Vietnamkrieg Bomben zu Weihnachten

Mitten im Vietnamkrieg kam Joan Baez 1972 nach Hanoi. Während draußen Bomben fielen, klampfte sie in einem Luftschutzraum zu Mutmacher-Liedern. Heute ist der Hotelbunker wieder zugänglich, auch Baez kehrte zurück.
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Joan Baez, Sängerin und Friedensaktivistin, protestierte 1972 in Hanoi gegen den Kriegseinsatz der USA in Vietnam. Das Foto zeigt sie am 1. Januar 1973 kurz nach ihrer Rückkehr in die USA mit dem Pfarrer Michael Allen, der ebenfalls in Vietnam war. Beim "Christmas Bombing" fand Baez Schutz im Bunker unter einem Hotel - und spielte dort Friedenslieder, während draußen die Bomben fielen.

Foto: Bettmann/ Bettmann Archive
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Hanoi-Jane: Sex-Symbol, Schauspielerin, Aktivistin - für Vietnamkriegs-Veteranen war Jane Fonda schlichtweg die Verräterin "Hanoi-Jane", nachdem sie im Juli 1972 in Hanoi auf einer nordvietnamesischen Flak für Fotos posiert hatte. Bei ihrem Hanoi-Besuch erlebte Fonda Bombardements der US Air Force im Schutzbunker des Metropole Hotels. Ihre kritische Haltung zum Vietnamkrieg behielt sie, für die Flak-Fotos hingegen entschuldigte sie sich später bei Veteranen. 1978 spielte sie im Anti-Kriegsfilm "Coming Home - Sie kehren heim".

Foto: NIHON DENPA NEWS/ AP
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Einmannbunker: Ein Soldat der nordvietnamesischen Armee hat sich im Einmannbunker mit konventionellem Gewehr verschanzt. Im Vietnamkrieg hatten die meisten Straßen in Hanoi Gehwege mit mannsgroßen Einstiegslöchern. Die winzigen Einmannbunker mit kanaldeckelgroßem Verschluss sollten wenigstens ein Mindestmaß an Schutz vor den massiven Angriffen der amerikanischen B-52-Bomber bieten.

Foto: ASSOCIATED PRESS
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Bunkerprominenz: Hotelgäste suchen 1967 Schutz im Bunker des Thong Nhat. Das Hotel hieß lange und heißt heute wieder Metropole; Kommunisten hatten es nach dem Sieg gegen die Franzosen umbenannt. Während des Vietnamkriegs beherbergte das Hotel vor allem Diplomaten und Auslandskorrespondenten. In den Siebzigerjahren befanden sich vorübergehend sogar die deutsche und australische Botschaft im Hotel. Neben Joan Baez und Jane Fonda fand auch die frühere philippinische Schönheitskönigin Gemma Cruz Araneta bei ihrem Besuch 1968 in Hanoi Schutz im Hotelbunker.

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Wiederentdeckt: Handwerker steigen in den vom Grundwasser gefluteten Luftschutzbunker drei Meter unter der Poolbar des Metropole Hotels in Hanoi. Der nach dem Vietnamkrieg versiegelte Bunker wurde im August 2011 bei Renovierungsarbeiten wiederentdeckt. An seine genaue Position konnte sich niemand mehr erinnern.

Foto: Na Son Nguyen/ AP
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Frischluft: Ein Handwerker überprüft eine Bunkersektion, in der sich Überreste eines Belüftungssystems befinden. Der knapp 40 Quadratmeter große Bunker war unterteilt in insgesamt acht Räume. Die vielen Trennwände sollten der mächtigen Betondecke zusätzliche Stabilität verleihen.

Foto: Na Son Nguyen/ AP
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Betonbunker: Knapp drei Meter tief unter der Erde sind Handwerker des Hotels auf den Luftschutzbunker gestoßen. Die fast 30 Zentimeter dicke Betondecke des Schutzraumes ist zusätzlich verstärkt mit Eisenträgern.

Foto: Na Son Nguyen/ AP
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Bunker-Tour: Über eine Treppe neben der Poolbar gelangen Hotelgäste heute in den 2011 wiederentdeckten Luftschutzbunker. Der Bunker ist das Highlight einer geführten Geschichts-Tour über den "Path of History".

Foto: HOANG DINH NAM/ AFP/Getty Images
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Sound der "Christmas Bombings": Eine Hotelangestellte präsentiert den Bunker. In einem der acht Räume wird den Gästen im Rahmen der Führung der Joan-Baez-Song "Where Are You Now, My Son" vorgespielt. Das Stück enthält Tonband-Mitschnitte von Baez' Aufenthalt im Bunker während der Bombardements im Dezember 1972.

Foto: AFP
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Bunkerbesichtigung: Der Bunker ist nur etwa 1,80 Meter hoch. Bei der Besichtigung müssen die Teilnehmer zum Schutz einen Helm tragen. Im Bunker gab es kein fließendes Wasser. Bei der Wiederentdeckung 2011 fanden Arbeiter auch eine alte Flasche mit australischem Wein.

Foto: HOANG DINH NAM/ AFP/Getty Images
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Wiedereröffnung: Seit Mai 2012 ist der Luftschutzbunker für Hotelbesucher zugänglich. Hier inspiziert Andreas Augustin die Räume. Über die bewegte Geschichte des Hotels hat der Historiker ein Buch geschrieben.

Foto: © Nguyen Huy Kham / Reuters/ REUTERS
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Einmannbunker befanden sich auch im Gehweg unmittelbar vor dem Metropole Hotel. Wo Graham Greene Anfang der Fünfzigerjahre noch auf der Hotelveranda seinen trockenen Martini serviert bekam und an seinem Roman "The Quiet American" schrieb, kauerten bei Luftangriffen immer wieder Menschen mit Todesangst in mannsgroßen Unterschlüpfen. Als Korrespondent für Paris Match checkte Greene 1951 zum ersten Mal im "Metropole" ein. Heute ist eine Suite im Hotel nach ihm benannt.

Foto: imago
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Kolonialer Chic: Während der französischen Kolonialherrschaft ließen Unternehmer aus Frankreich 1901 das Metropole Luxushotel in Hanoi erbauen. Schnell wurde das Hotel zum Treffpunkt der kolonialen Gesellschaft Indochinas.

Foto: Sofitel
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Gentlemen zu Gast: Somerset Maugham checkte 1923 im Hotel ein, um seinen Roman "The Gentleman in the Parlour" fertigzustellen. Charlie Chaplin verbrachte seine Flitterwochen dort, nachdem er Paulette Goddard 1936 in Shanghai zur Frau genommen hatte.

Foto: Sofitel
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Luftangriff auf Hanoi: Ein Kind versteckt sich in einem Splitterloch bei einem Luftangriff auf Hanoi 1967. Die schwersten Bombardements erlebte die nordvietnamesische Hauptstadt im Dezember 1972, als die US-Armee die "Operation Linebacker II" startete. Die schwersten Luftangriffe seit dem Zweiten Weltkrieg gingen als "Christmas Bombing" in die Geschichte ein.

Foto: ullstein bild
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Unterirdisches Planungsbüro: Vietnamesische Schulkinder steigen über Treppen neun Meter in den Bunker D67 hinab, der seit 2004 für Besucher geöffnet ist. Das unterirdische Bunkernetzwerk entstand 1967 unter Überresten des Kính-Thiên-Tempels, im Zentrum der kaiserlichen Zitadelle von Hanoi. General Vo Nguyen Giap nutzte den Untergrundkomplex als strategisches Planungsbüro, um die Tet-Offensive 1968 und später die Einnahme der südvietnamesischen Hauptstadt Saigon vorzubereiten.

Foto: RICHARD VOGEL/ AP
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Sängerin Joan Baez, längst ergraut (hier auf einer Aufnahme von 2011), kehrte über 40 Jahre später erstmals nach Hanoi zurück. Sie besuchte auch den Bunker, der ihr einst Schutz bot, und sang dort "Oh, Freedom".

Foto: Taylor Hill/ Getty Images