Bürgerwille contra Energiewende: Im Aufwind 21.11.2019
 Anja Prehn , 52 Jahre alt, Diplom-Geografin, Gründungsmitglied und 2....
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Anja Prehn, 52 Jahre alt, Diplom-Geografin, Gründungsmitglied und 2. Vorsitzende der "Wählergemeinschaft Bürgerforum Nübbel" in Schleswig-Holstein, der jüngsten und mitgliederstärksten politischen Gruppe, die seit 2018 die Bürgermeisterin stellt.

SPIEGEL: Warum sollen ausgerechnet bei Ihnen keine Windräder gebaut werden?
Prehn: In zwei Bürgerentscheiden hat sich eine deutliche Mehrheit der Menschen in Nübbel gegen eine Ausweisung von Windflächen entschieden. Das gilt es zu respektieren. Da unser Dorf bereits heute ein Vielfaches seines eigenen Strombedarfs mit Biogas erzeugt, waren für mich die Gefahr der lokalen Überlastung, eine unzureichende Abwägung mit dem Naturschutz und der zu geringe Abstand einer südlich bzw. in Hauptwindrichtung gelegenen Windfläche ausschlaggebend.
SPIEGEL: Woher soll der Strom dann kommen?
Prehn: Eine echte Energiewende ist mehr als der Austausch eines Energieträgers durch einen anderen. Zu einem konsequenten Weg gehören die Erschließung aller Einsparpotenziale, die rationelle Anwendung von Energie und ein gesunder Mix aus erneuerbaren Energieträgern. Auch die Städte sind hier gefordert. Die umweltfreundlichste kWh Strom ist immer noch die, die gar nicht erst erzeugt wird! Für mich gehört die Stärke der erneuerbaren Energien, ihre Dezentralität, viel stärker berücksichtigt. Wenn eine Millionenstadt wie München CO2-neutral werden möchte, muss sie Maßnahmen vor der eigenen Haustür umsetzen und nicht im fernen Norwegen, wo die Menschen dann zu Recht gegen die Zerstörung ihrer Natur auf die Straße gehen und gegen einen "neuen Kolonialismus" demonstrieren.
SPIEGEL: Glauben Sie an den menschengemachten Klimawandel?
Prehn: Alle Parameter zusammen deuten auf einen menschlichen Einfluss auf das globale Klima. Dieser Überzeugung der meisten Klimaforscher schließe ich mich uneingeschränkt an.