NRW, Bayern, Litauen Diese Standorte buhlen um Teslas EU-Gigafactory

Der US-Elektroautobauer Tesla plant seit Jahren, in Europa eine riesige Batterie- und Autofabrik aus dem Boden zu stampfen. Mehrere deutsche Bundesländer bringen sich dazu als mögliche Standorte in Stellung - nun hat sich auch Nordrhein-Westfalen ins Spiel gebracht. Doch die deutschen Bundesländer haben Konkurrenz aus mehreren EU-Ländern.
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Gigantisch ist alles an der Gigafactory, der Fünf-Milliarden-Dollar-Fabrik in Nevadas Wüste, wo Tesla und Panasonic die Massenproduktion von Batterien für Elektroautos ausbauen. Anfang 2017 ging die Fabrik in Betrieb, im Lauf des Jahres 2018 soll die Batterieproduktion auf 35 Gigawattstunden hochgefahren werden.

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Der Vollausbau der Fabrik - samt Solarzellen auf dem riesigen Dach - ist für 2020 angepeilt.Tesla hatte die Bewerbungen von mehreren US-Staaten eingeholt, die sich mit Subventionen überboten. Nevada machte das Rennen, auch weil reichlich Platz vorhanden ist und die größten Lithiumvorräte Nordamerikas in der Nähe sind. In China plant Tesla ein weiteres Riesen-Batteriewerk - und auch in Europa will Tesla-Chef Elon Musk eine Gigafactory aus dem Boden stampfen. Angekündigt hat er die Europa-Pläne schon vor gut drei Jahren...

Foto: Tesla Motors
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Mitte Juni 2018 erklärte Tesla-Chef Elon Musk dazu via Twitter, dass Deutschland für ihn "die beste Wahl" für einen europäischen Standort sei - wahrscheinlich mache die deutsch-französische Grenze in der Nähe der Benelux-Länder Sinn, so Musk.

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Ende Juli berichtete das Wall Street Journal, dass Tesla mit zwei deutschen Bundesländern erste Gespräche über eine Gigafactory führe. Vor allem Rheinland-Pfalz und das Saarland sollen sich laut der Zeitung um Tesla bemühen. Nun hat sich auch Bayern als Standort ins Spiel gebracht. Als möglichen Sitz nannte Landeswirtschaftsminister Franz Josef Pschierer (CSU) in der "Süddeutschen Zeitung" die Region Hof in Nordostbayern. Es gebe bereits Kontakte, "der Freistaat bietet für eine Ansiedlung exzellente Voraussetzungen".

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Interesse an einer Tesla-Fabrik im Land hat offenbar auch Nordrhein-Westfalen. Laut Nachrichtenagenturen hat das Wirtschaftsministerium des Landes Kontakt zu Tesla aufgenommen. In Aachen baut die Deutsche Post bereits ihre Streetscooter-Elektrotransporter (im Bild), vor kurzem wurde eine Fabrik für den E-Kleinwagen e.Go Life eröffnet. NRW biete deshalb beste Voraussetzungen mit seinem Netzwerk aus Fachkräften, Batterie-Forschungseinrichtungen und der Nähe zu Benelux-Ländern, wirbt das Land.

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Noch ist allerdings unklar, wann Tesla eine Entscheidung für seinen europäischen Gigafactory-Standort fällt. Ursprünglich wollte sich Tesla bereits im Jahr 2017 entscheiden - doch wegen der Produktionsprobleme beim Model 3 verschob Musk die Entscheidung. Und Tesla-Kritiker bezweifeln, ob Tesla aktuell die finanziellen Mittel für eine weitere Gigafactory aufbringen kann. Und sicher ist der Zuschlag für einen Standort in Deutschland längst nicht, denn...

Foto: TESLA
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...als Teslas Europa-Pläne vor gut zweieinhalb Jahren ruchbar wurden, sollen sich europaweit mehr als 300 Standorte beworben haben. Neben Batterien sollen in der europäischen Gigafactory auch gleich Autos gefertigt werden. Das manager magazin zeigt einige der ernsthaften Anwärter.

Foto: manager magazin online
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So machte Elon Musk Ende 2015 auch Frankreich seine Aufwartung, hier ließ er sich zu einer Versammlung von Lokalpolitikern im Pariser Rathaus herab. Frankreich ist seit Längerem einer der größten europäischen Märkte für Elektroautos. Im Januar 2016 besuchte Frankreichs Wirtschaftsminister etwa die Tesla-Fabrik in Fremont und stellte die Vorzüge Frankreichs heraus.

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Die damalige Umweltministerin Ségolène Royal brachte 2016 das Kernkraftwerk Fessenheim ins Spiel, das stillgelegt wird: "Ich habe ihm gesagt, ich habe einen Ort für Sie." Der Antrag scheint verfangen zu haben, jedenfalls nannte Musk selbst später das Elsass als Beispiel für einen logistisch günstigen Standort. Ganz in der Nähe sind das Stammwerk von Peugeot, die elektroaffine Schweiz und gleich gegenüber das Autoland Baden-Württemberg.

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Die alte Industrie macht Platz für die neue - diesen Charme, den Tesla von seiner Fabrik in Fremont (früher Toyota und General Motors) kennt, hätte auch das ehemalige Saab-Werk im schwedischen Trollhättan. Seit dem Aus der Traditionsmarke haben sich mehrere neue Besitzer daran versucht, dort Elektroautos zu bauen. Der schwedische Unternehmerverband hofft, dass Tesla es schafft. Von Trollhättan sind es nur gut hundert Kilometer nach Norwegen, wo Tesla seinen weltweit höchsten Marktanteil erreicht. In Schweden ist zugleich die Firma Northvolt mit eigenen Gigafactory-Plänen aktiv, geführt von einem früheren Tesla-Manager.

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Noch erheblich näher am Polarkreis liegt das finnische Vaasa - logistisch ungünstig, abgesehen von den Rohstofflieferungen. Auf einer eigenen Gigavaasa-Website  werben die Finnen mit den "bedeutendsten Lithiumvorkommen Europas", der weltgrößten Kobaltraffinerie und einer großen Nickelhütte. Außerdem gebe es reichlich gut ausgebildete Talente in technischen Berufen und bestehende Netzwerke von Cleantech-Firmen.

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Technische Universitäten und Firmen gibt es auch rund um das niederländische Tilburg - und bereits eine bestehende Tesla-Fabrik, nämlich die Endmontage der Modelle für den europäischen Markt. Zudem müssen die Niederlande als einer der größten Absatzmärkte keine Rücksicht auf etablierte heimische Hersteller nehmen und sind so aufgeschlossen für Elektroautos wie sonst nur noch Norwegen.

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Zu den niederländischen Standorten, die sich bewerben, zählt auch die Provinz Groningen mit Eemshaven - direkt an der deutschen Grenze, was auch dortige Landkreise und Industrie- und Handelskammern auf den Plan gerufen hat. Der Platz war einmal für BMW reserviert, hatte aber das Nachsehen gegenüber Leipzig in genau so einem Standortwettbewerb. Tesla könnte auf eine Aluminiumhütte nebenan für die Karosserien setzen - und auf Groningens Historie als E-Mobility-Pionier: 1835 brachte hier ein Sibrandus Stratingh das erste Batteriefahrzeug auf die Straße.

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#SpainLovesTesla heißt eine Kampagne, die den Elektroautobauer nach Spanien locken soll - zusammen mit günstigen Arbeitskräften, bestehender Infrastruktur für die Autoindustrie und reichlich Sonne und Wind für die Versorgung der Gigafactory mit erneuerbarer Energie. Der Ort Paterna nahe Valencia hat bereits ein Gewerbegebiet mit Anschluss an Bahn, Autobahnen, Hafen und Flughafen für Tesla reserviert.

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Was Spanien hat, hat Portugal zum großen Teil auch - und vielleicht noch etwas mehr Enthusiasmus für Tesla. Die Facebook-Gruppe "Bring Tesla Gigafactory to Portugal"  zählt mehr als 50.000 Mitglieder. Premierminister António Costa persönlich schaltete sich in Musks Standortwahl ein. Im Rennen ist beispielsweise die Bergstadt Guarda im Landesinneren, nahe an Europas größtem Lithiumbergwerk (gemessen an der bereits laufenden Produktion). Auch Viana do Castelo bietet Lithium und zudem einen Hafen.

Foto: Facebook / Bring Tesla Gigafactory to Portugal!
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Litauen zog Musks Aufmerksamkeit nicht auf höchster Ebene, sondern über die lokale Gamerszene auf sich. Die hat eine Gigafactory im kleinen Kruonis schon einmal gebaut, und zwar in nur zwei Tagen - virtuell , versteht sich. Vielleicht wird es nicht Litauen, aber eine Reihe osteuropäischer Staaten stünde ebenfalls bereit - wenn Tesla sich nun doch nicht für einen Standort nahe an den Benelux-Ländern entscheiden sollte. Stand: 1. August 2018

Foto: Youtube / Gigafactory LT
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