Bürgerwille contra Energiewende: Im Aufwind 21.11.2019
 Heinz Josef Prehler ist Vorsitzender von "Gegenwind Bad Orb e.V." SPIEGEL:...
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Heinz Josef Prehler ist Vorsitzender von "Gegenwind Bad Orb e.V."

SPIEGEL: Warum sollen ausgerechnet hier/bei Ihnen keine Windräder gebaut werden?
Prehler: Bad Orb als Gesundheitsstandort lebt von sanftem Tourismus: Wandern, Radfahren, Natur, kein Lärm. Die 250 Meter hohen Windkraftanlagen wirken bedrohlich nahe, bei Nacht blinken sie grellrot. Lärm, Schattenwurf und Infraschall stören Tag und Nacht das menschliche Ruhebedürfnis. Bei uns leben viele geschützte Tierarten, Schwarzstörche, Rotmilane, die Mopsfledermaus, diese kommen in den Gutachten der Windkraft-Investoren viel weniger vor, als sie tatsächlich beobachtet werden.
SPIEGEL: Woher soll der Strom dann kommen?
Prehler: Die Windenergie hat einen sehr niedrigen Energieertrag pro Fläche. Stromspeicher im erforderlichen Umfang werden in den nächsten Jahrzehnten aber nicht zur Verfügung stehen, die Umweltenergien können unseren Strombedarf deshalb nicht decken. Trotzdem sollten wir alle Möglichkeiten der CO2-Reduktion nutzen, ohne unseren Wirtschaftsstandort zu gefährden und beispielsweise hocheffiziente Kohlekraftwerke wie Datteln am Netz lassen. Bei der Kernenergie sollen wir auf Formen setzen, welche weder zur Kernschmelze führen können noch Jahrtausende währende Halbwertzeiten besitzen - ein Beispiel könnte der Dual-Fluid-Reaktor sein.
SPIEGEL: Glauben Sie an den menschengemachten Klimawandel?
Prehler: Es geht um naturwissenschaftliche Erkenntnisse. Glauben, Wutreden und emotionale Ausbrüche helfen nicht weiter. Auch nicht, dass Deutschland mit gutem Beispiel vorangeht. Wir werden im Ausland sowieso verlacht. Eine Ja-Nein-Antwort ist bei der unüberschaubaren Informationsflut nicht aufrichtig. Es handelt sich um ein globales Problem, welches eine globale Antwort erfordert. Hierzu gehören neben CO2-Einsparungen auch Bevölkerungsentwicklung und Bildungsstandard.