Winnetous Tod Ein Schuss, ein Schrei, das war Karl May

"Ich habe Winnetou umgebracht" - nach diesem Film erhielt der Bösewicht nie wieder einen Autogrammwunsch, der Produzent jede Menge Drohungen. Nicht nur Claudia Roth war schockiert.
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Apachen-Dämmerung: Wie kann es nur sein, dass in der erfolgreichsten deutschen Kinofilmreihe der Sechzigerjahre einfach so die Hauptfigur stirbt? Ganz einfach: Weil der Autor es so geschrieben hat - und das schon 72 Jahre vorher. Trotzdem machte der Kinotod von Winnetou im Oktober 1965 halb Deutschland, mindestens, fassungslos. Und der Produzent wurde nach "Winnetou, 3. Teil" mit Drohanrufen und -briefen eingedeckt.

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Zeitreise: Die Sterbeszene wurde im Film melodramatisch ausgewalzt. Old Shatterhand stützt den moribunden Häuptling und erinnert sich: wie Winnetou mit der schönen Ribanna (gespielt von der deutschen Darstellerin Karin Dor) anbandelt...

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...wie Old Shatterhand und Winnetou im Kanu über den See gleiten...

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...und wie Winnetous Schwester Nscho-tschi (gespielt von Marie Versini) in den Armen von Old Shatterhand starb.

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Ende Legende: Heldenhaft hatte der größte aller Häuptlinge sich in die Schussbahn geworfen und so für seinen Blutsbruder geopfert. Und dann musste Winnetous Seele gehen... Selten waren Taschentücher so nützlich wie bei einem Kinobesuch im Oktober 1965. Ab 14. Oktober lief "Winnetou 3. Teil" in den deutschen Kinos - und löste heftige Reaktionen aus.

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Erste Liebe: Claudia Roth war als Fünftklässlerin für Winnetou entflammt - "so galant, so schön". Außerdem: "Er hatte ein Pferd!" An Iltschi, Winnetous Rappen, lag es also schon auch. Bei Roth reichte bereits das Buch für einen veritablen Schock. "Ich wusste ja, dass Nscho-Tschi im ersten Band stirbt. Aber als Winnetou im dritten Band starb, war das richtig schlimm", erinnerte sich die Grünen-Politikerin. "Ich bin regelrecht krank geworden. Ich habe das ganze Bett nass geweint."

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Und wer war schuld? Natürlich Karl May - ein ungemein produktiver Schriftsteller. Allerdings auch mit einer massiven Neigung zur Hochstapelei, zu Betrug und Kleinkriminalität. Das brachte ihn mehrfach ins Zuchthaus. Als der Autor aus dem sächsischen Radebeul all die Abenteuergeschichten schrieb, hatte er noch nie einen Fuß in den Wilden Westen gesetzt und schmückte seine Biografie ebenso fantasievoll aus wie die Romanszenarien. So machte er dem entzückten Publikum bei Auftritten weis, er spreche 40 Sprachen und verstehe noch viel mehr, nämlich "über 1200 Sprachen und Dialekte". Stumpf gelogen. Dem Buchverkauf tat das keinen Abbruch, auf über 200 Millionen Exemplare summieren sich die Auflagen.

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So viel Zeit muss sein: Immer wenns drauf ankommt, gönnen sich die Häuptlinge ein Pfeifchen - ein Ritual, das heute völlig zu Unrecht bei Konflikten missachtet wird. Winnetou verkörpert bei Karl May stets mit viel Pathos den "edlen Wilden", einen Mann von Noblesse, der sich für Frieden und Gerechtigkeit einsetzt - notfalls mit seiner Silberbüchse.

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Am Marterpfahl: So viele Abenteuer haben Old Shatterhand und Winnetou gemeinsam überstanden. Im Film von 1965 nehmen die Jicarilla-Indianer sie gefangen. Zum Glück ist Sam Hawkens zur Stelle und kann sie befreien...

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...muss in einer anderen Szene aber selbst befreit werden. "Wenn ich mich nicht irre, hihihi" ist die ständige Redewendung von Sam Hawkens (gespielt von Ralf Wolter). Hier ist er in "Winnetou 3. Teil" fachgerecht verschnürt und geknebelt, also für einen Moment stumm. Hawkens ist ein freundlicher Trapper und Perückenträger, seit er von Indianern skalpiert wurde, vor allem aber der treue Gefährte von Old Shatterhand und Winnetou. An ihrer Seite ist er auch in der Szene, als das Trio Banditen abzuwehren versucht - und Winnetou von einem tödlichen Schuss erwischt wird.

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Banditenalarm: Im Film säen habgierige Halunken Zwietracht zwischen Indianern und Siedlern. Ihren Attacken können Old Shatterhand und Winnetou zunächst knapp entkommen.

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Der wars: Rik Battaglia spielte den Filmfiesling Rollins, dessen Kugel Winnetou trifft. Auch im richtigen Leben hatte das für den Schauspieler Folgen: "Ich habe Winnetou umgebracht. Danach kam der große Stopp", erzählte er, "niemand hat mir auch nur ein einziges Mal mehr geschrieben. Es kam auch nicht ein einziger Wunsch mehr für ein Foto oder Autogramm."

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Legendäres Filmduo: Die Schauspieler Pierre Brice als Winnetou und Lex Barker als Old Shatterhand prägten die Kinoerinnerungen von Millionen Menschen. Barker war erfahrener Reiter und brachte dem Franzosen den Umgang mit ungesattelten Pferden bei, eine durchaus schmerzhafte Erfahrung: "Ohne Sattel auf dem Pferd zu sitzen, war ungewohnt und hinterließ seine Spuren", so Brice. Aber die Rolle verlangte es so. Bei den Dreharbeiten kamen die beiden gut miteinander zurecht, ganz anders als später...

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...Brice mit Stewart Granger als Old Surehand. Granger fand die deutschen "Sauerkraut-Western" seltsam. Das brachte er beim Dreh auch zum Ausdruck, was ihm Brice nachhaltig verübelte.

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Howgh, ich habe gestochen: Insgesamt elf Spielfilme, hier "Winnetou I" von 1963, absolvierte der französische Schauspieler in der Rolle des Häuptlings der Mescalero-Apachen. Ein Indianer wie aus dem Bilderbuch - und ein Popidol der frühen Bundesrepublik.

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Durch die Prärie: Auch die junge, knitterfreie Uschi Glas durfte als Halbblut Apanatschi 1966 an Winnetous Seite reiten. Die Drehbuchautoren hielten sich nicht immer eng an Karl Mays Romanvorlagen, sondern wichen mitunter deutlich davon ab.

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Wild ist der Westen, schwer ist der Beruf: Mit "Winnetou und Shatterhand im Tal der Toten" endete 1968 die große Ära der Karl-May-Filme - noch einmal eine Topbesetzung mit Barker und Brice, mit Ralf Wolter, Eddi Arent und Karin Dor. Doch die aufwendige Inszeinierung konnte kaum verdecken, dass die Filme ihre besten Jahre schon hinter sich hatten.

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Rolle seines Lebens: Die ganzen Sechzigerjahre über gab allein Pierre Brice den wetterfesten Winnetou, während die anderen Hauptdarsteller wechselten.

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Bigger than life: Diese eine Rolle prägte das Leben von Pierre Brice, bis er im Juni 2015 starb. Dabei war Brice zuvor auch: Elitesoldat, Vietnamkriegsveteran, Verkäufer von Schreibmaschinen und Trockenobst, Model - bis Filmproduzent Horst Wendlandt ihn entdeckte und für "Der Schatz im Silbersee" (1962) engagierte.

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Ewiger Häuptling: Nach einigen Jahren Pause startete Brice ein Comeback als Winnetou, zunächst im sauerländischen Elspe, dann zwischen 1988 und 1991 bei den Karl-May-Festspiele im schleswig-holsteinischen Bad Segeberg. Zur Premiere von "Der Schatz im Silbersee" reisten sogar Indianer aus Nebraska an. Und waren überrascht, dass "ein Weißer so treffend und authentisch ihr kulturelles Erbe verkörperte", erinnert sich Brice, "daher belohnten sie mich in einer Zeremonie, bei der sie mich zum Mitglied ihres Stammes machten und mir den Namen Rainbow-Man verliehen."

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Der ist gar nicht echt: Es musste ja weitergehen, auch ohne Pierre Brice. Die Karl-May-Festspiele sind bis heute ein Sommerereignis in Bad Segeberg, mit wechselnden Schauspielern in der Winnetou-Rolle, hier Gojko Mitic (2006).

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Neuer Anlauf: Seit Mitte August 2015 wird wieder gedreht, teils an den früheren Schauplätzen in Kroatien. RTL will "Winnetou" als Trilogie ins Fernsehen bringen, "Winnetous Tod" heißt der letzte Teil. Wotan Wilke Möhring, sonst bekannt als "Tatort"-Kommissar, gibt Old Shatterhand; an seiner Seite tritt Nik Xhelilaj in die Mokassins von Pierre Brice.

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