Verfolgte chinesische Schriftsteller Zehn Jahre Haft für eine Fabel

Eingesperrt, überwacht und am Reisen gehindert: Schon ein einziger literarischer Text kann genügen, um in China für Jahre hinter Gittern zu verschwinden. SPIEGEL ONLINE zeigt sechs Autoren aus China, die keine Chance hatten, an der Frankfurter Buchmesse teilzunehmen.
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Liu Xiaobo, Präsident des unabhängigen Pen-Klubs in China. Er ist Philosoph, Literaturexperte und Poet.
Der Bürgerrechtler arbeitete in den achtziger Jahren an der amerikanischen Columbia-Universität und kehrte während der Studentenunruhen im Frühjahr 1989 nach Peking zurück, wo er auf dem Tiananmen-Platz aktiv war.
Nach dem Blutbad am 4. Juni 1989 saß er insgesamt über vier Jahre im Gefängnis, unter Hausarrest und in einem Arbeitslager. Im Dezember 2008 wurde er erneut inhaftiert. Seither wartet er auf einen Prozess wegen "Verdachts auf Anstiftung zur Untergrabung der Staatsgewalt". Er zählt zu den Mitautoren der mittlerweile von mehreren Hundert Menschen unterschriebenen Charta 08, die mehr Freiheiten und politische Reformen in China fordert.

Foto: ? Will Burgess / Reuters/ REUTERS
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Hu Jia ist Essayist und Bürgerrechtler. Er hat über Buddhismus und politische Reformen geschrieben. Im Dezember 2007 wurde der Aktivist, der chinesische und internationale Medien immer wieder über das Schicksal anderer Bürgerrechtler informiert hatte, festgenommen.
Im April 2008 verurteilte ihn ein Pekinger Gericht wegen "Aufstachelung zur Untergrabung der Staatsmacht" zu dreieinhalb Jahren Haft. Er sitzt in einem Pekinger Gefängnis. Angehörige und Freunde beklagen, dass er nicht ausreichend medizinisch versorgt wird.

Foto: Ng Han Guan/ AP
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Shi Tao ist Poet und Journalist, der mehrere Gedichtbände veröffentlicht hat. Er informierte 2004 per E-Mail eine ausländische Nicht-Regierungsorganisation über die Anweisungen der Propagandaabteilung, wie Zeitungen über den 15. Jahrestag des Tiananmen-Massakers am 4. Juni 1989 berichten sollten.
Yahoo Hongkong half den chinesischen Fahndern, ihn als Absender zu identifizieren. Er wurde 2008 zu zehn Jahren Haft wegen "illegalen Verbreitens von Staatsgeheimnissen im Ausland" verurteilt. Er sitzt in einem Gefängnis in der Provinz Hunan.

Foto: AP / CPJ
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Tsering Woeser, tibetische Poetin. Sie ist eine der wenigen tibetischen Autoren, die Chinesisch schreibt. Ihr zweites Buch, eine Sammlung von Kurzerzählungen und Prosa, wurde 2003 "wegen ernsthafter politischer Fehler" von der Zensur verboten. Ein Jahr später musste sie die tibetische Kulturvereinigung in Lhasa verlassen.
Nach den Unruhen in Tibet im März 2008 saß sie für kurze Zeit im Hausarrest. Die Behörden verweigern ihr bislang einen Reisepass. Telefon und Email werden überwacht, ihre Webseite woeser.middle-way.net wurde von Hackern angegriffen, sie ist nun öfter blockiert.

Foto: Ng Han Guan/ ASSOCIATED PRESS
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Nurmuhemmet Yasin, uigurischer Poet und Journalist. Nachdem er 2004 sein Gedicht "Wilde Taube" veröffentlicht hatte, wurde er verhaftet. Es ist die Fabel vom Sohn eines Taubenkönigs, der von den Menschen gefangen wird, als er eine neue Heimat für seinen Schwarm finden will. Für die Behörden reichte dies, ihn wegen "Anstachelung zum Spaltertum" zu zehn Jahren Gefängnis zu verurteilen.
Er sitzt seither im Gefängnis Nr. 1 in Urumqi und darf keine Besucher empfangen.

Foto: Human Rights in China
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Liao Yiwu, Autor und Musiker. Er saß mehrere Jahre im Gefängnis, unter anderem wegen des Gedichtes "Massaker", das er nach der Niederschlagung der Demokratiebewegung 1989 schrieb. Die chinesische Ausgabe seines Buches "Fräulein Hallo und der Bauernkaiser", das mitunter drastische Interviews mit Angehörigen gesellschaftlicher Randgruppen wie Prostituierten, Klomännern und Straßenmusikern enthält, wurde sofort nach Erscheinen verboten.
Chinas Staatssicherheitsdienst erklärte ihm jüngst, er werde keinen Pass für die Reise nach Frankfurt erhalten.

Foto: Eugene Hoshiko/ ASSOCIATED PRESS
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