Trabi-Kult Von der Pappe zum Porsche

Stotternder Motor, fehlende Federung und der Spott der Passanten: Früher oder später ist fast jeder Trabi-Fahrer auf ein echtes Auto umgestiegen. Kein Wunder, wenn man die Vorher-Nachher-Fotos sieht.

Mirko Ulber

Ein Porsche ist ein schönes Auto. Ein BMW auch. Ein Trabi... na ja. Experten schätzen, dass seit der Erfindung des Automobils im Jahr 1886 rund um den Globus etwa 1,4 Milliarden Pkw gebaut wurden, und irgendwie haben es auch drei Millionen Trabis geschafft, dazugezählt zu werden. Das ist bemerkenswert, aber nicht unbedingt logisch. Immerhin gilt der Trabant, der zwischen 1957 und 1991 in Zwickau zusammengeklebt wurde, vielen Zeitgenossen eher als Schikane denn als Auto. Andererseits ging die bereifte Streichholzschachtel im Arbeiter- und Bauernstaat nicht nur als Sehnsuchtsobjekt der Massen durch, sondern erfreute sich nach dem Kollaps der DDR auch bei Nostalgikern, Bastlern und Oldtimer-Liebhabern großer Beliebtheit.

Dennoch: Wer die spöttischen Blicke der Passanten irgendwann leid ist, zu chronischen Rückenschmerzen neigt oder hin und wieder ganz gern mal ohne Panne von A nach B fährt, ist längst umgestiegen: auf ein echtes Auto.

Man muss den Trabi deshalb ja nicht gleich in die ewigen Jagdgründe schicken. Als Blumenkübel im Vorgarten oder als Freizeit-Zweitwagen macht er durchaus eine respektable Figur. Und was gibt es für einen eingefleischten Automobilisten Schöneres, als der Welt da draußen zwei Wagen vorzuführen, die man nicht nur selbst besessen hat, sondern die auch kaum unterschiedlicher sein könnten? Eben. Das ist die herrliche Genugtuung, den Aufstieg von der Pappe zum Porsche, BMW oder VW geschafft zu haben.

har



insgesamt 15 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Marian Müller, 10.11.2014
1. Bild 21
Wo kann man auf dem Bild mit dem Campingplatz einen Trabi bestaunen. Ich sehe nur Skodas. Im Vordergrund einen S1000 MB. Die hinteren Fahrzeuge sehen wie Skoda S440 aus. Evtl. ist der ganz, ganz weit hinten, der himmelblaue ein Trabi. Aber das kann man schon gar nicht mehr richtig erkennen. Insofern ist die Postkarte als Beleg sehr schlecht ausgewählt.
Johannes Roth, 10.11.2014
2. Realsatire
Die Fotos mit dem Porsche - das muss Realsatire sein - selten so gelacht
Max Blum, 10.11.2014
3. Arroganter Text, nette Fotos
Dass der Trabi immernoch viele Fans hat, liegt nicht nur an Blödelei, sondern an seiner Robustheit und Wartungsfreundlichkeit. Das Auto machen einfach viel Spaß. Sitzen kann man auch gut darin (von wegen Rückenschmerzen!, woher haben Sie das!?). Laut ist er, das ist wahr. Lange Strecken auf der Autobahn sind schrecklich. Aber dafür ist er auch nicht gemacht. Ein vollwertiges Familienauto ist er trotzdem. Der 08/15-Wessi musste bei seinem Käfer das Gepäck aufs Dach schnallen, in den Trabi ging in den 420 Liter-Kofferraum alles rein. - ein durchdachtes Auto. Selbst der aktuelle Golf hat einen kleineren Kofferraum!
Peter Carotin, 10.11.2014
4. Symbolik
Auf der Postkarte ist nicht ein Trabi zu finden und die Autowracks werden auf nem Iveco abtransportiert. Aber so ist das mit der Geschichtsschreibung: was nicht passt wird passend gemacht.
Laurent Delon, 11.11.2014
5.
Naja, die Freundin wird wahrscheinlich auch schon gegen was neues schnittigeres ausgetauscht worden sein.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2007
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.