Geheime Zensur Filme, die der Bundesregierung nicht genehm waren

Und eine Zensur fand doch statt. 1954 verbot ein "Interministerieller Filmausschuss" in der Bundesrepublik Wolfgang Staudtes "Der Untertan". Jahrelang verweigerte der ominöse Ausschuss politisch unliebsamen Filmen aus dem Ostblock die Einfuhrgenehmigung.
1 / 20

"Betrogen bis zum jüngsten Tag": Kurt Jung-Alsens Antikriegsfilm aus dem Jahr 1957 erzählt die Geschichte von drei deutschen Soldaten, die 1941 unmittelbar vor dem Überfall auf die Sowjetunion versehentlich die Tochter eines deutschen Hauptmanns erschießen. Hinterher werden russischen Partisanen für die Tat verantwortlich gemacht und zur Vergeltung wahllos litauische Frauen erschossen. Die Defa-Produktion war 1957 von der DDR für den Wettbewerb des Internationalen Festivals in Cannes eingereicht worden - dort aber auf Betreiben der Bundesrepublik nur außerhalb des offiziellen Programms zu sehen. Der Interministerielle Filmausschuss untersagte ...

Foto: DEFA-Stiftung/ Progress Film-Verleih/ Max Tesch
2 / 20

... im selben Jahr die gewerbliche Nutzung in der Bundesrepublik. Der Film, so die Begründung, sei dazu geeignet und "offenbar auch dazu bestimmt, die Grundlagen des Staates in Zweifel zu stellen und zu erschüttern."

Als DVD bei ICESTORM erhältlich 

Foto: DEFA-Stiftung/ Progress Film-Verleih/ Max Tesch
3 / 20

"Ludwig van Beethoven": Bei der Sichtung von Max Jaaps Defa-Dokumentarfilm von 1954 zog der Interministerielle Filmausschuss 1957 eigens einen Musikwissenschaftler hinzu, um hinterher unterstützt von der Einschätzung des Sachverständigen zu einem ablehnenden Urteil zu kommen. Dem Film wurde die Importgenehmigung verweigert, da Beethoven, der immerhin "eine Persönlichkeit von nationaler Bedeutung" sei, darin in tendenziöser Weise "zum Vorkämpfer der kommunistischen Revolution gestempelt" werde.

Als DVD bei ICESTORM erhältlich 

Foto: DEFA-Stiftung/ Progress Film-Verleih
4 / 20

"Das tapfere Schneiderlein": Das von Helmut Spieß inszenierte Grimm'sche Märchen war dem Interministeriellen Filmausschuss aufgrund seiner propagandistisch veränderten Handlung suspekt. In der Defa-Verfilmung von 1956 wird der König ...

Foto: DEFA-Stiftung
5 / 20

... am Ende vom Volk verjagt, das Schneiderlein besteigt den Thron und heiratet eine Magd. Das "Neue Deutschland" tönte stolz, der Film beweise, "die Märchenbrüder Grimm waren geschulte Marxisten". Für die Bundesrepublik Grund genug, dem Streifen 1957 die Einfuhr zu verweigern. Nach erneuter Sichtung wurde das Verbot 1958 aufgehoben.

Foto: DEFA-Stiftung
6 / 20

"Der Untertan": Wolfgang Staudtes Heinrich-Mann-Verfilmung von 1951 durfte in der Bundesrepublik zunächst nicht gezeigt werden. Erst im Dezember 1955 ...

7 / 20

... bewilligte der Interministerielle Filmausschuss Vorführungen in studentischen Filmclubs. In einer stark gekürzten Fassung wurde der international preisgekrönte Spielfilm im November 1956 dann auch für den regulären Kinobetrieb freigegeben. Gerüchteweise ...

Foto: DEFA-Stiftung
8 / 20

... störten sich die Ausschussmitglieder daran, dass der Film Parallelen zwischen der Vergangenheit und der bundesrepublikanischen Gegenwart zog. Eine Einschätzung, die anfangs auch der SPIEGEL geteilt hatte. Im Dezember 1951 hieß es dort: "Der 'Untertan' ist ein Paradebeispiel ostzonaler Filmpolitik: Man lässt einen politischen Kindskopf wie den verwirrten Pazifisten Staudte einen scheinbar unpolitischen Film drehen, der aber geeignet ist, in der westlichen Welt Stimmung gegen Deutschland und damit gegen die Aufrüstung der Bundesrepublik zu machen."

Foto: DEFA-Stiftung
9 / 20

"Der stille Don": Grundsätzlich argwöhnisch begutachtet wurden sowjetische Filmproduktionen wie Sergei Gerassimows Dreiteiler von 1958. Der zweite und dritte Teil der Verfilmung von Michail Scholochows 1965 mit dem Nobelpreis ausgezeichneten Roman wurden vom Interministeriellen Filmausschuss verboten.

Foto: DEFA-Stiftung
10 / 20

"Ernst Thälmann": Die von Kurt Maetzig inszenierte zweiteilige Filmbiografie über den ehemaligen KPD-Vorsitzenden, der 1944 von den Nazis im KZ Buchenwald ermordet wurde, entstand unter strenger Aufsicht und Zensur der SED. Die beiden Teile "Ernst Thälmann – Sohn seiner Klasse" (1954) und "Ernst Thälmann – Führer seiner Klasse" (1955) zählen rückblickend zu den bedeutendsten Propagandafilmen der DDR. Kein Wunder also, dass der Interministerielle Filmausschuss ihre Einführung in die BRD verbot.

Foto: DEFA-Stiftung
11 / 20

"Franz Schubert - Ein Leben in zwei Sätzen": Die Musikerbiografie des österreichischen Regisseurs Walter Kolm-Veltée aus dem Jahre 1953 wurde 1954 vom Interministeriellen Filmausschuss verboten. Es waren aber wohl weniger inhaltliche Vorbehalte, die zum Importverbot führten, als der Vorwurf, der im sowjetisch besetzten Wien entstandene Film sei von der Produktionsfirma "Beta-Film" mit Hilfe von Krediten der sowjetischen Militärbank Wien finanziert worden.

Foto: DEFA-Stiftung
12 / 20

"Alexander Newski": Sergej Eisenstein erzählt in dem im 13. Jahrhundert angesiedelten Historienfilm aus dem Jahre 1938 vom Kampf des russischen Fürsten Newski gegen deutsche Ordensritter, die in ihrer äußeren Erscheinung und mit ihrem brutalen Auftreten offenbar mit den deutschen Nationalsozialisten assoziiert werden sollten. Nach dem Hitler-Stalin-Pakt von 1939 verschwand der Film ...

Foto: DEFA-Stiftung
13 / 20

... vorübergehend aus den sowjetischen Kinos. In der Bundesrepublik wurde dem vom Interministeriellen Ausschuss als "deutschfeindlich" bewerteten Werk 1963 die reguläre Kinofreigabe verweigert. Für halböffentliche Vorführungen wurde eine drastisch gekürzte Fassung freigegeben, in denen die deutschen Gräueltaten nicht zu sehen sind, sodass die Truppen Newskis scheinbar grundlos den Deutschen Orden attackieren.

Foto: DEFA-Stiftung
14 / 20

"Corinna Schmidt": Arthur Pohl macht in seiner Verfilmung von Fontanes "Frau Jenny Treibel" die Professorentochter "Corinna Schmidt" (DDR, 1951) zur Titelfigur. Anders als bei Fontane entscheidet sich Corinna bei Pohl aus freien Stücken für ihren Vetter Marcel, der in der Defa-Verfilmung zudem ein leidenschaftlicher Sozialdemokrat ist. Die Mitglieder des Interministeriellen Filmausschusses sahen darin "umstürzlerische kommunistische Gedanken fördernde Tendenzen" und ließen den Film nicht zur "gewerblichen Auswertung" in der Bundesrepublik zu.

Foto: DEFA-Stiftung
15 / 20

"Genesung": Konrad Wolfs zweiter Spielfilm "Genesung" (1956) handelt von Friedel Walter, einem Arzt im Nachkriegsostdeutschland, der ohne abgeschlossenes Medizinstudium unter falschem Namen, aber mit den besten Absichten praktiziert. Als er auffliegt, wird er vom Ratsvorsitzenden, dem Genossen Mehlin, auf Bewährung freigesprochen, weil Walter dem ehemaligen KZ-Flüchtling einst das Leben rettete. Die Mitglieder des Interministeriellen Filmausschusses sahen in der Defa-Produktion eine "Verherrlichung des Kommunismus" und verhängten 1957 ein Importverbot.

Foto: DEFA-Stiftung
16 / 20

"Das höhere Prinzip": Das Anfang 1963 vom Interministeriellen Filmausschuss verhängte Import- und Aufführungsverbot von Jiri Krejciks "Das höhere Prinzip" (Tschechoslowakei 1960) stieß in der bundesdeutschen Öffentlichkeit auf teilweise erheblichen Widerstand. Die liberalen Medien kritisierten das Verbot, das die "demokratischen Ideen des Grundgesetzes" verhöhne (Reinhold E. Thiel), Studenten protestierten, und ...

Foto: DEFA-Stiftung
17 / 20

... die "Humanistische Union" erwog sogar eine Verfassungsklage, zu der es letztlich nicht kam, weil der Film, der von den SS-Vergeltungsmaßnahmen nach dem Attentat auf Gestapo-Chef Reinhard Heydrich 1942 handelt, nach einer weiteren Sichtung schließlich doch freigegeben wurde.

Foto: DEFA-Stiftung
18 / 20

"Berlin - Ecke Schönhauser": Bei Gerhard Kleins "Berlin – Ecke Schönhauser" (1957) hätte die DDR-Zensur dem Ausschuss beinahe die Arbeit abgenommen. Der nach einem Drehbuch von Wolfgang Kohlhaase inszenierte Spielfilm über jugendliche Herumlungerer in Ostberlin stand kurz vor einem Verbot. Die Hauptverwaltung Film fürchtete, ...

Foto: DEFA-Stiftung/ Progress Film-Verleih/ Siegmar Holstein, Hannes Schneider
19 / 20

... der Streifen könne "den Feinden unserer Republik in ihrer Hetze (…) helfen". Eine unbegründete Angst, wie sich herausstellte. Der Interministerielle Filmausschuss nämlich verweigerte 1958 die Einfuhr in die Bundesrepublik, weil er sich an der negativen Darstellung des Westens, insbesondere der Flüchtlingslager, störte. Doch auch in einer geschnittenen Fassung ohne Notaufnahmelager erhielt der Film keine Freigabe. Obwohl Justiz- und Wirtschaftsministerium keine rechtlichen Gründe für ein Verbot sahen, beharrte das Innenministerium bei einer weiteren Sichtung 1959 darauf, der Film neige dazu, "die freiheitlich demokratische Ordnung herabzusetzen und die totalitäre sowjetzonale zu verherrlichen". 1995 kamen Filmjournalisten zu einem anderen Urteil und wählten "Berlin – Ecke Schönhauser" zu einem der 100 wichtigsten deutschen Filme.

Als DVD bei ICESTORM erhältlich 

Foto: DEFA-Stiftung/ Progress Film-Verleih/ Siegmar Holstein, Hannes Schneider
20 / 20

"Du und mancher Kamerad": Andrew und Annelie Thorndike montierten in dem Defa-Dokumentarfilm von 1956 zeitgeschichtliches Filmmaterial aus 40 Jahren deutscher Geschichte. Vom Ersten Weltkrieg bis hin zum zeitgenössischen Alltag in Ost- und Westdeutschland. Der Film war 1960 bereits im gedruckten Programm der Mannheimer Kultur- und Dokumentarfilmwoche aufgeführt, als der Mannheimer Oberbürgermeister Hans Reschke auf Betreiben des Interministeriellen Filmausschusses die Vorführung kurzfristig untersagte.

Foto: DEFA-Stiftung
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.