Am Rande der Gesellschaft "Ich bin langsam zu einem Nervenwrack geworden"

Er lebte in Slums, bei Mördern und Prostituierten: 1970 begann Jacob Holdt eine abenteuerliche Reise durch die USA. Fünf Jahre später kehrte der Däne mit Tausenden Fotos zurück, die das Bild von Amerika veränderten.
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Würde trotz Armut: Jacob Holdt faszinierte besonders der Lebenswille derjenigen US-Bürger, die scheinbar ohne Perspektive in den Ghettos der Großstädte lebten - und sich dennoch nicht aufgaben.

Foto: Jacob Holdt
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Heile Welt: Miró-Bild, Fernseher, Wohncouch - ein Stückchen Gemütlichkeit in den USA der siebziger Jahre.

Foto: Jacob Holdt
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Gefährliche Reise: Ausgerechnet als Weißer wagte sich Jacob Holdt in die No-Go-Areas der USA. Mehrmals wurde er in den Ghettos überfallen, geriet in Schießduelle, bangte nachts um sein Leben. Einige seiner Freunde wurden gar ermordet, Unbekannte steckten das Haus seiner Gastgeberin an. 1975 kehrte Holdt verbittert in seine Heimat Dänemark zurück, nachdem zwei seiner Freunde in San Fransisco erschossen worden waren.

Foto: Jacob Holdt
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Magere Aussichten: Während dieses schwarze Mädchen nach etwas Essbarem in einem völlig verrosteten Kühlschrank fahndet,...

Foto: Jacob Holdt
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...wuchs dieses Kind ohne Sorgen auf: Die neusten Spülmaschinen und moderne Kühlschränke waren Symbole des Wohlstands der weißen Mittel- und Oberschicht.

Foto: Jacob Holdt
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Drogensucht: Wochenlang wohnte Jacob Holdt auf engstem Raum mit Abhängigen zusammen, die ihm irgendwann so weit vertrauten, dass er sie fotografieren konnte. Er lernte eine drogensüchtige Frau kennen, die es schaffte, aus dem Elend des Ghettos zu entkommen - und nannte sie "eine Rose, der es glückte, durch den Asphalt hervorzuschießen".

Foto: Jacob Holdt
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Große Nähe: Schranken einreißen, Vertrauen erkämpfen, ohne sich anzubiedern - in mehr als fünf Jahren wurde dies zum Prinzip des Aussteigers Jacob Holdt, der bei Hunderten Familien unterkam. Nur so konnten ihm solch intime Fotos gelingen, die dennoch nicht arrangiert wirken.

Foto: Jacob Holdt
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Verrohung: Ungeschminkt zeigen viele von Jacob Holdts Fotos die alltägliche Gewalt in der amerikanischen Gesellschaft.

Foto: Jacob Holdt
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Selbstschutz: Diese US-Amerikanerin blickt voller Misstrauen aus der Eingangstür ihrer kleinen Wohnung. Sie verlässt sich offenbar lieber auf ihre eigene Verteidigung, als auf den Schutz der lokalen Polizei zu setzen.

Foto: Jacob Holdt
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Shacks: In den Südstaaten der USA lebten die Afroamerikaner in sogenannten Shacks, einfachen, oft erbärmlichen Holzhütten - und schafften es dennoch, dort ein Stückchen Geborgenheit zu bewahren.

Foto: Jacob Holdt
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Zu Gast im ganzen Land: Bei insgesamt 381 Familien kam Jacob Holdt unter und legte insgesamt mehr als 160.000 Kilometer durch 48 US-Bundesstaaten zurück - immer per Anhalter.

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Unterschiedliche Lebenswelten: Lustlos, gefangen in seiner Zelle, sitzt dieser Mann beim Essen, während andere das...

Foto: Jacob Holdt
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...Leben genießen: Die sozialen Widersprüche faszinierten und schockierten den Dänen Jacob Holdt derart, dass er fünf Jahre in den USA verbrachte. 1975 kehrte er mit 15.000 bewegenden Dias in seine Heimat Dänemark zurück - und prägte mit seinen erfolgreichen Multimediavorträgen und Fotobüchern nachhaltig das Bild Amerikas.

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Unfassbare Armut: Aussteiger Jacob Holdt hauste während seiner fünfjährigen Odyssee oft in rattenverseuchten Baracken. Vielleicht werden die USA, schrieb er zynisch, "in die Geschichte eingehen als das Land, dass die größten Ratten gezüchtet hat."

Foto: Jacob Holdt
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Sorgenfreie Jugend: Oft nur wenige Straßenzüge von den Slums entfernt, verbrachten andere Kinder dagegen eine ganz gewöhnliche Jugendzeit.

Foto: Jacob Holdt
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Zwei Amerika: Jacob Holdts Bilder leben von den Kontrasten, da er sowohl bei den Ärmsten der Armen, als auch in der weißen...

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...Oberschicht Gast war: Sein Herz schlug jedoch für die Mittellosen. "Jedes Mal, wenn ich dieses gute Leben an der Spitze lebte, drohte ich daran zu ersticken und flüchtete so schnell wie möglich wieder hinaus auf die Landstraße", schrieb er später.

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Ungestellte Porträts: Jacob Holdts Bilder, die er zwischen 1970 und 1975 in den USA schoss, wirken ungemein authentisch. Oft wohnte der Fotograf wochenlang in den Familien, die er fotografierte - und gewann so ihr Vertrauen.

Foto: Jacob Holdt
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Amerikas Alptraum: "Die liberalen Weißen, die ich gleichzeitig liebe und hasse", schrieb Fotograf Jacob Holdt, "sind schockiert über die Dinge, die ich in Amerika gesehen habe. Und sie schämen sich dafür, dass ich über eine Schwelle getreten bin, über die sie eigentlich selbst hätten gehen sollen, aber nicht konnten - aus einer ungeheuren Angst vor den Schwarzen."

Foto: Jacob Holdt
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Milieufotografie: Seine Bilder sind eine Reise quer durch die sozialen Schichten der US-Gesellschaft in den siebziger Jahren. Jacob Holdt lebte bei Menschen, die so arm waren, dass sie sich von Tiernahrung ernähren mussten - und bei Menschen aus dem weißen Mittelstand, die sich den amerikanischen Traum erfüllt haben.

Foto: Jacob Holdt
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Gesellschaftskritik: Mit nur 40 Dollar kam der Däne Jacob Holdt 1970 in den USA an und lebte davon fünf Jahre lang, ohne einen festen Job anzunehmen. Das kapitalistische "System" war für ihn verantwortlich für die krassen sozialen Gegensätze, die er mit der Kamera dokumentierte. Im Süden der USA sah er gar die Fortsetzung des "Sklaven-Herren-Verhältnisses".

Foto: Jacob Holdt
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Todesstrafe: Manchmal subtil, manchmal ungeschminkt verarbeitet Jacob Holdt das Thema Gewalt in seinen Aufnahmen. Hier unterzeichnet eine Seniorin eine Petition zur Wiedereinführung der Todesstrafe.

Foto: Jacob Holdt