Taubblinde Das Leben ertasten

Für viele ist es eine Horrorvorstellung: In kompletter Dunkelheit und Stille leben zu müssen. Doch Taubblinde haben ein weiteres Problem. Ihre Krankheit ist in Deutschland nicht als Behinderung anerkannt. Die Folge ist eine teilweise groteske Fehlversorgung.
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Taubblindenassistenten-Training in Hamburg: Für geschätzte 5000 Taubblinde in Deutschland stehen gerade mal ein paar Dutzend ausgebildete Helfer zur Verfügung. Die Folge: Die meisten Taubblinden werden von Ehrenamtlichen oder Familienmitgliedern betreut, lernen häufig weder taktile Gebärdensprache noch das Tast-Alphabet Lormen, was sie in die kommunikative Isolation treibt.

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Bei der taktilen Gebärdensprache werden Zeichen, Mimik und Mundbewegungen, die Gehörlose über die Augen erfassen, mit den Händen ertastet. Die Assistenten lernen außerdem das Lormen...

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...ein Tast-Alphabet, das das zur Kommunikation mit Taubblinden genutzt wird. Bestimmte Punkte in der Handinnenfläche sind Buchstaben zugeordnet. Wer das Lormen gut beherrscht, kann sich recht schnell damit verständigen: "Ironie und Poesie nicht ausgeschlossen", sagt ein Taubblindenangehöriger.

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Die Assistenten lernen, Taubblinde mittels bestimmter Berührungen sicher über die Straße oder um Hindernisse herum zu lenken. Ohne Begleitung sind solche Ausflüge für die Behinderten lebensgefährlich.

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"Taubblinde in Deutschland werden nicht nur schlecht, sondern auch falsch versorgt", sagt Irmgard Reichstein von der Stiftung taubblind leben. Im Moment seien die Betroffenen nichts weiter als "die Addition von blind und gehörlos". "Bl" und "Gl" steht in ihren Behindertenausweisen - und dieser Missstand treibt eigentümliche Blüten: So sollen Krankenkassen ihren taubblinden Versicherten Vorleserechner oder Leuchtklingeln bewilligt haben - Hilfsgeräte, mit denen sie gar nichts anfangen können.

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"Wir brauchen dringend mehr Assistenten", fordert Susanne Kirschbaum vom Taubblindenassistenz-Projekt Recklinghausen. Hier konnten immerhin 44 der bundesweit gerade einmal 50 organisierten Assistenten ausgebildet werden. Gefördert wurde das Programm vom Ministerium für Arbeit, Integration und Soziales in NRW. Eine Anschlussfinanzierung ab 2013 steht aus.

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