Deutscher Überfall auf die Sowjetunion "Unternehmen Barbarossa" - Krieg ohne Gnade

Minutiös hielt der deutsche General Gotthard Heinrici vom ersten Tag an den Kriegsverlauf in der Sowjetunion fest. Ein Dokument des Grauens.
1 / 24

Angriffskrieg: Am 22. Juni 1941 überfiel das Deutsche Reich die Sowjetunion ohne vorherige Kriegserklärung. Über drei Millionen Soldaten der Wehrmacht und verbündeter Staaten hatte der deutsche Diktator Adolf Hitler an der Grenze der Sowjetunion aufmarschieren lassen (Aufnahme einer Flussüberquerung deutscher Soldaten Anfang Juli 1941). Bei dem gnadenlos geführten Krieg starben rund 27 Millionen Sowjetbürger.

Foto: AP
2 / 24

Der deutsche General Gotthard Heinrici schrieb in den Jahren 1941 und 1942 zahlreiche Briefen an seine Frau, Tagebucheinträge sowie Berichte an die Familie. So dokumentierte er das "Unternehmen Barbarossa" wie kaum eine andere historische Quelle.

Signatur im Bundesarchiv: Bild 101I-152-1842-22
Zum digitalen Bildarchiv des Bundesarchivs

3 / 24

Erschöpfung: Die Frontlinie erstreckte sich von der Ostsee bis ans Schwarze Meer. "Die russische Armee ist buchstäblich aus ihren Betten herausgeschossen worden", schrieb der Gotthard Heinrici zum Beginn des Krieges gegen die Sowjetunion.

Foto: Keystone/ Getty Images
4 / 24

Fahrlässigkeit: Zahlreiche Warnungen hatte der sowjetische Diktator Josef Stalin zuvor ignoriert. Er hielt den deutschen Aufmarsch lediglich für eine Drohgebärde. So wurde die Rote Armee von der deutschen Attacke völlig überrascht. Mit Tausenden Geschützen hatte die Wehrmacht den Angriff eingeleitet, deutsche Kampfflugzeuge griffen sowjetische Flughäfen an und zerstörten zahlreiche Flugzeuge bereits am Boden. Als "Kindsmord" bezeichneten deutsche Jagdpiloten den Abschuss der überrumpelten sowjetischer Flieger, die überhaupt starten konnten. Das Foto vom 14. Juli 1941 zeigt zerstörte sowjetische Maschinen, im Hintergrund ein deutsches Flugzeug.

Foto: AP
5 / 24

Vormarsch: Im August 1939 hatte Adolf Hitler mit Stalin einen Nichtangriffspakt geschlossen. Auch deshalb glaubte sich der Sowjetherrscher in Sicherheit. Das Abkommen beinhaltete ein Zusatzabkommen, das die Aufteilung Polens vorsah. Tatsächlich hatten das Deutsche Reich und die Sowjetunion das Nachbarland nach dem deutschen Angriff auf Polen am 1. September 1939 vereinbarungsgemäß besetzt. Als Deutschland knapp zwei Jahre später die Sowjetunion angriff, sollten schnelle Panzerverbände vorstoßen und die Rote Armee einkesseln.

Foto: imago
6 / 24

Mühsal: In endlosen Kolonnen folgte die Infanterie den Panzerverbänden. Zunächst ging die deutsche Strategie auf: In Kesselschlachten nahmen die Wehrmachtsverbände Hundertausende Rotarmisten gefangen und erbeuteten zahlreiches Kriegsgerät. Die Rote Armee kämpfte allerdings erfolgreicher, als die Deutschen es annahmen. "Erstaunlich ist für uns alle immer wieder die Zähigkeit, mit welcher der Russe kämpft", notierte Gotthard Heinrici im August.

Foto: AP
7 / 24

Kriegsverbrechen: Der Angriff auf die Sowjetunion war von Anfang an als verbrecherischer Vernichtungs- und Ausbeutungskrieg geplant. Deutschland wollte "Lebensraum" erwerben, dafür sollten nach deutschen Planungen Millionen sowjetische Bürger verhungern. Die Wehrmacht requirierte beispielsweise gnadenlos Nahrungsmittel und Vieh der Bauern. Das Bild zeigt eine deutsche Behelfsbrücke im Juli 1941. Die ursprüngliche Brücke hatte die Rote Armee beim Rückzug zerstört.

Foto: AP
8 / 24

Hungerkrieg: Die deutschen Plünderungszüge waren von vornherein einkalkuliert worden. Angesichts des schnellen deutschen Vormarsches konnte der Nachschub nicht mithalten, die Truppen sollten sich "aus dem Land" ernähren. Verzweifelt suchten diese Zivilisten Ende Juli 1941 nach Kartoffelschalen zum Überleben.

Foto: AP
9 / 24

"Keine Kameraden": Rund 5,7 Millionen Rotarmisten nahm die deutsche Wehrmacht im Zweiten Weltkrieg gefangen, viele davon in den großen Kesselschlachten der ersten Kriegsmonate. Für die Versorgung dieser Menschen, wie hier links zu sehen, hatte die Wehrmacht allerdings entgegen dem Völkerrecht so gut wie keine Vorsorge getroffen.

Foto: AP
10 / 24

Massenmord: Gefangene Rotarmisten vegetierten oft notdürftig bewacht auf offenen Feldern, ohne Nahrungsmittel oder ärztliche Versorgung. Millionen von ihnen starben unter der Verantwortung der Wehrmacht. Allein zwischen dem 22. Juni 1941 und dem Frühjahr 1942 kamen mehr als zwei Millionen Rotarmisten in deutscher Kriegsgefangenschaft um. Sowjetische Soldaten fielen auch anderen deutschen Verbrechen zum Opfer. Im Konzentrationslager Auschwitz erprobte die SS das Vergasen von Menschen als erstes an sowjetischen Kriegsgefangenen. Das Oberkommando der Wehrmacht hatte vor dem Angriff im "Kommissarbefehl" verfügt, dass Politische Kommissare der Roten Armee nicht als Kriegsgefangene zu behandeln, sondern zu erschießen seien. Zuvor war bereits die Kriegsgerichtsbarkeit im sowjetischen Operationsgebiet aufgehoben worden. Demnach mussten Übergriffe deutscher Soldaten auf die Zivilbevölkerung nicht mehr verfolgt werden.

Foto: AP
11 / 24

Völkermord: Hinter den Verbänden der Wehrmacht marschierten Einsatzgruppen der SS in die Sowjetunion ein. Sie brachten Hunderttausende Juden, Sinti und Roma und kommunistische Funktionäre um. Allein in der Schlucht von Babi Jar bei Kiew ermordete das Sonderkommando 4a über 30.000 jüdische Männer, Frauen und Kinder. Später lobte die SS ausdrücklich die "gute Zusammenarbeit" mit der Wehrmacht. Das Foto einer Propagandakompanie zeigt zur Arbeit gezwungene Juden im weißrussischen Mogilew nach dem deutschen Einmarsch.

Signatur im Bundesarchiv: Bild 101I-138-1084-09
Zum digitalen Bildarchiv des Bundesarchivs

12 / 24

"Heldenstadt": Im September 1941 schnitt die deutsche Heeresgruppe Nord das sowjetische Leningrad von allen Landverbindungen ab. Die deutsche Strategie war ein Kriegsverbrechen: Statt die Stadt zu erobern, sollte sie ausgehungert werden. Bis die Rote Armee nach rund 900 Tagen den deutschen Belagerungsring sprengen konnte, war Schätzungen von Historikern zufolge über eine Million Zivilisten an Hunger, Seuchen, Kälte und deutschem Beschuss umgekommen. Sowjet-Diktator Stalin hatte Leningrad zur "Heldenstadt" erklärt.

Foto: Anonymous/ ASSOCIATED PRESS
13 / 24

Schweigen: Nach dem deutschen Überfall schien Stalin unter Schock zu stehen. Er zog sich auf seine Datscha zurück. Erst Anfang Juli wandte sich der Diktator an die Bevölkerung und rief zum absoluten Widerstand gegen die Invasoren auf (Aufnahme aus dem November 1941). Rücksicht auf die Zivilbevölkerung und seine Soldaten nahm auch Stalin nicht. Rotarmisten, die sich den Deutschen ergaben, und Zivilisten, die unter den deutschen Herrschaftseinfluss gerieten, galten Stalin als "Verräter". Sein eigener Sohn Jakob geriet als Offizier Mitte Juli 1941 in deutsche Gefangenschaft.

Foto: imago
14 / 24

Guerillakrieg: Hinter den deutschen Linien formierten sich bald Partisanenverbände, die immer wieder Wehrmachtssoldaten angriffen und Sabotageakte verübten (hier Partisanen im August 1941). Die Deutschen reagierten unerbittlich. Partisanen und Menschen, die Landser für solche hielten, wurden kurzerhand hingerichtet. "Insgesamt 12 Partisanen erledigt", schrieb Gotthard Heinrici am 2. November 1941 in sein Tagebuch.

Foto: Keystone/ Getty Images
15 / 24

Überlegenheit: Bei Beginn des Überfalls hielten die deutschen Generäle die Wehrmacht überlegen. Den stalinistischen Säuberungen in den Dreißigerjahren waren zahlreiche Offiziere zum Opfer gefallen, auch das deutsche Kriegsgerät galt als technisch ausgereifter. Während der Kampfhandlungen erwies sich der sowjetische Panzer "T-34" aber als weitaus kampfstärker als vermutet (Aufnahme von 1941).

Foto: imago
16 / 24

Mühsal: Im einsetzenden Herbst verwandelten Regenfälle die sowjetischen Straßen in Schlammbahnen. Bald versank der Vormarsch der Wehrmacht im Schlamm und dann im Eis.

Foto: Hulton Archive/ Getty Images
17 / 24

Mangel: Die deutsche Generalität ging von einem schnellen Sieg über die Rote Armee aus. Vorbereitungen für einen Winterkrieg hatte sie nicht getroffen. Als sich der Feldzug immer länger hinzog, wurden in Deutschland eilig Kleiderspenden gesammelt (Aufnahme von Wehrmachtssoldaten in Witebsk im nordöstlichen Weißrussland).

Foto: Keystone/ Getty Images
18 / 24

Rassenhass: General Gotthard Heinrici war bestürzt über die Lebensbedingungen der Bevölkerung in der Sowjetunion, was zugleich seine rassistischen Überzeugungen befeuerte. "Dies Volk ist schon garnicht mehr mit unseren Maßstäben zu messen", schrieb er im Oktober 1941. Das Foto zeigt deutsche Truppen in einem eroberten sowjetischen Dorf zwei Monate zuvor.

Foto: AP
19 / 24

Zermürbung: Die von den Deutschen als "hinterlistig" und "verschlagen" verurteilte Kampfweise der Roten Armee war äußerst effektiv. Gotthard Heinrici urteilte bereits Ende Juli 1941: "Die Truppe geht in den unaufhörlichen Waldgefechten kaput. Die Kampfesart der bolschewistischen Nadelstiche macht sie kaput, denn in diesem Wald u. Sumpfland kann sich der beste Mann des Überfalls nicht erwehren."

Foto: AP
20 / 24

Kriegsziel: Die Einnahme der sowjetischen Hauptstadt Moskau sollte die Rote Armee zur Kapitulation zwingen. Angesichts des bevorstehenden deutschen Angriffs führte das sowjetische Oberkommando aber Divisionen aus Sibirien heran, die bestens für den Winterkrieg ausgerüstet waren. Das Foto zeigt eine Flakstellung in Moskau 1941.

Foto: AFP
21 / 24

Verzweiflung: Weil Hitler der Wehrmacht zunächst die Eroberung der Ukraine befohlen hatte, begann der Vormarsch auf Moskau viel zu spät im Jahr. Angesichts von Regen- und Schneefällen fiel die Versorgung der Truppen immer schwerer. Die Soldaten froren in ihren leichten Uniformen, angesichts der Tiefsttemperaturen fielen immer mehr Motoren aus.

Foto: Hulton Archive/ Getty Images
22 / 24

Geschosshagel: Vorgeschobene deutsche Posten konnten mit ihren Ferngläser bereits den Kreml erkennen. Erbittert wurde vor Moskau gekämpft. Bei Temperaturen bei minus 30 Grad zeigte sich die sowjetischen Truppen überlegen, während die Wehrmachtssoldaten am Ende ihrer Kräfte waren. Die Rote Armee drohte die deutschen Einheiten zu umkreisen. Immer mehr Landser fielen. "In 4 Tagen haben wir an 1000 Mann verloren, 790 tot u. verwundet, 180 durch Erfrierungen", beklagte Heinrici bereits im November (Aufnahme sowjetischer Raketenwerfer 1941, die auch in der Schlacht um Moskau eingesetzt wurden).

Foto: AFP
23 / 24

Starrsinn: Erst im Januar 1942 erlaubte Adolf Hitler seinen Truppen vor Moskau einen Rückzug auf sicherere Stellungen. Das Foto zeigt Hitler (rechts), den italienischen Diktator Benito Mussolini (Mitte) und den deutschen Generalfeldmarschall von Rundtstedt 1941 bei einer Besichtigung der Ostfront.

Signatur im Bundesarchiv: Bild 146-1987-121-09A
Zum digitalen Bildarchiv des Bundesarchivs

24 / 24

Anfang vom Ende: Mit der Niederlage vor Moskau war die deutsche Strategie zur Bezwingung der Sowjetunion endgültig zusammengebrochen. 1944 gelang der Roten Armee ihrerseits mit ihrer großen Sommeroffensive der Durchbruch durch die deutschen Frontlinien. Im April 1945 stand die Rote Armee vor Berlin, wenig später endete der Zweite Weltkrieg in Europa mit der deutschen Kapitulation. General Gotthard Heinrici hatte die Entwicklung vorausgeahnt. "Sie werden in 4 Wochen mit dem Verlust ihrer Armee vor Moskau und später mit dem Verlust des Krieges enden", hatte er Hitler und seinen Strategen bereits am Weihnachtsabend 1941 prophezeit (Aufnahme aus dem Dezember 1941 bei Wolokolamsk, nördlich von Moskau).

Die Wiedergabe wurde unterbrochen.