Satire-Poster gegen Strauß Sheriff, Schnippler, Schweinebauer

Franz Josef Strauß war Hassfigur und Zielscheibe - seine Kritiker arbeiteten sich an dem CSU-Titan ab. Einer der fleißigsten war der Grafiker Klaus Staeck. Hier kommentiert er seine bissig-klugen Plakate.
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Kommentar von Klaus Staeck: "Im Juni 1975 hielt die CDU in Mannheim ihren 29. Bundesparteitag ab. Er stand unter dem Motto 'Alternative '76'. Was als Zukunftsvision angekündigt wurde, erschien vielen eher als rückwärts gewandt. Als Bild bot sich deshalb ein räderloser Mercedes an, mit Strauß als Fahrer und Helmut Kohl auf dem Rücksitz."

Der SPIEGEL beschäftigt sich in seiner aktuellen Ausgabe mit der Person Strauß, der am 6. September 2015 seinen 100. Geburtstags gefeiert hätte. Zum Artikel gelangen Sie hier.

Foto: Klaus Staeck/ Edition Staeck
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Kommentar von Klaus Staeck: "1975 hatte der CSU-Vorsitzende in seiner Passauer Aschermittwochsrede vom 'eklatanten Versagen' derer gesprochen, 'die ausgezogen waren, Deutschland zu reformieren, und einen Saustall ohnegleichen angerichtet haben'. Willy Brandt hatte in einer Wahlkampfrede entgegnet: 'Wir sind stolz auf dieses Land, das Strauß einen Saustall nennt'. Dagegen erwirkte Strauß beim Landgericht Bonn eine Einstweilige Verfügung, wogegen Brandt Widerspruch einlegte. Der Streit war eine Steilvorlage für jeden Satiriker."

Foto: Klaus Staeck/ Edition Staeck
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Kommentar von Klaus Staeck: "Seit der SPIEGEL-Affäre 1962 galt Strauß für das bürgerliche, linke und liberale Lager als gefährlicher Mann. Das 1972 entstandene Plakatmotiv ist das erste einer langen Reihe, das sich mit dem CSU-Politiker Franz-Josef Strauß satirisch beschäftigt. Es wurde oft gefragt, ob es eine solche Titelseite tatsächlich gegeben habe. Die 'Bild'-Zeitung versuchte vergeblich, die Verwendung ihres Signets zu verhindern. In der polternden Rhetorik von Strauß und diesem Blatt hatte ich immer eine enge Verwandtschaft gesehen. Auch die 'FAZ' beklagte sich über die Verwendung ihres Slogans, sah aber von juristischen Schritten ab."

Foto: Klaus Staeck/ Edition Staeck
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Kommentar von Klaus Staeck: "Auf den verdoppelten Hinterteilen einer Schwarzbunten sitzen der niedersächsische Ministerpräsident Ernst Albrecht und Franz Josef Strauß. Die CDU trat 1979 mehrheitlich für Albrecht als Kanzlerkandidaten ein. Die CSU schlug Strauß vor, den ehemaligen Verteidigungs- und Finanzminister, der sich schließlich durchsetzte. Es hieß, er sei regelrecht gedrängt worden, vor allem von dem CSU-Generalsekretär Edmund Stoiber."

Foto: Klaus Staeck/ Edition Staeck
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Kommentar von Klaus Staeck: "Das Wüstling-Motiv von 1972 gehört zu meinen umstrittensten Plakaten. Nach einer Serie von Kindermorden erschien in einem Boulevardblatt ein Interview mit dem Präsidenten des Kinderschutzbundes mit der Balkenüberschrift 'Entmannt alle Wüstlinge'. Die drastische Rhetorik bei der Mobilisierung auch niederer Instinkte bei Strauß kam für mich der Interview-Überschrift nahe. So sprach er in seiner Sonthofener Rede vom November 1974 vom 'Zorn', der sich 'in unserem Volk' angesammelt habe und es nicht ratsam mache, von 'demokratischer Gemeinsamkeit' zu reden. Das sei 'blödes Zeug'. Vor allem wegen seiner häufigen Attacken und Ausfällen wurde Strauß schon früh für Satiriker ein höchst ergiebiger Partner."

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Kommentar von Klaus Staeck: "Nicht nur zur Überraschung von Vertretern der 68er-Generation und erklärter Gegner von Willy Brandts Ostpolitik traf Strauß am 16. Januar 1975 den Vorsitzenden der Kommunistischen Partei Chinas, Mao Tse Tung und den Regierungschef der Volksrepublik China, Chou En-Lai als erster bundesdeutscher Politiker. Das Foto stammt aus der Peking- Rundschau. Rückblickend ist, was die Bedeutung Chinas betrifft, der Weitblick zu würdigen."

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Kommentar von Klaus Staeck: "Die von mir mitbegründete Bürgerinitiative 'Aktion für mehr Demokratie' antwortete auf die CDU/CSU-Wahlkampfparole 'Freiheit statt Sozialismus' mit der an über 200 Orten aktiven Kampagne 'Freiheit statt Strauß'. Das Wurst-Bild wurde zum zentralen Bildmotiv auf allen unseren Veröffentlichungen. Mit vielen Bürgern verband uns das Ziel, die Kanzlerschaft Franz Josef Strauß zu verhindern, weil wir in ihm eine Gefahr für die Demokratie sahen."

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Kommentar von Klaus Staeck: "Das Sheriff-Motiv war 1980 im Bundestagswahlkampf das letzte von mir entworfene Strauß-Plakat. Die Unterzeile 'aber nur in den USA' war die ultimative Absage an einen Bundeskanzler Strauß. Entgegen vielen Vermutungen hat Strauß mich nie wegen eines meiner Plakate verklagt. Anlässlich des 'Bonner Bildersturmes' 1976 hatte Strauß meine künstlerisch-politische Arbeit als 'politische Pornografie' eingestuft. Erst nach der für die CDU/CSU verlorenen Bundestagswahl veranstaltete der CDU-Generalsekretär Heiner Geißler im Bonner Konrad-Adenauer-Haus unter dem Titel 'Politische Grafik gegen die Menschenwürde' eine Ausstellung, in der meine Plakate mit den antijüdischen Karikaturen im nationalsozialistischen 'Stürmer' gleichgesetzt wurden. Eine Solidaritätsaktion von Heinrich Böll, Willy Brandt, Max Frisch, Günter Grass, Walter Jens, Eugen Kogon und Martin Walser unterstützte mich."

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Klaus Staek (im Jahr 2010): Der Grafikdesigner, Karikaturist und Jurist leitete von April 2006 bis Mai 2015 die Akademie der Künste in Berlin.

Foto: Alina Novopashina/ picture alliance / dpa
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