Jetzt auch schon Ü 70 Uschi Obermaier, Partygirl der Apo

Im Herbst 2016 wurde Uschi Obermaier 70. Uschi... wer? Na, das Boxenluder der Studentenrevolte. Die Gespielin von Keith Richards und Rainer Langhans. Das schöne Gesicht der 68er. Und nun Rentnerin in Kalifornien. Aber sehen Sie selbst - mit Uschi durch die Jahrzehnte.
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Glamour-Girl der 68er: Wo Uschi Obermaier auftauchte, war ein Fotograf nicht weit. Die Münchnerin, geboren am 24. September 1946, schmiss erst die Schule, dann ihre Retuscheur-Lehre und tingelte lieber durch die Klubs. Bald wurde sie durch Filme und als Fotomodell bekannt. "Zu meiner Zeit hießen Models Tausend-Mark-Mädchen, weil man 1000 Mark pro Tag bekommen hat", sagte sie einmal der "Süddeutschen Zeitung". Sie selbst bekam sogar 1200 Mark - und sah sich gar nicht als Model: "Ich habe mich nur fotografieren lassen."

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Wildes Mädchen im Jahr 1969: Obermaier fand erst Anschluss an die Krautrock-Band Amon Düül, dann an rebellierende Studenten, obwohl sie selbst mit Politik nicht viel am Hut hatte. Endlose Debatten über den Kapitalismus, den Kommunismus und den ganzen verdammten Rest fand sie ermüdend - und schlief mitunter darüber ein.

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Jederzeit zeigefreudig: Als Galionsfigur der Gegenkultur provozierte Uschi Obermaier durch freizügige Statements und durch dauernden Flirt mit der Öffentlichkeit. Sie galt als Sex-Ikone der Sechziger- und Siebzigerjahre. "Wer zweimal mit derselben pennt, gehört schon zum Establishment" - das galt damals als Motto zur sexuellen Befreiung der Gesellschaft.

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Vorzeigepaar der Apo: Uschi Obermaier wurde zur Frontfrau der legendären Berliner Kommune 1, verliebt in die Locken und das Engelsgesicht von Rainer Langhans, den sie so klug und sanft fand. Der Psychologiestudent bildete damals zusammen mit Dieter Kunzelmann und Fritz Teufel den Kern der Wohngemeinschaft, die Polit-Happenings inszenierte, sich allmählich in endlosen Diskussionen und auch durch Drogenexzesse aufrieb.

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Die schöne Vorderseite der Revolte: Während die Kommunarden alles Private zum Politischen erklärten, die Klotüren aushängten und Freie-Liebe-Experimente propagierten, machte Obermaier auf Medienstar und verdiente bei Modeaufnahmen gutes Geld.

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Parade der Hintern: Die K1 sorgte durch allerlei Provokationen für Wirbel, auch durch dieses ikonische Foto vom Sommer 1967, kurz nach den Berliner Krawallen um den Besuch des Schahs von Persien und einige Monate nach dem "Pudding-Attentat". Die Polit-WG wollte mit dem Bild eine Polizei-Razzia nachstellen. Uschi Obermaiers Rückseite ist allerdings nicht auf diesem Bild, sie stieß erst etwas später hinzu.

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Rudelkiffen: Die Kommunarden schilderten ihr WG-Leben gern wie ein großes, fröhliches Fest, wie einen permanenten Kindergeburtstag. Uschi Obermaier (1969, 2. v.r.) lernte auch die anstrengenden Seiten kennen und bekam das ewige Theoretisieren bald satt. Zur Marx- und Mao-Lektüre sagte sie dem SPIEGEL: "Über die Einleitung bin ich nie hinausgekommen. Buchstaben sind mir zu unattraktiv."

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Anfänge als Schauspielerin: In ihrem ersten Film "Detektive" (1968, schwarz-weiß) spielte sie an der Seite von Iris Berben. Für sein Filmdebüt musste Regisseur Rudolf Thome nicht lange suchen: Obermaier wohnte im gleichen Apartmenthaus wie er. Im Film ließ er schöne Frauen schöne Dinge tun, gern auch nur leicht bekleidet.

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Für seinen nächsten Film "Rote Sonne" (1969), diesmal in Bonbonfarben, heuerte Thome sie gleich erneut an. Eine skurrile Geschichte um eine männermordende Vier-Frauen-WG. Das Foto zeigt Obermaier zusammen mit Gaby Go und Diana Körner.

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Regisseur und Hauptdarstellerin: Sie hatte keinerlei Schauspielausbildung. Er wusste das zu schätzen - Profis waren Thome suspekt. Wegen ihrer natürlichen Bewegungen vor der Kamera nannte er Obermaier "mein Südseemädchen".

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Szenenfoto: Bei den "Rote Sonne"-Dreharbeiten war Rainer Langhans durchgehend dabei, auf Wunsch von Obermaier. Bald darauf gründeten die beiden in München eine neue Kommune. Die Berliner K1 war inzwischen zerstritten, wurde zusehends militanter und warf dem Paar zudem den "Ausverkauf der Revolution vor, den Uschi Obermaier und ich angeblich popmäßig betrieben", wie Langhans dem SPIEGEL sagte.

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Fachfrau für große Tüten: In den Sechzigern und Siebzigern ließ Uschi Obermaier wenig aus, auch drogenmäßig. Ihr Frühstück, so schilderte sie es in ihrer Autobiografie "Das wilde Leben" selbst, bestand bisweilen aus Apfelsaft, einer Line Heroin und einem Joint. Ihre Expertise nutzte 1969 auch der SPIEGEL: Zu einer Titelgeschichte über "Die Haschischwelle" zeigte Obermaier auf acht Bildern, wie man sich als Fortgeschrittene fachgerecht einen baut. Es war eine der ersten Presse-Erwähnungen von Obermaier.

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Für Furore sorgte Obermaier auch mit ihren Affären. Sie war zeitweise mit Jimi Hendrix verbandelt, ebenso mit den beiden Stones-Musikern Mick Jagger und Keith Richards. In einer Münchner WG-Küche prügelten sie sich einmal fast darum, wer die Nacht mit ihr verbringen darf - "ein Highlight in meinem Leben", so Obermaier in der "Süddeutschen Zeitung". Das Foto zeigt sie mit Richards bei einer US-Tournee der Rolling Stones 1975.

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Girls just wanna have fun? Oft habe sie gehört, dass sie "zu oberflächlich sei, ich wolle nur Spaß haben - und das stimmt", so Obermaier. In den Siebzigerjahren wurde es dann ruhiger um sie. Das Angebot des italienischen Regisseurs Carlo Ponti, in zehn Jahren zehn Filme mit ihr zu drehen, schlug sie aus und posierte gelegentlich noch für Modefotos.

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1973, als sie Parallelbeziehungen mit Jagger und Richards laufen hatte, lernte sie auch noch Dieter Bockhorn kennen und lieben, einen Kneipier und Nachtklubbetreiber in Hamburg, Spitzname: "Prinz vom Kiez". Daraus wurde eine schwierige, aber langjährige Beziehung. "Meine Hauptmänner - das waren natürlich der Bockhorn und der Keith Richards, das waren meine ganz großen Lieben", sagt Obermaier heute.

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Auf Weltreise: Wie so viele Hippies der Sechziger und Siebziger zog es das Paar nach Fernost, dann auch nach Nord- und Mittelamerika. Kiezgröße Bockhorn hatte Kleinbusse luxuriös zu Wohnmobilen umgestaltet. Darin reisten und wohnten die beiden - bis Bockhorn Silvester 1983 auf seinem Motorrad tödlich verunglückte.

Foto: face to face
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Zudem ist sie Autorin von drei Büchern. Auf diesem Bild von 2013 präsentierte sie bei der Frankfurter Buchmesse ihre Autobiografie "Expect nothing! Die Geschichte einer ungezähmten Frau". Sie lebt zwar in den USA recht zurückgezogen in den Bergen nahe Los Angeles, gab aber dennoch immer wieder recht freimütig Auskunft über ihr Leben und ihre Ansichten.

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Ziemlich beste Feinde: Die Ex-Kommunarden Rainer Langhans und Uschi Obermaier posieren 2007 in der TV-Sendung "Beckmann". Hier sieht es nach Eintracht aus, sonst wussten sie übereinander durchaus Giftiges zu sagen - zum Beispiel darüber, wer von beiden denn nun wirklich verklemmt war (Langhans: "Sexgöttin? Pustekuchen!"). Der ewige Hippie pflegt eigenwillige esoterische Neigungen und lebt mit fünf Frauen in einer Münchner Gemeinschaft, die er "Harem" nennt; 2011 nahm er gar am RTL-"Dschungelcamp" teil. Dazu äußerte Obermaier sich drastisch: "Er ist eine traurige, erbärmliche Witzfigur. Jetzt legt er sich mit Kakerlaken in einen Sarg und spielt tot. Ich kann gar nicht so viel essen, wie ich kotzen muss."

Foto: Morris Mac Matzen/ dpa
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"Das wilde Leben" heißt ein Spielfilm von 2007, der sich eng an der Biografie von Obermaier (gespielt von Natalia Avelon) orientiert. Regisseur Achim Bornhak war davon völlig fasziniert: "Sie war in der Kommune 1, aber keine Intellektuelle. Sie ist mit den Stones getourt, war aber kein Groupie. Sie nahm Drogen, war aber kein Junkie. Ich habe noch nie einen Menschen getroffen, der allen Schubladen, in die man ihn steckte, so leicht entkam."

Foto: A3322 dpa-Film Warner Bros./ dpa
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Seniorin mit Hund: Ihr Lebenspartner heißt heute Lulla, "ein Mix aus Schäferhund und Husky", adoptiert aus dem Tierheim. Tierschutz ist ihr wichtig, die "ganzen alten Geschichten" sind es nicht mehr: "Es ist mir zu langweilig, das Gleiche wiederzukäuen. Sex, Drugs and Rock'n'Roll war ein Teil, aber das ist nun Vergangenheit. Jetzt bin ich woanders und sehr happy mit meinem Leben."

Foto: Uschi Obermaier/ dpa
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Was, schon 70? Man sieht's Uschi Obermaier nicht an. Sie lebt recht gesund, hat das Rauchen schon vor einigen Jahren aufgegeben - bis auf gelegentliche Joints ("macht immer noch Spaß"). Ihr Aussehen führt sie auf "gute Gene" zurück. Obermaier räumt aber auch ein: "Ab und zu haben die Ärzte mit der Nadel nachgeholfen."

Foto: Uschi Obermaier/ dpa