Die Madonna von Stalingrad Vom Krieg gezeichnet

Ein Moment der Besinnung in der Weltkriegshölle: Draußen explodierten Bomben, drinnen enthüllte Feldarzt Kurt Reuber ein Weihnachtsgeschenk, das seine Kameraden zutiefst berührte. Der Künstler kehrte nie mehr heim. Doch seine Zeichnung gelangte nach Deutschland - und wurde zur Ikone.
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Stalingrad-Madonna: Heimlich bereitete der Arzt und Theologe Kurt Reuber in Stalingrad eine Überraschung für den Heiligen Abend im Bunker vor. Mit einem Stück Kohle zeichnete er auf die Rückseite einer 95 mal 115 Zentimeter großen sowjetischen Landkarte ein Madonnenbild. Seine Kameraden rührte dieser unerwartete Moment von Hoffnung und Trost inmitten des Krieges.

Foto: Oliver Killig/ dpa
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Optimist im Krieg: Trotz all des Elends klangen Kurt Reubers Briefe aus Stalingrad durchaus hoffnungsvoll. Auch sein Gesichtsausdruck auf diesem Foto, aufgenommen während einer Kampfpause, verrät wenig über die täglichen Schrecken des Krieges. Als Christ und Humanist knüpfte Reuber seine Zuversicht daran, die Nächstenliebe der Menschen werde diese dunkle Zeit überdauern.

Foto: Ute Tolkmitt
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Nächstenliebe im Krieg: Als Verwundeter wurde der russische Leutnant Nikolai Meroschenko von dem deutschem Arzt Kurt Reuber behandelt. Danach war Meroschenko ein Helfer und Dolmetscher der deutschen Truppen, hier eine Zeichnung von Reuber. Der nun als "Kamerad Nikolaj" geschätzte Russe starb 1942 einen Tag vor Weihnachten auf der Suche nach Holz.

Foto: Ute Tolkmitt
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Freiluft-OP: Kurt Reuber versorgt unter einfachsten Bedingungen einen Verwundeten. Der promovierte Arzt und promovierte Theologe fühlte sich im Krieg nicht nur für den Körper seiner Kameraden zuständig. Die Heilung an Leib und Seele gehörten für ihn zusammen, daher versuchte er auch immer wieder, seine Kameraden moralisch aufzubauen.

Dabei hätte Reuber selbst allen Grund, mit dem Schicksal - oder Gott - zu hadern: Wäre er im Herbst 1942 nach seinem Heimataufenthalt nur 48 Stunden später an die Ostfront zurückgekehrt, wäre er nicht in Stalingrad eingekesselt worden.

Foto: Ute Tolkmitt
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Selbstbildnis: Aus Stalingrad schickte Reuber Anfang 1943 seine Zeichnungen, darunter die Madonna und dieses einzige Selbstporträt, an seine Familie. Dazu schrieb er: "Auf dem einen Bild ist Euer Vater, es gehört der Mutter." Die Werke hatte Reubers schwer verwundeter Kommandeur Wilhelm Grosse nach Deutschland gebracht. Grosse war mit einem der letzten verfügbaren Flugzeuge aus Stalingrad geflogen worden.

Foto: Ute Tolkmitt
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Innehalten im Krieg: Kurt Reuber beim Zeichnen, kurz bevor auch er im November 1942 im Stalingrader Kessel eingeschlossen wurde. Während Reubers Kriegsjahren entstanden über 150 Zeichnungen. Er hat es sich selbst als tägliche Pflichterfüllung auferlegt: "Ich könnte das alles nicht ertragen ohne den inneren Ausgleich - nicht zuletzt durch die Kunst."

Foto: Ute Tolkmitt
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Letzte Familientreffen: Kurt Reuber während eines Heimaturlaubs 1941 vor seinem Pfarrhaus im hessischen Wichmannshausen mit seinen drei Kindern. Ganz links steht Erdwin (8), daneben Ute (3) und Hartmute (10). Im Oktober 1942 konnte der Theologe seine Familie noch einmal besuchen. Es war sein letzter Besuch. Kurz danach wurde Reuber in Stalingrad eingeschlossen, die spätere Kriegsgefangenschaft überlebte er nicht.

Foto: Ute Tolkmitt
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Die Gefangenen-Madonna: Genau ein Jahr nach seiner Stalingrad-Madonna zeichnete Kurt Reuber an Weihnachten 1943 dieses Bild im sowjetischen Gefangenenlager Jelabuga. Das Werk verrät, besonders im Vergleich zu seiner ersten Madonna, Reubers zunehmende Verzweiflung. Dennoch hielt der Theologe weiter an den johannitischen Worten "Licht, Leben, Liebe" fest. Es war seine letzte erhaltene Zeichnung; im Januar 1944 starb der Deutsche im Lager.

Foto: Lutherisches Verlagshaus
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Hilfe aus der Luft: Nachdem im November 1942 die deutschen Soldaten von der Roten Armee in Stalingrad eingekesselt worden waren, wurden sie noch eine Zeit lang aus der Luft versorgt. Anfang Januar verließen dann die letzten deutschen Maschinen Stalingrad. Mit an Bord war Reubers schwer verwundeter Kommandeur, dem er noch die Stalingrad-Madonna und ein Selbstportrait mitgegeben hatte.

Hier ist eine Ju 52-Transportmaschine im Dezember 1942 im Anflug auf einen von den Deutschen gehaltenen Flugplatz in Stalingrad zu sehen.

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Am Scheidepunkt: Sowjetische Truppen bei einem Angriff auf die deutschen Soldaten in Stalingrad. Der Sieg der Roten Armee war ein Schock für die deutsche Armeeführung - und auch psychologisch ein Wendepunkt im Zweiten Weltkrieg. Nach Stalingrad, so empfanden es viele Deutsche in der fernen Heimat, ging es nur noch abwärts.

Foto: dpa
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Die tote Stadt: Deutsche Wehrmachtsoldaten gehen am 28. Dezember 1942 durch ein zerstörtes Kraftwerk in Stalingrad. Die Schlacht um die Stadt an der Wolga war eine der größten und verlustreichsten des Zweiten Weltkriegs.

Foto: AP
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Ungewisse Zukunft: Zwei Infanteristen der deutschen Wehrmacht stehen im Dezember 1942 bei Obliwskaja nahe Stalingrad in einem Schützengraben. Reuber selbst glaubte zu diesem Zeitpunkt noch, dass sie aus dem Kessel gerettet werden könnten. Seine Briefe an die Familie sind noch optimistisch.

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Lange Reise: Diese Aufnahme von 1942 zeigt, wie die Stalingrad-Madonna im Bunker an ein Brett genagelt worden ist. Die Einstichlöcher von damals lassen sich noch immer auf dem Original erkennen. Die Zeichnung gelangte aus dem Kessel von Stalingrad zu Reubers Familie in Hessen; heute ist sie in der Berliner Gedächtniskirche ausgestellt. Eine Kopie wurde von dort an die Kathedrale von Wolgograd - dem einstigen Stalingrad - geschickt.

Foto: Ute Tolkmitt
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Armeegruppe Hoth: Obwohl die 6. Armee Ende November 1942 in Stalingrad vollständig eingekesselt worden war, verbot Hitler einen Ausbruchsversuch. Entsatztruppen wie die Armeegruppe Hoth (hier am 12. Januar 1943 südwestlich von Stalingrad) sollten mit dem "Unternehmen Wintergewitter" ihre eingeschlossenen Kameraden befreien, doch der Versuch scheiterte. Die hier zu sehenden Deckungslöcher dienten den Soldaten auch zum Schlafen.

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Im Kessel: Deutsche Infanteriesoldaten sitzen im Dezember 1942 in Schützengräben in Stalingrad. Auf den harten russischen Winter waren die Männer nur ungenügend vorbereitet worden. Zehntausende starben im Kessel von Stalingrad nicht nur bei den Kämpfen, sondern auch an Hunger und Kälte.

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Kurz vor dem Ende: Sowjetische Infanteriesoldaten stürmen im Januar 1943 einen deutschen Flugplatz bei Stalingrad. Im Februar kapitulierten schließlich die letzten deutschen Soldaten im Kessel.

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Straßenkampf: Aufgrund ihrer strategischen und symbolischen Bedeutung wollte Hitler Stalingrad unbedingt einnehmen lassen. In wochenlangen, verlustreichen Kämpfen schaffte die deutsche Wehrmacht es schließlich, etwa 90 Prozent der Stadt einzunehmen. Langfristig wurde die Eroberung aber zur Falle für eine ganze Armee - und zu einem Wendepunkt im Zweiten Weltkrieg.

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Marsch in die Gefangenschaft: Etwa 90.000 Soldaten der 6. Armee gingen aus Stalingrad in russische Kriegsgefangenschaft. Nur etwa 6000 von ihnen kehrten in ihre Heimat zurück, viele davon erst zehn Jahre nach Kriegsende.

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