Das Geheimnis der Nachtigallenschlucht Vergessener Schatz

Geheimprojekt der Nazis, Bunker der NVA, Friedhof für eine Währung: Südlich von Halberstadt befindet sich ein riesiges Untertage-Labyrinth mit einer bewegten Geschichte. Dennoch geriet die Anlage lange in Vergessenheit - bis plötzlich Tausende muffig riechende Ostmark-Scheine auftauchten.
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"Nachtigallenschlucht": So hieß umgangssprachlich der Eingang für Personen und die Zufahrt für Kraftfahrzeuge in das "Komplexlager 12" der DDR. Dieses Lager in den Thekenbergen bei Halberstadt war die flächenmäßig größte unterirdische Anlage der DDR. Sie ging auf die NS-Zeit zurück: Ab April 1944 mussten Häftlinge des KZ Langenstein-Zwieberge unter mörderischen Bedingungen ein kilometerlanges Stollensystem in die Berge treiben; unter dem Decknamen "Malachit" sollten hier Triebwerksteile für die Firma Junkers produziert werden.

Foto: Thomas Kemnitz
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Weg in die Untertagewelt: Äußeres Stahltor der kombinierten Eisenbahn- und Kfz-Zufahrt des "Komplexlagers 12". Die Fotos wurden von www.lumabytes.com zur Verfügung gestellt.

Foto: Thomas Kemnitz
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Ehemaliger Eisenbahnstollen: Vom weit entfernten Tageslicht beleuchteter Eisenbahnstollen. Unter dem Tarnnamen "Malachit" mussten Tausende KZ-Häftlinge ab Frühjahr 1944 die unterirdischen Tunnel vorantreiben. Für die Sprengungen gab es keine Schutzvorrichtungen, mindestens 1900 Arbeiter starben bis April 1945 unter den harten Arbeitsbedingungen.

Foto: Thomas Kemnitz
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Sprengnische: Lichtinszenierung in einem Bereich des ehemaligen "Malachit"-Stollensystems. Der Mediendesigner Thomas Kemnitz hat die Anlage 2003 professionell fotografiert; heute sind die Stollen geschlossen und nicht mehr zu besichtigen.

Foto: Thomas Kemnitz
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Kleinstadt unter der Erde: Die Aufnahme zeigt einen Querstollen in Halberstadt. Manche der Stollen waren so gut ausgebaut und lang, dass dort theoretisch ein Auto auf 120 Stundenkilometer beschleunigen könnte. Schon zur NS-Zeit waren etwa 13 Kilometer Stollen gebaut worden; die Anlage hatte eine Größe von etwa 57.000 Quadratmeter.

Foto: Thomas Kemnitz
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Stollenverzweigung: Nach gescheiterten Sprengversuchen durch die sowjetischen Truppen 1945 galt die "Malachit"-Anlage der Nationalsozialisten offiziell als zerstört; ein Mythos, der während des Kalten Krieges bewusst verbreitet wurde. In Wirklichkeit wurden Teile der NS-Anlage von der DDR ausgebaut, restauriert und als geheime Bunkeranlage genutzt. Allerdings wurden, wie das Foto zeigt, längst nicht alle Stollen benutzt.

Foto: Thomas Kemnitz
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Vernichtung durch Arbeit: "Es war die Hölle", berichtet Zeitzeuge Arno Lustiger über die Arbeitsbedingungen während der NS-Zeit. Selbst als längst klar war, dass der Krieg verloren war und in "Malachit" nie Flugzeugteile produziert werden würden, mussten die KZ-Häftlinge in Zwölf-Stunden-Schichten weiterschuften und wurden bewusst unterernährt - es war die NS-Politik der Vernichtung durch Arbeit. Lustiger überlebte mit viel Glück und wurde nach 1945 ein renommierter Historiker.

Foto: Thomas Kemnitz
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Doppeltes Drucktor: Das Foto zeigt den Übergang zum Unterkunfts- und Hilfsbereich des NVA-"Komplexlagers 12".

Foto: Thomas Kemnitz
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Lager im Kalten Krieg: Zu DDR-Zeiten wurden Teile der ehemaligen NS-Anlage modernisiert und für den Kriegsfall gerüstet - das Bild zeigt eine große Verladerampe. Rund 9000 Tonnen Munition, Bekleidung und Ausrüstung lagerten hier zeitweise.

Foto: Thomas Kemnitz
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Größter NVA-Bunker: In einem Stollen parallel zur Verladerampe liegt der Bereitstellungsraum. Insgesamt war das "Komplexlager 12" die größte unterirdische Anlage der DDR.

Foto: Thomas Kemnitz
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Großlager: Ein Gittertor vor dem großen Lagerstollen. Im Zentrum des NVA-Komplexes bei Halberstadt befand sich ein eigenständiges Schutzbauwerk mit Unterkunfts- und Technikbereich, ein "Bunker im Bunker", der einen autonomen Betrieb gewährleisten sollte.

Foto: Thomas Kemnitz
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Wechselnde Besitzer: Im Kriegsfall hätte der riesige unterirdische NVA-Bunker auch als Lazarett genutzt werden können. Das Foto zeigt einen Querstollen im Lagerbereich. Nach der friedlichen Wende 1989 ging das militärische Gelände in Besitz der Bundeswehr über und wurde 1995 an einen Privatunternehmer verkauft.

Foto: Thomas Kemnitz
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Sicherheitsbereich: Das Foto zeigt einen Zugang mit Kleiderhaken und Halterung für Überwachungskameras im "Komplexlager 12".

Foto: Thomas Kemnitz
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Gerüstet für den Ernstfall: Für den Fall, dass aus dem Kalten Krieg ein heißer werden würde, war der NVA-Bunker auch mit Dekontaminationsduschen zur Reinigung von Schutzkleidung ausgestattet worden. Die Duschen lagen im Schleusenbereich zu dem Unterkunftstrakt.

Foto: Thomas Kemnitz
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Frisch gefliest: Das Bild zeigt den Waschraum im "Komplexlager 12", der allerdings nach 1990 während der Nutzung durch die Bundeswehr modernisiert worden war.

Foto: Thomas Kemnitz
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Sicheres Trinkwasser: Ein Stollen mit einer Filteranlage im "Komplexlager 12". Ab 1980 modernisierte die DDR die alten NS-Stollen. Zuvor hatte es auch bizarre Gedankenspiele gegeben - etwa die Idee, die Tunnel als gigantisches Kühllager zu nutzen.

Foto: Thomas Kemnitz
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Kommandozentrale: Auf dem Foto von 2003 wirkt diese Einsatzzentrale noch ziemlich neu und unverbraucht.

Foto: Thomas Kemnitz
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Verwaltung unter der Erde: Aufnahme in einem Bürostollen im Unterkunftstrakt des "Komplexlagers 12".

Foto: Thomas Kemnitz
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Geldgrab: Lüftungsanlage im NVA-Bunker. Als nach der Wende 1990 die alten DDR-Banknoten über Nacht wertlos geworden waren, ließ die DDR-Spitze sie in zwei Stollen bei Halberstadt einmauern. Einbrechern gelang es jedoch Jahre später, durch die Lüftungsschächte in das verlassene Labyrinth einzudringen und das geheime Geldversteck aufzuspüren.

Digitale 234-Grad-Panoramaaufnahme

Foto: Thomas Kemnitz
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Wasserwerk: Das "Komplexlager 12" hatte sogar ein eigenes Wasserwerk unter Tage.

Digitale 284-Grad-Panoramaaufnahme

Foto: Thomas Kemnitz
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Verpflegungslager: Das Verpflegungslager im Unterkunfts- und Hilfsbereich des Komplexlagers 12.

Digitale 264-Grad-Panoramaaufnahme

Foto: Thomas Kemnitz
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Küche: Viele der von der DDR genutzten unterirdischen Bunkeranlagen wirken auch noch Jahre später, als ob die Zeit stehengeblieben sei.

Digitale 160-Grad-Panoramaaufnahme

Foto: Thomas Kemnitz
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Labyrinth: Der Schleusenbereich in der unterirdischen Militäranlage bei Halberstadt. Die Bundeswehr nutzte den Komplex nach dem Ende der DDR bis Dezember 1993 als Luftwaffen-Materialdepot 52.

Digitale 246-Grad-Panoramaaufnahme

Foto: Thomas Kemnitz
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Wechselhafte Geschichte: Nach 1990 dienten zwei Stollen als eine Art Endlager für die DDR-Währung, die dort verrotten sollte. Von 2003 bis 2005 wurde versucht, die jetzt in Privatbesitz befindliche Anlage touristisch zu nutzen. Es gab sogar Pläne, eine große Bunkerdisco zu eröffnen, die jedoch scheiterten. 2006 machte der ehemalige NVA-Bunker wieder Schlagzeilen - mehr als 5000 Tonnen Müll waren dort illegal entsorgt worden.

Digitale 250-Grad-Panoramaaufnahme

Foto: Thomas Kemnitz
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Befreiung: Ein US-Soldat spricht am 19. April 1945 mit einem unterernährten Häftling des KZ Langenstein-Zwieberge, eines Außenlagers von Buchenwald. Die meisten Internierten hier mussten für das Geheimprojekt "Malachit" unter Tage schuften. Am 11. April wurde das Lager von der US-Armee befreit; allerdings waren Tausende Gefangene noch kurz zuvor auf einen Todesmarsch geschickt worden - 2500 Menschen überlebten ihn nicht.

Foto: AP
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Hartnäckige Ostmark: Nach der Währungsumstellung wurden 620 Millionen wertloser DDR-Geldscheine in einem nicht mehr benutzten Stollen bei Halberstadt gelagert - eigentlich sollte sie dort verrotten. Doch die alte Ostmark entpuppte sich als langlebiger als gedacht und fand zudem Liebhaber. Nach Einbrüchen in den Stollen kursierten die Scheine unter Sammlern.

Foto: AP
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Ungewöhnlicher Job: Monatelang benötigte die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) im Jahr 2002, um das alte Geld der DDR zu vernichten.

Foto: AP
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Vernichten durch Vergammeln: Die DDR-Staatsbank wollte nach der Währungsunion 1990 ihr gesamtes Papiergeld auf eine unorthodoxe Weise entsorgen - durch langsames Vergammeln. In zwei Stollen bei Halberstadt wurde das Geld mit einem Gesamtgewicht von 3000 Tonnen eingelagert, mit Kies und Sand versetzt und dann zugemauert. Doch in den Stollen war es zu kühl; die Scheine verrotteten nicht. 2001 brachen Diebe in das Geheimversteck ein und stahlen Tausende Banknoten.

Foto: AP
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Fast druckfrisch: Ein Arbeiter zeigt im Juni 2002 in dem unterirdischem Stollen bei Halberstadt einen 200- und einen 500-Mark-Schein des alten DDR-Geldes. Diese Scheine waren bei Sammlern besonders beliebt, weil sie von der DDR gedruckt, aber nie in Umlauf gebracht worden waren. Der Arbeiter durfte das Geld aber nicht behalten, die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW), Rechtsnachfolger der DDR-Staatsbank, ließ die alten Banknoten im Sommer 2002 vernichten.

Foto: dpa
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Kraftwerk Buschaus: Qualm steigt am 19. Juni 2002 aus dem Schornstein im Kraftwerk Buschaus bei Helmstedt, Niedersachsen. Die rund 620 Millionen Geldscheine aus den Stollen bei Halberstadt wurde damals hier verbrannt - vermischt mit profanem Hausmüll wie Joghurtbecher, Zahnpastatuben oder Pet-Flaschen.

Foto: dpa
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