Volkswagen-Historie Vom KdF-Wagen zum Weltkonzern

Volkswagen gilt als Wegbereiter der Massenautomobilisierung. Mit Modellen wie dem Käfer und dem Golf prägt das Unternehmen seit Jahrzehnten das Bild auf den Straßen. Auf den KdF-Wagen geht sogar die Gründung einer Stadt zurück.
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Die Idee Volkswagen: Der Reichsverband der Deutschen Automobilindustrie beauftragte den Ingenieur Ferdinand Porsche am 22. Juni 1934 mit der Konstruktion eines Volkswagens. Porsche präsentierte im Juli 1935 einen ersten Prototypen in Holz-Blech-Bauweise. Am 26. Mai 1938 wurde der Grundstein zum Volkswagenwerk in der Stadt des KdF-Wagen gelegt (Foto) - in der Nähe der Ortschaft Fallersleben. Den Namen Wolfsburg erhielt dieses künstliche Gebilde erst nach dem Zweiten Weltkrieg.

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Schwimmwagen für die Wehrmacht: Bereits zwei Tage nach dem Überfall der deutschen Wehrmacht auf Polen wurde das Volkswagenwerk von ziviler Automobil- auf Rüstungsproduktion umgestellt; schon im Januar 1938 hatte Porsche den Auftrag erhalten, eine militärtaugliche Version des Volkswagens zu entwickeln. Es begann die Konstruktion des Typ 128, aus dem ab 1942 der kleine Schwimmwagen (Typ 166) hervorging. Bis Kriegsende wurden von diesem Modell 14.276 Einheiten gebaut.

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Major Ivan Hirst: Das Volkswagenwerk sollte nach Kriegsende zunächst demontiert werden. Der von der britischen Militärregierung zum leitenden Werksoffizier benannte Major Ivan Hirst jedoch sorgte für einen Auftrag der Militärregierung an das Werk über den Bau von 20.000 Volkswagen, weil es der Besatzungsmacht an Fahrzeugen mangelte. Er forcierte den Ausbau der Produktionsanlagen, die Demontage wurde mehrfach verschoben und schließlich ganz aufgegeben. Auf Hirsts Empfehlung hin wurde am 1. Januar 1948 Heinrich Nordhoff zum Generaldirektor des Volkswagenwerks ernannt. Die offizielle Übergabe der Treuhänderschaft des Volkswagenwerks an die Bundesergierung erfolgte am 8. Oktober 1949.

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VW-Logo: Am 1. Oktober 1948 wurde das Volkswagen-Markenzeichen beim Deutschen Patentamt in München angemeldet. Bis heute steht das Logo in nur leicht veränderter Form für die Marke und den Konzern. Im Bild das VW-Emblem im Kühlergrill eines VW Golf GTI.

Foto: David Zalubowski/ AP
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Das Auto zum Wirtschaftswunder: Der VW Käfer, entwickelt und konstruiert in den Dreißigerjahren, war ein wesentlicher Träger der Massenmobilisierung in den Nachkriegsjahren. Immer wieder wurde das Auto verbessert, ab 1952 etwa waren der zweite und vierte Gang des Getriebes synchronisiert, ab 1954 leistete der luftgekühlte Boxermotor 30 PS, 1950 gab es eine Exportversion mit 34 PS und Vollsynchrongetriebe. 1978 wurde die Käfer-Produktion in Deutschland eingestellt, 2003 lief, nach mehr als 21,5 Millionen Exemplaren, das allerletzte Exemplar in Mexiko vom Band.

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Die erste Million: Am 5. August 1955 wurde in Wolfsburg der 1.000.000. VW Käfer gebaut. Das Wirtschaftswunder in Nachkriegsdeutschland hatte Fahrt aufgenommen - und der Käfer war das automobile Symbol dieser Zeit. Das Jubiläumsauto war übrigens goldfarben lackiert.

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Der Typ 2 aus Wolfsburg: So einfach war das damals bei VW. Typ 1, das war natürlich der Käfer; und als ab 1950 ein VW-Transporter oder kurz der Bulli gebaut wurde, da hieß der Wagen intern schlicht Typ 2. Das Auto entwickelte sich zum deutschen Kleinbus schlechthin und wird derzeit in der fünften Generation hergestellt, weshalb Kenner das aktuelle Modell auch kurz und bündig T5 nennen.

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Deutsch-italienische Freundschaft: Die Form stammte von Luigi Segre von der Turiner Karosseriefirma Ghia, Wilhelm Karmann ließ den Wagen in seinem Werk in Osnabrück bauen, und VW-Chef Heinrich Nordhoff gab seinen Segen und steuerte die Technik des VW Käfers bei. So entstand einer der Traumwagen der Fünfziger- und Sechzigerjahre, der Karmann Ghia. Bis 1974 wurde rund eine halbe Million Exemplare - als Coupé und Cabrio - gefertigt.

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Keim des Konzerns: Mit Beginn des Jahres 1965 geht die Daimler-Benz-Tochterfirma Auto Union GmbH mit Sitz in Ingolstadt in den Besitz der Volkswagenwerk AG über. VW erweitert durch die Übernahme schlagartig seine Produktpalette und verschafft sich Zugriff auf neue Technologien. Die Auto Union bleibt ein selbstständiges Tochterunternehmen - der Grundstein zum heutigen Markenverbund des VW-Konzerns ist damit gelegt.

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Rettung mit Ecken und Kanten: Die Käfer-Monokultur hatte VW an den Rand des Ruins gebracht. Doch die Wolfsburger befreiten sich 1974 aus der Misere durch ein - für ihre Verhältnisse - revolutionäres Auto. Der VW Golf trug den Motor vorn, die Vorderräder wurden angetrieben, und das kantig-klare, von Giorgetto Giugiaro gestaltete Design markierte endgültig den Abschied von den weichen Rundungen des Käfers. Der VW Golf geriet zum Welterfolg; bis heute wurden mehr als 26 Millionen Exemplare gebaut.

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Die Stadt zum Auto: Im Jahr 2000 eröffnete VW direkt neben dem Werk in Wolfsburg die Autostadt. Das rund 40 Hektar große Areal umfasst zwei gläserne Türme, in denen Neuwagen bis zur Abholung aufbewahrt werden, ein Luxushotel, Pavillions für die Marken des Konzerns und ein Veranstaltungsforum. VW investierte circa 850 Millionen Mark in den Bau des Kunden- und Erlebniscenters.

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Sparmobil ohne Zukunft: Zu seiner letzten Hauptversammlung als Vorstandschef fuhr Ferdinand Piëch im Frühjahr 2002 im sogenannten Ein-Liter-Auto von Wolfsburg nach Hamburg. Der Zweisitzer mit Karbon-Karosserie verbrauchte auf dieser Fahrt angeblich lediglich 0,89 Liter je 100 Kilometer. Angetrieben wurde das Auto von einem Einzylinder-Dieselmotor mit 0,3 Liter Hubraum und 8,5 PS. Der cW-Wert des Leichtbaumodells liegt bei 0,159. Pläne zur Serienentwicklung des Wagens wurden 2005 gestoppt.

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Das Oberklasseprojekt: Mit der Limousine Phaeton startete VW im Frühsommer 2002 den Versuch, sich auch als Hersteller von Oberklassenfahrzeugen zu etablieren. Für die Fertigung des Modells wurde in Dresden die sogenannte Gläserne Manufaktur errichtet. Der Erfolg des Wagens hält sich jedoch bislang in überschaubaren Grenzen: 2008 wurden in Deutschland lediglich 2957 Modelle neu zugelassen.

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Der Patriarch im Hintergrund: Ohne ihn läuft nichts bei Volkswagen. Ferdinand Piëch gehört zu den einflussreichsten Männern beim Wolfsburger Autobauer. Von 1993 bis 2002 war er Vorstandschef bei VW, seither ist er Chef des Aufsichtsrats. Piëch, der zum "Automobilmanager des 20. Jahrhunderts" gewählt wurde, ist Gesellschafter der Porsche Automobil Holding SE, die Anfang 2009 bekannt gab, die Mehrheit an VW zu halten.

Foto: Krafft Angerer/ Getty Images
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Endlich ein Sieg: Seit 2004 trat VW bei der Marathonrallye Dakar an, doch trotz eines gigantischen Aufwands ließ der Erfolg mehrere Jahre auf sich warten. 2009 dann, bei der Dakar-Premiere in Südamerika, setzte sich das VW-Team durch. Giniel de Villiers und Dirk von Zitzewitz gewannen auf Race Touareg, auch auf Platz zwei fuhr ein VW ins Ziel. Mit dem VW-Rennauto gewann erstmals ein Dieselfahrzeug das seit 1979 ausgetragene, prestigeträchtige Marathonrennen.

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Die Zukunft des Volkswagens: VW will sich in den nächsten Jahren auch wieder auf die Basis-Automobilität besinnen. 2007 präsentierte das Unternehmen auf der IAA in Frankfurt am Main die Kleinwagenstudie Up mit Heckmotor und Touchscreen-Bedienung. Kurz darauf erweiterte VW die Studie mit dem Konzeptauto Space up (Foto) zur sogenannten New Small Family. Die Fahrzeuge sollen voraussichtlich ab 2011 in Serie gehen - allerdings mit konventionellem Frontmotor-Layout.