Widerstand im NS-Regime Mit Postkarten gegen die Todesmaschine

Auf Karten riefen Elise und Otto Hampel zum Sturz der Nazis auf. 1943 wurden sie in Berlin hingerichtet. Ein Roman machte ihr Schicksal weltbekannt - und kommt nun als Neuverfilmung in die Kinos.
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Stille Rebellen: Elise und Otto Hampel heirateten 1935. Erst standen sie auf der Seite Hitlers. Doch als Elises Bruder 1940 an der Westfront fiel, entschloss sich das Ehepaar zum Widerstand gegen die Nazis. Ohne Unterstützung durch andere Hitler-Gegner brachten sie in Berlin mehr als 200 Postkarten und Flugschriften in Umlauf, mit denen sie zum Sturz des Regimes aufriefen. Am Ende fielen die Hampels jedoch einer Denunziantin zum Opfer.

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"Jeder stirbt für sich allein": Die neue Verfilmung von Vincent Pérez (Kinostart am 17. November 2016) basiert auf dem Roman von Hans Fallada. Das Berliner Arbeiterehepaar spielen Emma Thompson und Brendan Gleeson. Wie im Buch tragen die beiden auch im Film die Namen "Anna Quangel" und "Otto Quangel".

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Protest gegen den Krieg: Von einem persönlichen Schicksalsschlag getroffen, stellten sich die Hampels vehement gegen Hitlers Eroberungspolitik. Der "Schurke Hitler" schicke "Väter und Söhne ins ewige Massengrab", heißt es auf einer der Postkarten, die das Ehepaar im Wedding und anderen Berliner Bezirken in Briefkästen oder Treppenhäuser warf.

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"Roter Wedding": In dem Berliner Arbeiterbezirk fanden Sozialdemokraten und Kommunisten nach dem Ersten Weltkrieg viele Unterstützer. Nach der Machtergreifung durch die Nazis wurden häufig Leute festgenommen, die auf der Straße "Rotfront!" riefen oder linke Schriften verbreiteten. Elise und Otto Hampel waren dagegen nie Mitglieder der SPD oder KPD.

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Aufstand von unten: Die Postkarten des Ehepaars Hampel strotzten nur so vor Rechtschreib- und Grammatikfehlern. Kein Wunder, denn Otto und Elise waren nicht lange zur Schule gegangen. Ihre Wut gegen Hitler war jedoch so groß, dass sie weder Mühen noch Risiken scheuten, um ihre in ungelenker Blockschrift abgefassten Botschaften in Umlauf zu bringen.

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Verhaftet: Am 27. September 1942 wurden Elise und Otto Hampel bei einer ihrer Aktionen beobachtet und wenig später gefasst. Die Augenzeugin hatte sie bei der Gestapo denunziert. Wie eine ehemalige Nachbarin Mitte der Achtzigerjahre dem Fallada-Forscher Manfred Kuhnke sagte, wurde Frau Hampel in ihrem Wohnhaus in der Amsterdamer Straße 10 festgenommen. Ihr Mann wurde von seiner Arbeitsstelle bei Siemens in Reinickendorf abgeholt.

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Todesurteil: Gegen beide Eheleute verhängte der "Volksgerichtshof " am 22. Januar 1943 wegen "Vorbereitung zum Hochverrat" und "Zersetzung der Wehrkraft" die Höchststrafe. Ihre Gnadengesuche wurden abgewiesen. Auch Familienmitglieder, die sich demonstrativ zum Nationalsozialismus bekannten, konnten sie nicht mehr retten. Das Bild zeigt eine Zelle in der Hinrichtungsstätte Berlin-Plötzensee.

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In der letzten Stunde ganz allein: Elise und Otto Hampel starben am 8. April 1943 unter dem Fallbeil in der Strafanstalt Plötzensee. Otto hatte die Taten in seinem Gnadengesuch eingestanden. Mit einem Todesurteil rechnete das Ehepaar offensichtlich nicht. Um ihr eigenes Leben zu retten, versuchten sich Elise und Otto zum Schluss gegenseitig die Schuld zu geben. Auf dem Archivfoto ist der Hinrichtungsraum mit der Guillotine zu sehen.

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Ein Roman machte sie weltbekannt: In seinem Buch "Jeder stirbt für sich allein" griff der Schriftsteller Hans Fallada die Geschichte des Ehepaars Hampel aus dem Wedding auf und fügte fiktive Details hinzu. Aus den Hampels wurden die "Quangels". Das Buch erschien 1947 und wurde später in 30 Sprachen übersetzt.

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Bitteres Familienschicksal: Während Elise Hampel ihren Bruder an der Front verlor, stirbt in Falladas Roman der Sohn des Ehepaars im Krieg. Die Briefträgerin Eva Kluge überbringt den Feldpostbrief mit der Todesnachricht. In Vincent Pérez' Romanverfilmung "Jeder stirbt für sich allein" von 2016 wird die Postbotin von Katrin Pollitt gespielt (auf dem Foto rechts neben Hauptdarstellerin Emma Thompson).

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Gut getarnt: In dieser Szene des Films "Jeder stirbt für sich allein" dreht sich ein Mann nach dem Ehepaar um. Im wahren Leben fielen die Hampels jedoch kaum auf. Da sie keiner Widerstandsorganisation angehörten, kam ihnen die Gestapo erst nach etwa zwei Jahren auf die Schliche. Falladas Roman ist bisher insgesamt fünf Mal verfilmt worden.

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"Weiße Rose": Mit Flugschriften und Parolen an Häuserwänden kämpfte auch diese berühmte Münchner Widerstandsgruppe gegen den Nazi-Terror. Hans Scholl und seine Schwester Sophie wurden am 18. Februar 1943 nach einer Flugblattaktion in der Universität München festgenommen (das Bild zeigt Sophie Scholl mit Werner Scholl, einem weiteren Bruder, im Jahr 1937). Vier Tage später verhängte der berüchtigte Richter Roland Freisler das Todesurteil gegen Hans und Sophie sowie ihren Mitstreiter Christoph Probst. Noch am selben Tag wurden sie enthauptet.

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