Westpakete "Geschenksendung - keine Handelsware"

Für viele war es ein Familienritual und ist ein Stück deutsch-deutsche Geschichte: In 40 Jahren DDR passierten Hunderte Millionen Geschenksendungen die Grenze von West nach Ost - mit Parfüm und Pralinen, Kaffee und Feinstrumpfhosen.
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Päckchen nach drüben: Auch im Postamt Braunschweig gab es, wie hier am 14. Dezember 1978, viel zu tun, um die Flut von täglich rund 200.000 Weihnachtspaketen für die DDR zu bewältigen. In 40 Jahren gingen Hunderte Millionen Einfuhrsendungen über die Grenze, ein Stück deutsch-deutsche Geschichte.

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Das Packen der Geschenksendungen war für die Bundesbürger eine fast schon feierlich zelebrierte Aktion, eine Tradition für Familien mit Verwandtschaft im politisch so fernen, geographisch so nahen Osten (Foto von 1963). Oft versandten sie Waren, die sie sich selber im westlichen Alltag gar nicht leisteten, ob Röstkaffee oder Pralinen, ob Südfrüchte-Konserven oder Feinstrumpfhosen - und möglichst Markenware.

Foto: H. Schmidt-Luchs/ ullstein bild
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Nach dem Mauerbau 1961 passierten jedes Jahr etwa 25 Millionen Pakete und Päckchen die innerdeutsche Grenze. Der Gesamtwert der Einfuhrsendungen von West nach Ost belief sich bereits 1978 auf 3,7 Prozent des Einzelhandelsumsatzes der DDR und wuchs bis 1988 auf 4,3 Prozent an.

Foto: TopFoto/ ullstein bild
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Schenken macht glücklich und sorgt für ein gutes Gewissen: Westbürger sollten ihre Brüder und Schwestern im Osten mit teuren Produkten versorgen - darauf legte es die DDR mit dem Genex-Versandkatalog an. Über den 1956 als Staatsbetrieb gegründeten Versandhandel fanden auch Farbfernseher, Kühlschränke, Rasenmäher, Computer ihren Weg in den Osten. Die wirtschaftliche marode DDR wollten damit ihre Devisenprobleme mildern.

Foto: imago images
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Titelseite des Genex-Katalogs von 1986: Der Staatsbetrieb erwirtschaftete traumhafte Gewinnmargen, etwa mit viel teurer als im Osten verkauften Wartburgs und Trabis, die dafür aber zügig schon nach Wochen statt erst nach langen Jahren des Wartens geliefert wurden. Dieses Geschäftsmodell spaltete zugleich die DDR-Gesellschaft weiter - wer keine kaufwütige West-Verwandtschaft hatte, fühlte sich abgehängt.

Foto: wikimedia commons
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Serviervorschlag: Wer selber nicht wusste, was in so ein "Päckchen nach drüben" hineingehört, dem half Genex mit bunt dekorierten Katalogseiten. In der DDR kursierten Witze wie dieser:
Honecker besucht eine Rentnerin. Zufrieden erzählt sie, wie gut es ihr im Alter gehe: Sie habe ein schönes Haus, einen Farbfernseher, einen Lada. Honecker erwidert geschmeichelt, das habe sie alles seiner unermüdlichen Arbeit zu verdanken. Darauf die alte Dame freundlich: "Schön, Sie endlich kennenzulernen, Herr Genex."

Foto: wikimedia commons
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Der direkte Weg: Bevor "Päckchen nach drüben" auf dem legalen Postweg über die Grenze gingen, konnte kurz nach Beginn des Mauerbaus eine Westberlinerin noch eine Bekannte im Osten mit Nahrungsmitteln versorgen - per Paketwurf über den Grenzzaun.

Foto: DPA/ ullstein bild
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Eine Reihe von Plakaten und Fotos zur Entwicklung des deutsch-deutschen Paketverkehrs wurde im "Tränenpalast" gezeigt, der ehemaligen Ausreisehalle der DDR am Berliner Bahnhof Friedrichstraße.

Foto: imago images
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Schick's doch nach drüben: Manche West-Läden appellierten an das Gewissen ihrer Kunden und dekorierten ihre Schaufenster speziell mit Waren, die es in den Läden der DDR nicht gab (Foto aus West-Berlin, 1963).

Foto: Bernard Larsson/ Kunstbibliothek, SMB/ Bildagentur für Kunst, Kultur und Geschichte
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Beschlagnahmt: Akribisch legte die DDR in vielfach überarbeiteten Verordnungen fest, was aus dem Westen geschickt werden durfte - und was nicht. Die Pakete auf diesem Foto kurz vor Weihnachten 1955 wurden von Behörden gestoppt, weil sie angeblich "von Firmen in die DDR eingeschleust werden sollten", "lediglich spekulativen Zwecken und in anderen Fällen der Agentenwerbung dienen". Am wirtschaftlichen Wert der Geschenksendungen kam die DDR-Staatsführung jedoch nicht vorbei - sie halfen auch dabei, Versorgungsengpässe zu lindern.

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Boom der Weihnachtspakete: Wie hier 1960 im Bahnpostamt Berlin O 17 hatten die Postmitarbeiter im Weihnachtspaketverkehr alle Hände voll zu tun. Mitten im Kalten Krieg erhoben BRD-Merkblätter die "Päckchen nach drüben" zu einer staatsbürgerlichen Pflicht, zu einer "Frage des deutschen Gesamtschicksals".

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Das Ende der Westpakete kam erst mit der Wiedervereinigung. Am 7. Februar 1990 konnten in Potsdam erstmals Journalisten zuschauen, wie im Postzollamt Pakete geröntgt und geöffnet wurden. Mitarbeiter des Zolls und der Post kontrollierten alle Sendungen zum Beispiel auf Drogen, Waffen, Antiquitäten und neofaschistische Literatur.