Berlin, Metropole des Verbrechens Mord und Nachtleben

Ein Fahndungsplakat elektrisiert 1921 die Berliner: Die Polizei bittet um Hinweise nach Funden von Leichenteilen im Luisenstädtischen Kanal. Kriminalfälle sind Thema der TV-Doku "Sündenbabel Berlin - Metropole des Verbrechens 1918-1933".
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Spurensuche der Berliner Mordkommission am Tatort. Bis zu Beginn des 20. Jahrhunderts gab es eine solche Institution noch nicht. Mord, Totschlag, Raub, Einbruch und Krawalle erreichten bis zum Ende des Ersten Weltkrieges in der Millionenstadt einen Höhepunkt.

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Dann kam ein Mann, den sie wegen seiner Körperfülle den Buddha vom Alexanderplatz nannten: Ernst Gennat, seit 1904 bei der Polizei, revolutionierte die Ermittlungsarbeit. 1926 gründete er die "Inspektion M", weltweit die erste ständige Mordkommission.

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Ermittler Ernst Gennat ließ ein Spezialfahrzeug mit Mini-Labor konstruieren, das sogenannte Mordauto. Es ermöglichte die Spurensicherung, Probenentnahme und -sicherung sowie das Fotografieren des Tatortes.

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Auf Gennats Initiative geht auch der Aufbau der zentralen Todesermittlungskartei oder auch "Zentralkartei für Mordsachen" zurück, der Vorläufer einer polizeilichen Datenbank. Systematisch wurden hier alle bekannt gewordenen gewaltsamen Todesfälle dokumentiert. Ziel war das mögliche Erkennen von Verbindungen in der Tatausführung.

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Historiker sprechen heute mit Bezug auf die Kriminalität in der Zwischenkriegszeit von den wildesten Jahren Berlins: Die Gebrüder Erich und Franz Sass etwa - hier dargestellt von Hardy Krüger und Martin Held im Film "Banktresor 713" von 1957 - erlangten Bekanntheit, ...

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...nachdem es ihnen im Januar 1929 gelungen war, in die Tresorräume (hier nachgestellt für den Film "Sass" von 2001) ...

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... der Berliner Discontobank am Wittenbergplatz einzubrechen und...

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... angeblich "einbruchssichere" Tresore zu plündern. Sämtliche private Schließfächer waren aufgebrochen, Geld und Wertsachen verschwunden. Auf dem Tisch sollen die Täter eine leere Weinflasche zurückgelassen haben. Die Höhe der Beute lässt sich bis heute nicht beziffern, weil viele Schließfachbesitzer dazu lieber keine Angaben machen wollten.

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Nachdem ihnen bis 1932 gerichtlich nichts nachgewiesen werden konnte, setzten sich die Brüder Sass zunächst nach Dänemark ab, wo sie weitere Einbrüche begingen. Die Aufnahme zeigt sie 1926 auf Helgoland..

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Dieses Spezialwerkzeug zum Öffnen von Tresoren mithilfe von Schneidbrennern fand die dänische Polizei bei den Sass-Brüdern versteckt hinter einer Wandverkleidung in ihrem Hotelzimmer in Kopenhagen.

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Weitere Fundstücke der Polizei in Kopenhagen: Beim Aufschweißen der Tresortüren mit dem Schneidbrenner entstehen sehr hohe Temperaturen, vor denen die Brüder Sass ihre Hände mit den in Kopenhagen gefundenen dicken Lederhandschuhen schützten. Mit der Zahnpasta hatten sie verräterische Spuren wie Risse im Mauerwerk zugespachtelt.

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Im Mauerwerk der elterlichen Berliner Wohnung hatten die Brüder hinter der Blumentapete feinsäuberlich einzelne Vertiefungen ausgehöhlt, um hier ein Teil ihres Werkzeugs zu verstecken. Als Beweis aber reichte der Fund nicht aus, die Einbrecher zu überführen - 1929 kamen sie deshalb erst einmal wieder auf freien Fuß.

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Der versuchte Tresoraufbruch durch die Brüder Sass 1928 in der Dresdner Bank an der Budapester Straße war fehlgeschlagen. Die Tresortür erwies sich als unüberwindbar. Insgesamt vier gescheiterte Versuche mussten die beiden hinnehmen, bis ihnen in der Discontobank am Wittenbergplatz der große Durchbruch gelang - im wahrsten Sinne des Wortes.

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Franz Sass, der ältere der beiden Brüder. Die Geschwister standen nach dem nächtlichen Discontobank-Einbruch zwar unter Tatverdacht, mussten aber aus Mangel an Beweisen freigesprochen werden. Franz perfektionierte den Umgang mit dem Schneidbrenner, um Tresortüren aufzuschweißen.

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Erich Sass, der jüngere der beiden Brüder. Seine besondere Begabung für Bankeinbrüche lag im Zeichnen der Grundrisse und Ermittlung des besten Weges durch Mauern und Wände zum Tresor. 1940 wurden die Brüder bei der Überstellung ins KZ Sachsenhausen erschossen, angeblich bei einem Fluchtversuch.

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Auf hilf- und ahnungslose Landpomeranzen hatte es der Hausierer Carl Großmann abgesehen. Der Serienmörder lockte sie in seine Wohnung, quälte seine Opfer bestialisch und zerstückelte ihre Körper. Die Berliner Polizei ertappte ihn auf frischer Tat, als eines Nachts unmenschliche Schreie aus der Wohnung drangen. Noch vor Ende seines Prozesses 1922 tötete er sich selbst.

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Tatortaufnahme vom letzten Frauenmord Großmanns. Nackt und blutbesudelt liegt die tote junge Frau auf dem Bett. Weil es damals noch kein deutschlandweites Polizeiregister gab, konnte ein Täter wie Großmann nach Verbüßung von einzelnen Haftstrafen an verschiedenen Orten immer wieder von Neuem anfangen - und weiter morden.

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Fahndungsplakat der Berliner Polizei von 1921: Nach dem Auffinden von Leichenteilen einer weiteren unbekannten Frau im Luisenstädtischen Kanal ging die Kripo davon aus, dass sich der Täter in der Nähe aufhielt. An derselben Stelle war die zerstückelte Leiche der Prostituierten Frieda Schubert gefunden worden.

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Zeichnung von Friedrich Schumann, dem ersten Massenmörder der Weimarer Republik in Berlin. Der gelernte Schlosser, Kriegsheimkehrer und Träger des Eisernen Kreuzes beging mindestens sechs Morde und unternahm darüber hinaus elf Mordversuche. Er wurde sechsmal zum Tode verurteilt und 1921 hingerichtet.

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Im Fall des Massenmörders Schumann ordnete die Berliner Kriminalpolizei 1934 unter Herrschaft der Nationalsozialisten in ihrer "Zentralkartei für Mordsachen" die Aktenlage neu. Der hier abgebildete Aktendeckel schreibt Schumann 50 Opfer zu - aus Raubmorden, Morden, Vergewaltigungen, Mordversuchen und Brandstiftungen.

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Eine Wettbank in Berlin 1921. Noch sind die Kunden ahnungslos, die hierher ihr Geld tragen, um es...

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... in Unkenntnis einem Millionenbetrüger anzuvertrauen: Max Klante. Er selbst bezeichnete sich als "Volksbeglücker" und versprach 600-prozentige Dividenden. Mehr als eine Viertelmillion Menschen in ganz Deutschland ...

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... fielen darauf 1921 rein. Klantes Sportbankensystem brach zusammen, die geschädigten Einzahler forderten ihre Geldeinlagen zurück - wie hier an der Friedrichstraße. Klante wurde verhaftet und kam vor Gericht, das ihn zu drei Jahren Gefängnis verurteilte.

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Berlins Mordermittler Ernst Gennat war bereits zu Lebzeiten eine Legende. In seinem Arbeitszimmer im ersten Stock des Präsidiums am Alexanderplatz standen ein durchgesessenes grünes Sofa und zwei grüne Sessel, auf denen so mancher Beschuldigter sein Gewissen erleichtert haben soll. Dekoriert war sein Zimmer mit Fotos von männlichen und weiblichen Mördern und Opfern, so die Überlieferung.

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In Gennats Zeit gewann der Sachbeweis durch die Entwicklung der Forensik an Bedeutung. Im Fall der ermordeten Elisabeth Z. gelang es der Polizei, den Täter anhand von Haaren des Opfers an der Tatwaffe zu überführen. Der Mann hatte die Frau beraubt und mit einem Beil getötet. Das Opfer wies auch Bissverletzungen auf.

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Der auf diesem Foto hergerichtete Frauenkopf wurde von Spezialisten aus der Gerichtsmedizin einer sogenannten "Leichentoilette" unterzogen. Er gehört zu einer unbekannten Wasserleiche. Mit den eingesetzten Glasaugen, der Perücke und der Schminke sollte sie so für Menschen, die sie zu Lebzeiten kannten, wiedererkennbar werden.

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