Rückschau Was aus berühmten Sommerlochtieren wurde

Alle Jahre wieder schwimmen, kriechen, fliegen oder schleichen sie in die Schlagzeilen, um dort klaffende Lücken zu schließen: Was würden wir alle ohne Sommerlochtiere tun? Aber was wird eigentlich aus unseren tierischen Helden?
1 / 14

Kaiman Sammy (1994):
Als "Bestie im Baggersee" wurde dieses 80 Zentimeter kleine Reptil bekannt, das von seinem Besitzer an einem Baggersee in der Nähe von Dormagen Gassi geführt wurde - und sich unerwartet seiner Leine entledigen konnte.
Fünf Tage fahndete man mit scharfen Waffen, dann beugte sich der örtliche Krisenstab den Forderungen von Sammy-Fans in ganz Deutschland und verschonte das Leben des Tiers - am Ende wurde er lebend gefangen. Im August 2013 starb er auf der Alligator-Action-Farm in Friedberg-Ockstadt, wo er seinen Altersruhesitz gefunden hatte - oder sagt man da "Ruhelieg"?

Foto: Wolfgang Thieme / dpa
2 / 14

Killerwels Kuno (2001):
"Killerwels frisst Dackel" hörte man 2001 aus Mönchengladbach. Ein Riesenwels sollte im Volksgarten-Weiher einen Welpen verschlungen haben, der ahnungslos ins Wasser gesprungen war. RTL, Sat.1, BBC, ZDF und ProSieben stürmten den Volksgarten, das spanische Fernsehen berichtete, amerikanische Journalisten belagerten städtische Angestellte, selbst australische Zeitungen meldeten den Wels. Die Bildzeitung taufte ihn auf den Namen Kuno.
Ob es den angeblich verspeisten Dackel je gegeben hat, ist ungewiss, eine Besitzerin hat sich jedenfalls nie gemeldet. Angler versuchten, den Wels zu erwischen -vergeblich. Im Frühjahr 2003 fischten schließlich Mitarbeiter des Mönchengladbacher Grünflächenamts einen eineinhalb Meter langen und 35 Kilo schweren toten Wels aus dem Wasser. Ob es wirklich Kuno war, konnte nie zweifelsfrei geklärt werden.

Foto: DB Detlef Ilgner / dpa
3 / 14

Eugen (2002):
Dieses Monstrum war 2002 so etwas wie der Prototyp des deutschen Sommerschreckens. Damals war das noch neu: Erst nach einer Weile identifizierten Zoologen das "Ungeheuer von Loch Dornach" als Geierschildkröte - eine besonders bissige Art, die mit ihren Kieferschneiden problemlos einem Kind den Arm abbeißen könnte.
Zwei Wochen hielt Eugen Polizeitaucher und Feuerwehr auf Trab. Dann fand ein Angler ihn unter einem Busch und griff zu. Heute lebt Eugen im Institut für Zoologie in München. Und seine Verwandten bevölkern halb Süddeutschland, wenn man der Presse glauben darf.

Foto: Stephan Jansen / dpa
4 / 14

Shrek (2006):
Das Merinoschaf Shrek war ein Ausbrecherkönig und ein Wollwunder. Sechs Jahre lang hatte sich das Tier in den Höhlen und Bergen der neuseeländischen Südinsel versteckt und war so immer wieder der Schur entgangen. Berühmt wurde Shrek 2004, als es unter den Augen der Weltöffentlichkeit schließlich doch unters Messer kam. Die Ausbeute: 27 Kilo Wolle. Das Schaf starb im Juni 2011 im Alter von 17 Jahren.
Was auch die Wikipedia nicht verrät: Shrek steht heute ausgestopft im neuseeländischen Nationalmuseum von Te Papa.

Foto: Peter Mcintosh / Otago Daily Times / dpa
5 / 14

Krake Paul (2010)
Paul war eine Ausnahme unter den Sommerlochtieren, denn er konnte mit einem außergewöhnlichen Talent aufwarten: Er sagte die Ergebnisse der Fußball-WM-Spiele 2010 voraus und wurde als "Oktopus-Orakel" weltberühmt. Vor dem Spiel stellten Mitarbeiter von Pauls Aquarium in Oberhausen Plastikboxen mit Muscheln ins Becken, beklebt mit Nationalflaggen der beiden Mannschaften. Paul speiste stets zuerst aus der Box der Gewinnermannschaft.

Vor dem Aquarium drängten sich bald Journalisten aus aller Welt. N24 und n-tv übertrugen zuletzt live. Als Paul den Sieg der Spanier richtig vorhergesagte, ernannte die spanische Stadt Carballiño ihn zum Ehrenbürger. Der Ruhm währte nur kurz. Paul starb im Oktober 2010 im Alter von zweieinhalb Jahren.

Foto: Roland Weihrauch / dpa
6 / 14

"Problembär" Bruno (2006)
Am 19. Mai 2006 passierte J11 die deutsch-österreichische Grenze. Naturschützer jubelten: Der erste Braunbär im eigenen Land - seit 170 Jahren. Dabei war J11 schon in seiner italienischen Heimat als Störenfried aufgefallen. Er brach in Ställe ein und kam Dörfern gefährlich nah. Als die bayerische Landesregierung den Bären zum Abschuss freigab, flogen ihm die Herzen erst recht zu. Aus dem "Problembären" wurde Bruno, der Sommerloch-Star.

Der Boulevard berichtete von gerissenen Schafen, finnischen Bärenjägern und Kameraüberwachung. Brunos Geschichte ging um die Welt. "Herr Bruno Is Having a Picnic" hieß es in der "New York Times". Drei Jäger spürten den Bären schließlich auf und erschossen ihn am Morgen des 26. Juni 2006. Sein Körper steht heute im Museum Mensch und Natur in München.

Foto: Manfred Sprenger / dpa
7 / 14

Schwan Petra (2006)
Im Mai 2006 tauchte auf dem Münsteraner Aasee ein ungewöhnliches Liebespaar auf: Ein Trauerschwan verliebte sich unsterblich in ein Tretboot in Schwanenform. Petra, wie das Tier bald genannt wurde, balzte, was das Zeug hielt, umkreiste den Angebeteten, folgte ihm, wenn er im Tretbooteinsatz war. Die Geschichte rührte Menschen rund um den Globus.

Die Romanze hielt eineinhalb Jahre. Den Winter verbrachte das Paar im städtischen Allwetterzoo, den Sommer auf dem Aasee. Schließlich gab Petra dem Tretboot den Laufpass und bändelte mit einem echten Höckerschwan an. Doch auch diese Beziehung war nicht von Dauer. Petra verschwand. Jahre später tauchte sie in einer Storchen-Betreuungsstation wieder auf. Klingt, als hätte dieser Vogel massive Orientierungsprobleme.

Foto: Friso Gentsch / dpa
8 / 14

Zwergflusspferd Elsbeth (1990)
Im August 1990 gastierte Zirkus Fliegenpilz in Fürth. Das junge Zwergflusspferd Elsbeth interessierte sich für die nahe gelegene Pegnitz. Als der Pfleger unaufmerksam war, stürzte sie sich ins Nass.

Die alarmierte Feuerwehr tat ihr Bestes, doch Elsbeth - stolze 200 Kilogramm schwer - war nicht leicht zu fangen. Sie schwamm flussabwärts. Bald bejubelten Hunderte Schaulustige vom Ufer aus die Ausreißerin und behinderten die Jagd, Reporter und Filmteams halfen da kräftig mit.
Am Ende erwischten die Häscher das Tier im Schlaf. Elsbeth kehrte zurück in den Zirkus und war fortan ein Star. Nach ihrem werbewirksamen Fluchtversuch soll sie anschließend auch in Bonn, Düsseldorf und Bremen ausgebüxt sein - ob zufällig oder nicht. Die Freiheit hat sie dabei jedoch nie gefunden. Sie starb 2007.

Foto: Jan Nienheysen / dpa
9 / 14

Bartagame Klausi (2012)
Manchmal wächst ein Tier in den Köpfen zum Monster heran - und schrumpft schließlich wieder zusammen. So erging es Klausi, der im bayrischen Klausensee 2012 sein Unwesen trieb. Eine Frau berichtete, ein meterlanges Reptil wäre in Ufernähe über sie hinweggeschwommen und habe ihr eine sieben Zentimeter lange Kratzwunde zugefügt.
Die Medien riefen "Krokodil-Alarm am Baggersee" aus, das Gewässer wurde gesperrt, Suchmannschaften schwärmten aus. Über 3000 Fotos des vermeintlichen Monstrums kamen zusammen. Die Auswertung ergab: Kein Krokodil, ein Biber sollte es gewesen sein. Am Ende stellte sich heraus, dass Klausi in Wirklichkeit eine Bartagame war - und zwar eine besonders glücklose: Die 45 Zentimeter lange Echse lief einem Mann vor den Motorroller. Er packte das Tier in einen Sack und lieferte es bei der Polizei ab.

Foto: Polizeipräsidium Oberpfalz / dpa
10 / 14

Brillenpinguin Sandy (2009)
Tierpfleger Peter aus dem Münsteraner Zoo brachte einst der jungen Pinguindame Sandy bei, selbstständig zu fressen - woraufhin der Seevogel sich unsterblich in ihn verliebte. Ihre Zutraulichkeit machte Sandy zum Medienstar: Sie begeisterte auf Publicity-Veranstaltungen in Seniorenheimen und Kindergärten, in Talkshows und auf der Theaterbühne und versorgte die Boulevard-Medien weit länger als nur für ein Sommerloch mit Schlagzeilen.
Dann wurde Peter krank und konnte zwei Monate nicht zur Arbeit kommen. Endlich wandte Sandy sich einem Artgenossen, dem Pinguinmännchen Tom, zu und bekam Nachwuchs. Doch die alte Liebe rostete offenbar nicht: Als Tom starb, zeigte sich Sandy wieder an Peter interessiert. Der hofft, dass Sandy sich bald wieder einem Artgenossen zuwendet.

Foto: Zoo Münster / dpa
11 / 14

Kuh Yvonne (2011)
Ihr Tod war beschlossene Sache, doch Yvonne hatte andere Pläne: Die Milchkuh hatte in Kärnten ein friedliches Leben geführt. In Bayern sollte sie gemästet und geschlachtet werden. Sie floh von ihrer Weide und versteckte sich im Wald.
Ins Rampenlicht geriet Yvonne im August 2011, als sie wegen Verkehrsgefährdung zum Abschuss freigegeben wurde. "Die Kuh, die ein Reh sein will" war allerdings nicht leicht zu fassen. Weder die Gesellschaft ihrer Schwester reizte sie, noch ging sie dem Zuchtbullen Ernst in die "Liebesfalle". Dafür wurde sie zum internationalen Medienstar.
Nach 98 Tagen auf der Flucht gesellte sie sich schließlich einfach zu einer Gruppe Kälber auf eine Weide. Sie hatte die Einsamkeit wohl satt. Heute lebt Yvonne auf dem Gnadenhof Gut Aiderbichl in Österreich.

Foto: Josef Enzinger / dpa
12 / 14

Schnappschildkröte Lotti (2013)
Am Oggenrieder Weiher im Ostallgäu verletzte sich im August 2013 ein Achtjähriger schwer. Was zunächst wie ein Schnitt durch die Achillessehne aussah, identifizierten Experten als Bissverletzung, zugefügt von einer wahrscheinlich im See ausgesetzten Schnappschildkröte.
Die Boulevardmedien riefen "Bade-Alarm im bayrischen Allgäu" aus und die Schildkrötenjagd begann, verfolgt von den Medien. Selbst die BBC interessierte sich für "Lotti, the vicious turtle". Doch Lotti, so der Name der Täterin, ließ sich nicht blicken. Selbst Spürhunde konnten nichts finden. Es ist ungeklärt, ob es sie je gegeben hat.

Foto: Roland Weihrauch / dpa
13 / 14

Känguru Heidi (2004)
Im Sommer 2004 trieb sich dieses Känguru aus Eggenfelden in Niederbayern zwei Wochen lang in der Freiheit rum, bestaunt von Ortsansässigen und verfolgt von der Polizei. Nachdem der hüpfende Ausbrecher das Interesse der Boulevard-Medien gewonnen hatte, sprang sogar Schlagersänger Jürgen Drews auf den Zug auf und beteiligte sich mit einem Kamerateam an der Suche. Eine australische Brauerei setzte einen "Fängerlohn" aus, die Besitzer beauftragten schließlich einen Jäger. Der erwischte Heidi fachmännisch mit einem Betäubungs-Gewehr und brachte sie zurück zu ihrem Gefährten, dem Känguru Hermann.

Foto: Armin Weigel / dpa
14 / 14

Seehündin Zola (2013)
Nicht allen Sommerloch-Tieren ist der große Ruhm vergönnt, manche schaffen es nur in die lokale Presse. Etwa die Seehündin Zola, die im August 2013 in Karlsruhe für Entzücken sorgte. Das Jungtier verließ ungesehen das Seehund-Becken und versteckte sich im benachbarten Schwanenteich.
Die kleine Ausbrecherin lockte viele Besucher in den Zoo. Weil sie im Schwanenteich weder Menschen noch andere Tiere gefährdete, gönnte man ihr den Spaß. Einen Monat durfte Zola den Stadtgartensee erkunden. Dann ließ sie sich mit Makrelen und Heringen an Land locken und einfangen. Mittlerweile lebt sie im tschechischen Usti - ein lange geplanter Umzug, der nichts mit ihrem Ausflug zu tun hatte.

Foto: Uli Deck / dpa