So wird die Saison Nummer eins, Nummer acht

Acht Mal in Folge die Deutsche Meisterschaft - der FC Bayern eilt in der Bundesliga von Rekord zu Rekord. Auch wenn viele an Borussia Dortmund glauben: München bleibt die Nummer eins.
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Platz 18: Fortuna Düsseldorf

Zum verknitterten Gesicht von Trainer Friedhelm Funkel mochte die vergangene Saison gar nicht passen: 4:0 auf Schalke, 3:3 beim FC Bayern. Das Altbier floss in Strömen, und Funkel war mit seinen 65 Jahren der Jungbrunnen der Liga. Dieses Jahr sollten die Fortuna-Fans im Herzen tragen. Die kommende Spielzeit dürfte weniger erwärmend sein. Mit Lukebakio und Raman sind wichtige Offensivspieler nicht mehr da, die Fortuna plagen jetzt schon Verletzungssorgen, und Friedhelm Funkel, Mister Anti-Euphorie, darf endlich die Miene zum Tabellenstand aufsetzen und befürchten, dass seine Fortuna droht, in dem einen oder anderen Spiel demontiert werden zu können.

Foto: Matthias Hangst Bongarts/Getty Images
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Platz 17: 1. FC Union Berlin

Im Bild sehen Sie den wichtigsten Akteur des Vereins. Wichtiger in jedem Fall als die Neuverpflichtungen Neven Subotic und Christian Gentner. Wenige Klubs leben dermaßen von ihren Fans wie der 1. FC Union, der es nach Jahrzehnten jetzt endlich, endlich in die Bundesliga geschafft hat. In Köpenick schwitzen einige immer noch ihren Kater von den Aufstiegsfeierlichkeiten aus, aber die kommende Spielzeit wird keine Party mehr werden. Union startet in die Saison gegen fast alle Topteams, gleich zu Beginn kreuzt RB Leipzig in der Wuhlheide auf, das sind die kleinen Boshaftigkeiten des DFB gegen diesen widerborstigen Verein. Die Fans werden natürlich dennoch alles geben, Radioeins, der Union-Fansender unter den öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten, ebenfalls. Aber angesichts des Kaders wird es zwar knapp werden, aber nicht reichen. Gefeiert wird trotzdem, für einen Derbysieg wird es schon langen.

Foto: Sven Pförtner DPA
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Platz 16: FC Augsburg

Zum guten Ton der Bundesliga gehörte es in den Vorjahren, dass am Ende mindestens ein Verein in den Abstiegsstrudel gerät, der an sich zum Erstliga-Inventar zählt. Der FC Augsburg ist mittlerweile im neunten Bundesligajahr, allein das ist eine nicht hoch genug anzurechnende Bilanz. Irgendwann hat sich Daniel Baier aber auch mal müde gelaufen, ist der Dynamo von André Hahn leer, und Alfred Finnbogason nicht mehr der, auf dessen Tore man sich verlassen kann. Man sollte nicht zu viel Geld darauf setzen, dass Trainer Martin Schmidt im Mai 2020 in Augsburg noch in Verantwortung ist.

Foto: Friso Gentsch DPA
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Platz 15: SC Paderborn

Der Abstiegskandidat Nummer eins. Paderborn fehlt jeglicher Glanzfaktor, hier ist immer Tag des Handwerks, die Schmuddelkinder aus Ostwestfalen mit der eingebauten Garantie, jedes Jahr die Liga zu wechseln. Aber man soll sich nicht täuschen: Was der SCP in der 2. Liga gespielt hat, war teilweise so spektakulär, dass das Team auch die 1. Liga bereichern kann. Und Steffen Baumgart ist ein Trainer-Kraftwerk. Niemand traut den Paderbornern den Klassenerhalt zu, das ist vermutlich die beste Basis, ihn zu schaffen.

Foto: Lars Baron Bongarts/Getty Images
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Platz 14: SC Freiburg

Dieses war der achte Streich. Und der nächste folgt sogleich. Der Trainer des SC Freiburg ist die Konstante dieser Liga. Fußballerische Weltreiche mögen einstürzen, Christian Streich ist immer noch da, denkt auf Pressekonferenzen über Gott und die Politik nach und baut ganz nebenbei ein Team, das es sich wieder mal in der zweiten Tabellenhälfte bequem macht. Um den Abstieg sollen sich die anderen kümmern, Streich geht mal eben die Welt retten. Und seinen Verein vor dem Gang in die 2. Liga. Solange Christian Streich den SC Freiburg trainiert, wird er nicht absteigen. Und einen guten Draht zum DFB gibt es künftig auch, wenn über die erste Sperre für den am Seitenrand mal wieder tobenden Trainer verhandelt wird.

Foto: Patrick Seeger DPA
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Platz 13: 1. FC Köln

Beim 1. FC Köln wird wieder mehr gelacht, war kürzlich zu lesen. Ist Lukas Podolski zurück? Nein, der neue Trainer Achim Beierlorzer habe dem Klub die Lockerheit zurückgegeben. Quasi ein Neubeginn nach dem Anfangsjahr. Welches trotz des sofortigen Wiederaufstiegs doch eher bleiern wirkte, sehr unkölsch. Anthony Modeste, Jonas Hector, Timo Horn - alle sind sie jetzt wieder dabei, das ist prima. Derbys gegen Düsseldorf UND Mönchengladbach, ach, ja, gegen Leverkusen auch noch. Die Kölner werden Anlässe finden, auch Platz 13 abzufeiern. Mit gutem Grund, Realismus ist zwar auch ukölsch, aber mittlerweile gibt auch der Hardcore-Fan zu, dass es mit der Champions League vielleicht doch noch ein, zwei Jahre dauern kann.

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Platz 12: 1899 Hoffenheim

Wenn man nach so etwas wie der Negativ-Überraschung der kommenden Saison sucht, dann wäre 1899 Hoffenheim ein veritabler Kandidat dafür. Wobei sie es im Kraichgau wahrscheinlich schon kommen sehen: Ohne Joelinton, ohne Amiri, ohne Demirbay, ohne Nagelsmann. Das wird ein ganz neues 1899 Hoffenheim, das der bisherige passionierte Trainerassistent Alfred Schreuder zu betreuen hat. Mit immer noch genug Qualität und zudem wieder mit Sebastian Rudy, sodass man mit dem Keller nichts zu tun haben wird. Aber nach vorne wird auch wenig gehen.

Foto: Christian Kasper-Bartke Getty Images
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Platz 11: Mainz 05

Im Vorjahr wurde an dieser Stelle Mainz 05 als möglicher Absteiger prognostiziert, das hat den Schreiber eine Kiste Weißwein gekostet. Der Fehler passiert also nicht mehr. Trainer Sandro Schwarz hat mit einem ebenso ruhigen wie bestimmten Stil das Team in der Vorsaison zu einem soliden Mittelfelder entwickelt. Die Arbeit kann er jetzt fortsetzen - auch wenn ihm die Tore des lange verletzten Jean-Philippe Mateta fehlen werden. Ersatz dafür fand Mainz beim FC Liverpool, zwischen beiden Vereinen gibt es ja den einen oder anderen Verbindungspunkt: Taiwo Awoniyi soll die Mateta-Lücke schließen. Nur wenn er das nicht schafft, dann bekommt das Team Probleme. Dann könnte es am Ende doch ... nein, nicht weiterdenken.

Foto: Christian Kaspar-Bartke Getty Images
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Platz 10: Eintracht Frankfurt

Die Mannschaft, die in der vergangenen Saison wohl den meisten Spaß bereitet hat. Adi Hütter und seine Stürmer Jovic und Haller, die kennt man jetzt auch in Donezk und in Rom. Allerdings auch in Madrid und in London, die sich die Dienste der beiden Topangreifer gesichert haben. Aber Hütter hält noch die Stellung, und zusammen mit Manager Fredi Bobic haben sie im Sommer die deutschlandweit größte Rückrufaktion jenseits der Automobilindustrie gestemmt: Hinteregger, Rode und Torwart Trapp, das Leihgaben-Trio bleibt auch künftig in Frankfurt. Und wird national und international wieder für ein paar Tränchen bei Präsident Peter Fischer sorgen.

Foto: Ronald Wittek/EPA-EFE/REX
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Platz 9: FC Schalke 04

Ach, Schalke. Alles war bereitet für einen neuen Anfang, ein neuer Trainer, der mehr zu bieten haben dürfte als den Eintrag Klopp-Trauzeuge in seiner Vita, sollte in Gelsenkirchen wieder für Aufbruch sorgen. Stattdessen ist die Stimmung seit Wochen unter Tage. Ob und wie Fans und Mannschaft, Anhänger und Verein nach dem Tönnies-Desaster wieder zusammenfinden, gehört zu den spannenden Fragen dieser Spielzeit. Ein paar sportliche Anfangserfolge würden dabei nicht schaden. Es droht die Höchststrafe für einen Schalke-Fan: Platz 09.

Foto: Lars Baron Bongarts/Getty Images
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Platz 8: Werder Bremen

Werder Bremen, auch bekannt als der gefühlt klassische Tabellenachte. An der Weser setzt Florian Kohfeldt, den alle mögen, seine Arbeit fort, mittlerweile hat er einen Stamm talentierter, teilweise hochtalentierter Profis um sich, Stichwort: die Eggesteins, die auch Bundestrainer Joachim Löw irgendwann richtig auszusprechen gelernt haben wird. Dazu als Mix ein paar Routiniers und einen Super-Routinier namens Claudio Pizarro. Das fühlt sich alles schon sehr gut an, aber Werder hat keinen Max Kruse mehr. Das fühlt sich überhaupt nicht gut an.

Foto:

Carmen Jaspersen DPA

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Platz 7: Hertha BSC

Die Windhorst-Millionen. Das klingt nach einem alten Wirtschaftskrimi in der ARD mit Zollfahnder Zaluskowski, aber es ist das Zauberwort, das den Fußballstandort Berlin aus seinem immerwährenden Platzneunoderzehn-Dornröschenschlaf erlösen soll. "Wir haben Möglichkeiten, wie wir sie noch nie hatten in der Vereinsgeschichte", jubelt Geschäftsführer Michael Preetz und hat die ersten Millionen schon in Stürmer Dodi Lukebakio investiert. Zu viel sollte man aber nicht erwarten, es ist immerhin noch Hertha, es ist immerhin noch Berlin. Platz sieben ist ein Anfang.

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Platz 6: VfL Wolfsburg

Diesen Herrn kennen Sie noch nicht? Sie werden ihn kennenlernen. Oliver Glasner reiht sich ein in die Serie der Trainerneulinge in der Bundesliga, und er übernimmt weitgehend das, was man ein bestelltes Feld nennt. Der VfL Wolfsburg hat sich unter Trainer Bruno Labbadia stabilisiert, der Österreicher Glasner soll und wird das weiterführen. Der VfL har sich zurückhaltend verstärkt, aber die Leistungsträger des Vorjahres gehalten. Wout Weghorst wird weiterhin seine Tore machen, die Mannschaft hat wenig Schwachpunkte, ein durch und durch solides Team. Und diese Zustandsbeschreibung reicht in der Bundesliga mittlerweile locker für einen Europa-League-Platz.

Foto: Ronny Hartmann Bongarts/Getty Images
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Platz 5: RB Leipzig

RB Leipzig hat im Sommer den mutmaßlich nachhaltigsten Transfer dieser Ligasaison vollzogen. Ralf Rangnick ist bei RB Leipzig nicht mehr in Verantwortung, der Mann, der seit zehn Jahren auf einer Mission unterwegs war. Das Missionsziel ist noch nicht erreicht, Meisterschaft und Pokalsieg warten noch auf RB, und an sich ist Nachfolger Julian Nagelsmann genau der richtige Typ dafür. Auch Nagelsmann ist ein Missionar. Aber die Umgewöhnung in das Jahr eins nach Rangnick wird Zeit brauchen. Es gibt auch gute Nachrichten: Mit dem Aufstieg des 1. FC Union muss RB nun nicht mehr behaupten, man repräsentiere den Osten in der Liga.

Foto: Guido Kirchner DPA
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Platz 4: Borussia Mönchengladbach

Apropos Red Bull. Marco Rose hat sich seine Meriten auch im Salzburger Konzern erworben, dennoch ist er eher Klopp- und Tuchel-Schüler als Rangnick-Eleve. Die Erwartungen am Niederrhein an den neuen Chef sind jedenfalls gewaltig, fast nicht vorstellbar, dass er sie im ersten Jahr erfüllen kann. Andererseits: Wer mit Trainer Dieter Hecking Fünfter wird, darf auch allen Anspruch erheben, mit Marco Rose Vierter zu werden. Und so wird es ja auch kommen. Manager Max Eberl hat auf dem Transfermarkt in Sachen Trainer und Spieler zumindest alles dafür getan.

Foto: Christof Koepsel Bongarts/Getty Images
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Platz 3: Bayer Leverkusen

Es gibt nicht wenige Fachleute, die dieser Mannschaft sogar den Meistertitel zutrauen. Meistertitel für Bayer Leverkusen - ich find, das geht ein bisschen weit, um einen Landsmann von Trainer Peter Bosz zu zitieren. Dennoch: Bayer hat seinen ohnehin schon hochbegabten Kader mit dem Edelstein Kai Havertz vornan noch einmal aufgestockt, unter anderem mit Kerem Demirbay (Foto) und Nadiem Amiri zwei Spieler geholt, die ihre Qualitäten in der Liga nachhaltig bewiesen haben. Bosz-Fußball und Bayer-Fußball sollte man nie zu früh hochjubeln, aber mit diesem Team könnte es funktionieren.

Foto: Dean Mouhtaropoulos Getty Images
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Platz 2: Borussia Dortmund

Alles redet von der Meisterschaft, sogar Trainer Lucien Favre soll das Wort schon mal leise gedacht haben. Der BVB hat sich mit Thorgan Hazard, Nico Schulz und Julian Brandt gezielt verstärkt und auch noch Mats Hummels verpflichtet. Dazu hat die Mannschaft mit Marco Reus und Jadon Sancho die Offensivperlen der Liga, und wenn das alles nicht greift, tut es zur Not dann auch ein Freistoß von Paco Alcacer. Wenig spricht gegen den Titel, es bleibt nur ein Problem. Es gibt den FC Bayern. Die Dortmunder hätten den Meister beim Supercup nicht reizen dürfen.

Foto: Wolfgang Rattay REUTERS
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Platz 1: Bayern München

Was für ein freudloser Sommer war das für den Meister. Endlose Diskussionen über den Kader, mit dem Sportdirektor als Ritter von der traurigen Gestalt. Mit einem Blick auf das Aufgebot jedoch fliegt all das verkehrte Wesen fort. Die Bayern haben nicht den größten, aber immer noch den mit Abstand besten Kader der Liga. Und wer über die Zugänge Ivan Perisic (sicher) und Mario Mandzukic (fast sicher) spottet, wird mit nicht unter drei Gegentoren bestraft. Dortmund ist ein echter Herausforderer, dagegen kann niemand in der Liga etwas haben. Heißt aber auch: Mehr Motivation hat man in München nicht mehr nötig. Zudem: In der Hoeneß-Abschiedssaison nur Zweiter werden - wie undankbar wäre das denn?

Foto: Robert Michael DPA