Bürgerwille contra Energiewende: Im Aufwind 21.11.2019
 Susanne Kirchhof , Agrarwissenschaftlerin, 1. Vorsitzende des "Landesverbands...
Bernd Wüstneck/ DPA

Susanne Kirchhof, Agrarwissenschaftlerin, 1. Vorsitzende des "Landesverbands der windkraftkritischen Bürgerinitiativen Vernunftkraft. Schleswig-Holstein e. V."

SPIEGEL: Warum sollen ausgerechnet bei Ihnen keine Windräder gebaut werden?
Kirchhof: Wenn 30.000 Windkraftanlagen keinen Klimaschutz geschafft haben, warum sollten es 60.000 schaffen? Schleswig-Holstein ist das Bundesland mit der höchsten Windradbebauung und den dichtesten Abständen zur Wohnbevölkerung. Windkraftanlagen sind Industrieanlagen, die durch ihren Betrieb nicht nur die in den letzten Jahrzehnten hart erkämpften Natur- und Artenschutzstandards in Deutschland zunichtemachen, sondern auch die Anwohner, denen man die Anlagen dicht um die Häuser stellt, nachweislich schädigen.
SPIEGEL: Woher soll der Strom dann kommen?
Kirchhof: Windkraftanlagen erzeugen Strom immer nur dann, wenn Wind weht. Regelmäßig erzeugen Windkraftanlagen auch keinen Strom. Man kann Strom nicht speichern. Also grundsätzliche Gegenfrage: Woher soll der Strom kommen, wenn kein Wind weht und keine Sonne scheint? Vorschlag: Stromerzeugung aus Windkraftanlagen offshore ist mehr als doppelt so effizient wie Windkraft an Land und mit der Nutzung von Solarenergie auch nachweislich deutlich kostengünstiger, wie die letzten bundesweiten Ausschreibungen allesamt gezeigt haben.
SPIEGEL: Glauben Sie an den menschengemachten Klimawandel?
Kirchhof: Naturwissenschaftliche Zusammenhänge sollten grundsätzlich nicht zur Glaubensfrage erklärt werden. Ich denke, dass wir einen Klimawandel erleben, der für uns als Menschheit insgesamt dramatische Folgen haben wird. Ich denke aber auch, dass der Zubau von Windkraftanlagen, so wie er zurzeit betrieben wird, nicht das geeignete Instrument ist, um dem Klimawandel effizient zu begegnen.