Verbotene Schnappschüsse Heimlich im Hitlerbunker

Für diese Bilder riskierte Robert Conrad seine Freiheit: Als 1987 bei Abrissarbeiten in Ost-Berlin die NS-Bunkerruinen wieder zugänglich wurden, stieg er als Bauarbeiter verkleidet hinab. 30-mal zog er illegal in die Unterwelt - auf einestages zeigt er erstmals die Aufnahmen, die damals entstanden.
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Zeitreise: An die 30-mal war Robert Conrad 1987/1988 heimlich und illegal in den Bunkerruinen des "Dritten Reichs", die durch Bauarbeiten ab 1986 freigelegt worden waren. Erstmals seit Jahrzehnten waren die Bunkerreste damit wieder zugänglich - wenn auch nicht offiziell.

"Dort unten den Hall der eigenen Schritte zu hören, Dinge aus einem völlig fernen Kapitel der Geschichte zu entdecken - es war dieses Gefühl, eine Zeitreise zu machen, das mich so fasziniert hat", sagt der Fotograf. Diese Aufnahme entstand 1987 im Luftschutzkeller der ehemaligen Neuen Reichskanzlei an der Voßstraße.

Foto: Robert Conrad/Lumabytes
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Untergegangen: Reste der Haustechnik im ehemaligen Bunker der Neuen Reichskanzlei. Von den Wänden fallen die Fliesen ab, Aufnahme von 1987.

Die Fotos wurden von Robert Conrad zur Verfügung gestellt. Weitere Bilder von ihm sind auf der Website der Agentur Lumabytes und auf seiner Homepage zu sehen.

Foto: Robert Conrad/Lumabytes
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Unter Wasser: Luftschutzräume der ehemaligen Neuen Reichskanzlei an der Voßstraße. An den Wänden sind bräunliche Sedimente zu sehen, an denen sich die verschieden hohen Stände des Grundwassers ablesen lassen. Links im Vordergrund liegt ein umgestürzter Stahlschrank.

Foto: Robert Conrad/Lumabytes
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Selbstporträt: Robert Conrad während der Abrissarbeiten im Spätsommer 1988 vor dem "Führerbunker".

Verkleidet als Bauarbeiter hatte er sich etliche Male auf das Gelände der Ost-Berliner Großbaustelle geschlichen und heimlich die Relikte aus dem "Dritten Reich" fotografiert. Für diese Aufnahme hatte er seinen Bauarbeiterhelm abgesetzt, der Teil seiner Tarnung war. Insgesamt fünfmal wurde der falsche Bauarbeiter erwischt. Die Polizei beschlagnahmte ein Dutzend seiner Filme, ansonsten blieb die Aktion folgenlos.

Foto: Robert Conrad/Lumabytes
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Vorbereitung des Abrisses: Freigegrabener Bunker der ehemaligen Neuen Reichskanzlei an der Berliner Voßstraße. Hitler hatte 1938 Albert Speer mit dem Bau der Neuen Reichskanzlei beauftragt, weil die Alte Reichskanzlei zu klein geworden war. Im Vordergrund liegen Relikte der Haustechnik aus dem Bunkerinneren. Aufnahme von 1988.

Foto: Robert Conrad/Lumabytes
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Schutzraum mit Tresoren in der ehemaligen Bunkeranlage der Neuen Reichskanzlei, aufgenommen 1988.

Foto: Robert Conrad/Lumabytes
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Überraschende Begegnung: Die Aufnahme von 1988 zeigt Luftschutzräume der Neuen Reichskanzlei an der Berliner Voßstraße, die damals nach und nach abgetragen werden sollten. Hier traf der Fotograf einmal einen Maler, der dort vermutlich ebenfalls ohne Genehmigung der DDR unterwegs war.

"Unglaublich, aber der saß dort seelenruhig mit einer Grubenlampe und zeichnete die düstere Szenerie an einer kleinen Staffelei", erinnert sich Conrad. Bis heute weiß er nicht, was genau der Mann dort gemacht hat. "Wir haben miteinander geredet, aber das Misstrauen war zu groß. Er hat sich nicht getraut, mich zu fragen, warum ich hier bin - und ich mich umgekehrt auch nicht."

Foto: Robert Conrad/Lumabytes
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Verrostet: Stahlschränke im ehemaligen Bunker der Neuen Reichskanzlei, aufgenommen 1987.

Foto: Robert Conrad/Lumabytes
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Kurz vor dem Verschwinden: Ehemaliger Bunker der Neuen Reichskanzlei, fotografiert von Robert Conrad, der sich als Bauarbeiter verkleidet in den einstigen Luftschutzkeller geschlichen hatte.

"Ich bin nicht als Reliquienjäger oder aus heimlicher Bewunderung für das NS-Regime zu den Bunkern gegangen", stellt der Greifswalder klar. Ihn hätten schon immer Gebäude interessiert, die kurz vor dem endgültigen Verschwinden stehen. Heute dokumentiert der Architekturfotograf verwaiste Kasernen, stillgelegte Industrieanlagen oder marode Plattenbauten vor dem Abriss.

Foto: Robert Conrad/Lumabytes
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Ende eines Betonsargs: Inneres des vom Grundwasser überfluteten "Führerbunkers", den der Fotograf Robert Conrad während der Abrissarbeiten im September 1988 illegal besichtigte. Links ist der Durchgang zum Treppenhaus zu sehen, das den erst 1944 fertig gestellten Hauptbereich mit dem älteren Teil des Bunkers aus den Dreißigerjahren verbindet. Rechts liegen Trümmer der bereits abgetragenen Bunkerbereiche.

Foto: Robert Conrad/Lumabytes
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Bombensicher: Blick nach Norden auf den bereits zur Hälfte abgerissenen Haupttrakt des "Führerbunkers" im September 1988. Zu erkennen ist die massive, etwa vier Meter dicke Betondecke. Der letzte Zufluchtsort der NS-Führung lag einst etwa acht Meter unter der Erde.

Foto: Robert Conrad/Lumabytes
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Ehemalige Propagandazentrale: Blick von der Otto-Grotewohl-Straße (Wilhelmstraße) zu jenen Gebäudeteilen des früheren NS-Reichspropagandaministeriums, die die Zerstörungen des Zweiten Weltkriegs überstanden hatten. Goebbels zog sich mit seiner Familie in den letzten Kriegswochen in den benachbarten "Führerbunker" zurück. Dort begingen er und seine Frau, die zuvor noch ihre sechs Kinder mit Zyankali vergiftete oder vergiften ließ, Selbstmord. Rechts im Vordergrund: Fundamentgrube zur Errichtung neuer Plattenbauten.

Foto: Robert Conrad/Lumabytes
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Relikte: Die Aufnahme zeigt eine Schraubenmutter aus Messing, Projektile, nummerierte Keramikschalter und drei Firmenschilder von Panzerschränken, aufgenommen im Winter 1987/88. Robert Conrad hat sie bei einen seiner Besuche in den einstigen NS-Bunkern mitgenommen und in seiner Wohnung fotografiert.

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Unter Strom: Reste der Hauselektrik in dem Bunker der Neuen Reichskanzlei. Aus Angst, erwischt zu werden, fotografierte Robert Conrad damals hektisch drauflos. "Meine größte Angst war, dass mir ein Fluchtversuch unterstellt werden würde", erinnert er sich. Kein abwegiger Gedanke: Schließlich lag das Areal in direkter Grenznähe zu West-Berlin. "Teile des Bunkerlabyrinths verliefen unter der Mauer entlang."

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Heimlich in der NS-Bunkerwelt: Zwischen 1987 und 1988 stieg der Greifswalder Robert Conrad Dutzende Male als Bauarbeiter verkleidet in die ehemaligen Bunkeranlagen des Dritten Reichs. Hier fotografierte er Reste der Lüftungstechnik über einer Tür mit der Firmenaufschrift "Dräger" in dem ehemaligen Luftschutzkeller der Neuen Reichskanzlei.

Die DDR hatte 1986 beschlossen, auf dem Gelände an der Ecke Otto-Grotewohl-Straße und Voßstraße eine neue Wohnsiedlung zu errichten. Doch dazu musste erst Beton aus dunkler Vergangenheit weichen: Unter dem Bauareal befanden sich neben dem "Führerbunker" noch Reste der Luftschutzkeller der Neuen Reichskanzlei und des Auswärtigen Amts.

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Überbleibsel der Haustechnik: In der Bunkeranlage auf dem Gelände des früheren Auswärtigen Amts sind noch Teile der Lüftungsanlage und eines elektrischen Schaltkastens zu erkennen, Aufnahme von 1988.

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Sprengung: Explosionswolke über dem während der Bauarbeiten freigelegten Betonkubus des ehemaligen "Führerbunkers", Aufnahme von 1988. Die Straße war während der Sprengung durch Posten der Volkspolizei gesperrt.

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Tabuthema: "Von den Nazi-Bunkern stand in der DDR natürlich nichts in den Zeitungen", erinnert sich der Fotograf Robert Conrad. "Offiziell wurde einfach nur ein neues Wohnviertel errichtet." Diese Aufnahme aus dem Spätsommer 1988 zeigt die östliche Außenwand des "Führerbunkers" - links die Bunkerdecke mit dem bereits freigelegten Bewehrungsstahl.

Foto: Robert Conrad/Lumabytes
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Aufgetaucht und abgerissen: Als die DDR 1987 begann, über dem ehemaligen Garten der Alten Reichskanzlei eine Plattenbausiedlung zu bauen, legte sie die jahrzehntelang unter der Erde verschwundenen NS-Bunkerruinen frei.

Das Foto zeigt den älteren Teil des "Führerbunkers", den sogenannten Vorbunker von 1935, der im Frühjahr/Frühsommer 1988 endgültig abgerissen wurde. Der Eingang ist schon vom Schutt versperrt.

Foto: Robert Conrad/Lumabytes
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Ost-Berliner Großbaustelle: 1986 plante die DDR auf dem Gelände des ehemaligen NS-Regierungsviertels den Bau einer Wohnsiedlung. Dabei wurden Bunkerruinen aus dem "Dritten Reich" freilgelegt - und anschließend zertrümmert.

Der Fotograf Robert Conrad machte diese Aufnahme im Winter 1988 vom Rohbau eines der neu errichteten Plattenbauten aus. Im Hintergrund ist die ehemalige Otto-Grotewohl-Straße mit der tschechoslowakischen Botschaft zu sehen, rechts die Voßstraße. Im Vordergrund werden bereits die Fundamente für einen weiteren Wohnblock in Plattenbauweise gegraben. Die Bunker der ehemaligen Neuen Reichskanzlei sind schon vollständig abgetragen worden.

Foto: Robert Conrad/Lumabytes
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Schacht zur Unterwelt: Die Aufnahme der Otto-Grotewohl-Straße (Wilhelmstraße), Ecke ehemalige Ministergärten in Richtung Norden, zeigt den Abriss des "Führerbunkers". Im Vordergrund ist der Treppenschacht des westlichen Bunkerausgangs zu sehen.

Foto: Robert Conrad/Lumabytes
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Reste des Regierungsviertels: Freigelegte Bunkeranlage auf dem Gelände des früheren Auswärtigen Amts, Blick nach Osten zur Otto-Grotewohl-Straße, der heutigen Wilhelmstraße.

Rechts im Hintergrund ist das frühere NS-Reichspropagandaministerium zu sehen. Das Gebäude ganz links, Wilhelmstraße N54, wurde unter anderem von Außenminister Ribbentrop und dem Chef der Parteikanzlei, Martin Bormann, benutzt. Nach dem Krieg wurde das schwer beschädigte Haus restauriert; 1970 zog dort der Staatsverlag der DDR ein.

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Wettlauf gegen die Zeit: Die neue Reichskanzlei während des Abrisses.

Von 1987 bis Ende 1988 besuchte Robert Conrad immer wieder die Großbaustelle beim ehemaligen Regierungsviertel. Schon immer hatten Conrad Gebäude fasziniert, die bald endgültig verschwinden würden - so hatte er schon zuvor überall in der DDR jahrhundertealte Fachwerkhäuser fotografiert, die die DDR in den Achtzigerjahren systematisch abreißen ließ, um sie durch moderne Plattenbauten zu ersetzen.

Foto: Robert Conrad/Lumabytes
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Bunker der Neuen Reichskanzlei: Der Schutzraum, in dem an der Decke nur noch die Überreste der Beleuchtung zu erkennen sind, gehört zum Luftschutzkeller der Neuen Reichskanzlei in der Nähe der Berliner Voßstraße, Aufnahme von 1988.

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Schuttwüste: Gebäude der früheren Reichsbahndirektion am Rande der Berliner Großbaustelle. Im Vordergrund sind Ruinen der 1988 bereits weitgehend abgerissenen Bunker der Neuen Reichskanzlei zu sehen.

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Nach Jahrzehnten freigegraben: Die Bauarbeiten Ende der Achtzigerjahre brachten längst vergessene Bunkerruinen aus der NS-Zeit wieder ans Licht - wie hier im Vordergrund freigelegte Luftschutzkeller der ehemaligen Neuen Reichskanzlei. Links im Hintergrund die Voßstraße mit Bauten der früheren Generaldirektion der Reichsbahn, dahinter ganz links der ehemalige Preußische Landtag an der Leipziger Straße.

Foto: Robert Conrad/Lumabytes
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Abrissarbeiten: Blick nach Norden auf den noch weitgehend unzerstörten "Führerbunker", Aufnahme etwa vom Frühjahr 1988. Rechts und in der Bildmitte ist der ältere Vorbunker - ab 1935 errichtet - zu sehen. Links ist der von den Bauarbeiten erst teilweise freigelegte Hauptbunker von 1942 zu erkennen. Im Hintergrund liegen Bauarbeiterunterkünfte direkt an der Berliner Mauer und das Reichstagsgebäude, hinter dem Kran das Brandenburger Tor.

Foto: Robert Conrad/Lumabytes
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Langlebig: Mit Kränen wird der Schutt der bereits teilweise abgerissenen Decke des einstigen "Führerbunkers" abgetragen, Aufnahme von 1988.

Bereits 1947 hatten sowjetische Soldaten versucht, Hitlers berüchtigsten Bunker zu sprengen, waren dabei aber nur mäßig erfolgreich: Zwar konnten sie die Belüftungstürme der Anlage zerstören und auch die mächtige Bunkerdecke verrutschte durch die Wucht der Explosion um 40 Zentimeter. Doch der Rest hielt.

Zwölf Jahre später folgten weitere Sprengungen, danach ließ die DDR die Ruine zuschütten und Erde auf das Gelände kippen. Erst während der Bauarbeiten Ende der Achtzigerjahre wurde die Bunkerdecke endgültig abgetragen; die Reste des "Führerbunkers" - Bodenplatte und Außenwände - wurden mit Sand und Kies verfüllt. Heute befindet sich über dem Areal ein Parkplatz.

Foto: Robert Conrad/Lumabytes
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Rund um die Uhr: Aufnahme von 1987. Abriss des älteren Teils (sogenannter Vorbunker aus dem Jahre 1935) des "Führerbunkers". Zu erkennen ist die im Vergleich zum Hauptbunker deutlich dünnere Betondecke. Auf dem Bunker stehen zwei Scheinwerfer, welche darauf hindeuten, dass die Abrissarbeiten auch nachts fortgeführt wurden.

Foto: Robert Conrad/Lumabytes
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Bunkereingang auf dem Gelände des ehemaligen Auswärtigen Amtes im einstigen NS-Regierunsgviertel an der Berliner Wilhelmstraße.

Foto: Robert Conrad/Lumabytes