"Yps"-Jubiläum "Auf einmal sah der Pilot diese Ufo-Wurst"

Viereckige Eier, Pupskissen und Mars-Spring-Flöhe: 1975 revolutionierte "Yps" den deutschen Comic-Markt mit schrägen Gimmicks. Tüftler und Cheflogistiker Reinhard Haas verrät im einestages-Interview, wie er mexikanische Springbohnen durch den Zoll schleuste - und warum seine Ware einen Flughafen in Alarm versetzte.
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Der Durchbruch: Nach fünf Testausgaben erschien am 13. Oktober 1975 diese erste reguläre Ausgabe des "Yps"-Magazins. Jedem Heft lag ein Gimmick bei - oft ein Spielzeug, aber auch Zaubertricks, Pflanzensamen, Edelsteinpulver oder Urzeitkrebse. Die Gimmicks machten die Hefte schnell zu Verkaufschlagern - und heute zum Kult. Die Beilage der ersten Ausgabe war ein "Schleuder-Katapult" - und die befeuerte die Auflage auf 600.000.

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Hinterhältig: Mit dem "Um-die-Ecke-Blasrohr" dieser Ausgabe konnte Kinder ihre Eltern oder ihre Erzfeinde in der Schule auch hinter dem Rücken erwischen.

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Hopsen, tanzen, kullern: Mit angeblichen "Spring-Flöhen vom Mars" wollte dieses "Yps"-Heft seine jungen Leser begeistern. Vor allem die frühen Ausgaben des Magazins wollten mit einem Schwerpunkt auf naturwissenschaftlichen Themen die Neugierde der jungen Leser wecken.

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Knips-Kiste: "Die Yps-Kamera, die echte Fotos macht", war innerhalb von zehn Minuten zusammenzubauen. Die gemachten Bilder konnten die Kinder bei einem Fotowettbewerb einreichen. Im Digitalzeitalter würde das heute wohl kein Kind mehr vom Hocker hauen.

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Aus Mexiko eingesprungen: "Wie ein Ball" sollten diese "Wunderbohnen" hüpfen - und sie bewegten sich tatsächlich, sobald sie warm wurden. Der Grund waren hitzeempfindliche Larven im Inneren der Bohne. "Yps"-Logistiker Reinhard Haas bereiteten die unruhigen Bohnen jedoch arge Probleme mit deutschen Zöllnern, die nicht wussten, was sie mit den raschelnden Säcken aus Mexiko anfangen sollen.

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Für Hobbydetektive: In Zeiten vor filmenden Handys und Web-Cams bot "Yps" seinen jugendlichen Lesern das "Detektiv-Periskop" an. Das Gimmick hatte ausgezogen eine Länge von 70 Zentimetern.

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Wörterbuch für Geheimagenten: Mit diesem "Pistolen-Buch mit Doppelschuss" konnten die jungen Leser in James-Bond-Manier ihre "Gegner" beeindrucken oder sich in langweiligen Englischstunden die Zeit vertreiben.

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Boot mit Nebeneffekten: Das mit Zitronensäure angetriebene U-Boot war der Liebling vieler Kinder - und der Schreck mancher Eltern. In einem Marmor- oder Natursteinbad konnte die Säure nämlich hässliche Flecken verursachen - das hatten die Entwickler nicht bedacht. Einige empörte Eltern riefen dann auch bei der "Yps"-Redaktion an.

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Klassiker: Progressiv verkündete die "Yps"-Redaktion, mit der "Maschine, die eckige Eier macht" sei nun "Schluss mit den ovalen Eiern" - das Gimmick wurde schnell zum Kult und mehrmals den Ausgaben beigelegt.

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"Für Nächte unter freiem Himmel": Das Abenteuerzelt war nach den Urzeitkrebsen das Gimmick, das die "Yps"-Redaktion am häufigsten beilegte - insgesamt 15 Mal. Es bestand aus einem einfachen Plastikschlauch, der sich mit Hilfe eines selbst gebauten Gestells, beispielsweise aus Zweigen, in ein "Zelt" verwandeln ließ - für einige enttäuschte "Yps"-Fans war es dagegen schlicht eine allzu enge Mülltüte.

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Zauberei aus der Wüste: Auch die "Rose von Jericho" war einer der Verkaufsschlager. Die "vertrocknete Wunderpflanze" aus der Wüste Mexikos blüht unter Zugabe von Wasser wieder auf. Neben den Gimmicks waren die unterschiedlichen Comic-Serien, wie beispielsweise Lucky Luke, in späteren Jahren Garfield oder wie in dieser Ausgabe Asterix, ein Highlight des Magazins.

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Alchemie: "Der Wunder-Staub, aus dem Kristalle wachsen" ist "Yps"-Gimmick Nummer 230 - es folgten über 1000 weitere. Am 10. Oktober 2000 erschien mit Nummer 1253, das "leuchtende Sound-Ufo", das zunächst letzte Heft. Ein erneuter Versuch des Ehapa-Verlags, "Yps" 2005 auf dem Markt erfolgreich zu positionieren, scheiterte nach wenigen Ausgaben.

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Spezialausrüstung: Für die Agentenserie erschien das Gimmick "Die Special-Agenten-Stifte für Geheim-Botschaften". Die Schrift des schwarzen Stiftes verschwand nach wenigen Sekunden. Nur mit Hilfe des roten Stiftes konnte sie wieder sichtbar gemacht werden. Passend zum Agenten-Gimmick bot das Heft seinen Lesern Rätsel-Krimis an.

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Qual der Wahl: Haas und sein Team bekamen im Jahr mehr als 500 Ideen und Prototypen von Tüftlern, Firmen und Erfindern aus der ganzen welt - und aus dem eigenen Verlag. Tagelang testete der Münchner die Gimmicks und traf dann eine Auswahl - etwa nur jeder zehnte Vorschlag schaffte es ins Heft. Die "Geld-Zauber-Maschine" wurde gleich in mehreren Ausgaben verkauft und sollte aus weißem Papier "echte" Zehnmarkscheine machen.

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Bestseller: "Das hat mich selbst überrascht, dass das so ein großer Erfolg wurde", erinnert sich Haas. "Es hatte ja nicht diesen Sensationseffekt wie andere Gimmicks." Schon das erste Heft mit dem Eierbaum verkaufte sich mit 300.000 Exemplaren ziemlich gut. Das Natur-Gimmick, das essbare Früchte und viele Blüten verspricht, wurde in 14 Ausgaben beigelegt.

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Ungewollte PR: Der "Solar-Zeppelin", der durch die von der Sonne erwärmte Luft aufsteigt, löste sogar einen "Ufo"-Alarm aus, als Kinder einige von ihnen am Hamburger Flughafen fliegen ließen. Der Sicherheitsdienst musste ausrücken, um die meterlangen, schwarzen Luftwürste einzufangen. Für "Yps" war der groteske Zwischenfall die beste Werbung.

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Im Suchfieber: Der Edelstein-Sand mit "70 Karat" bestand in Wahrheit aus Edelsteinabfällen aus Brasilien, vermischt mit Quarzsand, den die Kinder dann raussieben konnten. Es ist kein Fall eines Jungmillionärs bekannt geworden.

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Wunder der Natur: Die "Urzeitkrebse" machten "Yps" berühmt und waren das beliebteste Gimmick. Aus Pulver, in ein Marmeladenglas voll Wasser geschüttet, erwuchs plötzlich Leben. Vorbild für die Idee waren die "lebenden See-Äffchen", die es in den USA schon in den sechziger Jahren zu kaufen gab. In Wirklichkeit verbarg sich hinter beiden phantasievollen Namen der Salzkrebs Artemia salina, der maximal einen Zentimeter groß wird. Man hätte ihn auch im Zoofachhandel als Lebendfutter für Fische kaufen können.

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Prrrrrrffffftt!: Der Schreck für jeden Lehrer, der sich unvorsichtig auf einen Stuhl setzte - "Yps" machte das Furzkissen populär. Heute würde wohl kaum ein Kind wegen dieses simplen Gags lauthals losbrüllen.

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High Noon mit der Fliege: Ob es die Insekten wirklich jemals erschreckt hat? Die Munition der kleinen Spielzeugpistole war ein wiederverwendbarer Stempel mit Fliegenklatschenaufsatz.

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"Yps"-Katapult: Arg bespieltes, aber immer noch vorhandenes "Yps"-Katapult.

Foto: Matthias Frank
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