den 14-jährigen Jan-Hinrik Schmidt fest in seiner Gewalt. Fasziniert von der "selbst rückblickend betrachtet extrem netten Musik" eines Rob Hubbard stürzt er sich immer wieder in Montys Welt – und merkt schnell, dass er Hilfe braucht. Denn das Spiel scrollt nicht flüssig, sondern nur Bildschirm für Bildschirm: Jan verliert den Überblick. Also fängt er an, beim Spielen zu malen. Ein Prozess, der "damals bestimmt mehrere Monate andauerte, denn das Spiel hat mich immer wieder gefesselt." Durchgespielt hat er "Monty" jedoch nie – trotz seiner Karte. "Sie bricht ab, als ich ziemlich am Ende des Spiels Auto fahren musste. Da wurde es zu schnell für mich."

Foto: Benne Ochs / GEE
5 / 8

Marius Mathes, unbekannt

Mehr Leben für hundert C64-Games

Wer auf dem C64 betrügen will, muss Pokes eingeben, also jenen Befehl nutzen, der es ermöglicht, einzelne Speicherbereiche direkt zu manipulieren. Marius Mathes macht damals, was viele tun: Er führt penibel Buch, er sammelt Zahlenreihen. POKE 18432,173 etwa schaltet mehr Leben in "Burnin’ Rubber" frei. Das steht in seinem kleinen Ringbuch, entdeckt im Keller des Computerspielemuseums Berlin in einem der vielen Kartons, die dort als Fremdspende abgegeben wurden. Auf den Plastikeinband hat Mathes seinen Namen geschrieben – und die Wörter eines kleinen Jungen, für den Englisch noch eine unbekannte Sprache war: "Combuter Commodore VC-64".

Ausfindig machen konnten wir den Urheber leider nicht. Hinweise auf seinen momentanen Aufenthaltsort nimmt die Redaktion dankbar entgegen.
 
Sim City, Indiana Jones, Pirates - welche Spielwelten haben Sie in Karten nachgezeichnet? Mailen Sie uns Fotos oder Scans, ihren Namen, ihr Alter und vor allem die Geschichte zu Ihrer Spielkarte. Die schönsten Einsendungen werden auf SPIEGEL ONLINE und bei GEE veröffentlicht. Wer eine E-Mail schickt, stimmt der Veröffentlichung zu und versichert, die Rechte an den mitgeschickten Fotos zu besitzen. Wir freuen uns auf Ihre E-Mails !

Foto: Benne Ochs / GEE
6 / 8

Dr. Christian Stöcker, 36, Journalist aus Hamburg

"Talisman" (PC)

Es gab nur noch eine verschwommene Erinnerung – dann zieht ein Freund in die ehemalige Wohnung von Christian Stöcker und bringt die Vergangenheit ans Licht: eine Karte zum Adventure "Talisman", das er sehr gemocht hat, dafür heute aber keine plausible Erklärung liefern kann: "Ich weiß nicht, warum ich da so viel Energie hineininvestiert habe. Wenn man mich nach meinem Lieblingsgame von damals fragt, sage ich immer ‚Elite‘." Was anscheinend nicht ganz stimmt, schaut man sich Christians intensive Auseinandersetzung mit dem Spielchen an, trotz seiner "extrem langweiligen Grafik". Die Zeichnungen noch einmal wiederzusehen hat ihn völlig überrascht.
 
Sim City, Indiana Jones, Pirates - welche Spielwelten haben Sie in Karten nachgezeichnet? Mailen Sie uns Fotos oder Scans, ihren Namen, ihr Alter und vor allem die Geschichte zu Ihrer Spielkarte. Die schönsten Einsendungen werden auf SPIEGEL ONLINE und bei GEE veröffentlicht. Wer eine E-Mail schickt, stimmt der Veröffentlichung zu und versichert, die Rechte an den mitgeschickten Fotos zu besitzen. Wir freuen uns auf Ihre E-Mails !

Foto: Benne Ochs / GEE
7 / 8

Kalle Max Hofmann, 34, Mediengestalter aus Berlin

"Resident Evil" (Playstation)

Ein bisschen peinlich sind ihm die Zeichnungen auf den Karoblättern schon. "Und dass ich mir bei 'Resident Evil' damals vor Angst fast in die Hose gemacht hätte", darüber redet er nicht gern. Ein Blick in die Vergangenheit ist eben selten leicht. Doch noch viel schwerer ist es, damals im Spiel am Leben zu bleiben. "Selten wurde mir in der Popkultur meine eigene Sterblichkeit so vor Augen geführt wie in diesem Spiel mit zwei simplen Wörtern: YOU DIED." Was also tun, um dem Tod ein Schnippchen zu schlagen? Da die Feder mächtiger ist als die Sense, müssen Stifte und Ringblöcke dran glauben – auch wenn sie nicht gegen die größte Herausforderung helfen: "Erst wenn das letzte Heilkraut gefunden und der letzte Zombie kartografiert ist, werdet ihr feststellen, dass es in 'Resident Evil' nicht mehr Munition gibt!"
 
Sim City, Indiana Jones, Pirates - welche Spielwelten haben Sie in Karten nachgezeichnet? Mailen Sie uns Fotos oder Scans, ihren Namen, ihr Alter und vor allem die Geschichte zu Ihrer Spielkarte. Die schönsten Einsendungen werden auf SPIEGEL ONLINE und bei GEE veröffentlicht. Wer eine E-Mail schickt, stimmt der Veröffentlichung zu und versichert, die Rechte an den mitgeschickten Fotos zu besitzen. Wir freuen uns auf Ihre E-Mails !

Foto: Benne Ochs / GEE
8 / 8

Die Texte entstammen dem neuen GEE Magazin, Ausgabe Mai 2009 - Titelthema: "Die Wahrheit über Killerspiele".

  • Inhalt 
  • Heft bestellen 
  • www.geemag.de 


  • Foto: GEE
    Die Wiedergabe wurde unterbrochen.