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Patrick Mariathasan / DER SPIEGEL

Neues von gestern – der Geschichte-Newsletter Ein Dokument des Hasses

Kurz vor Kriegsbeginn offenbarte Hitler den Wehrmachtsgenerälen seine Vernichtungspläne. Im August 1939 sprach er voller Größenwahn und Aggression – das und mehr im Newsletter.

Liebe Leserin, lieber Leser,

viele Reden und Äußerungen Adolf Hitlers stecken voller Hass. Doch im August 1939, kurz vor dem deutschen Überfall auf Polen, hielt er eine Rede, die so gespickt war mit hochaggressiven Äußerungen und Größenwahn, dass die – heimlich angefertigte – Mitschrift lange als Fälschung galt. Nicht zuletzt weil Hitlers Publikum aus Wehrmachtsgenerälen bestand: Etliche deutsche Nachkriegshistoriker wollten nicht wahrhaben, dass die Wehrmachtsführung schon vor dem ersten Angriff im Detail über Hitlers Plan eines Vernichtungskriegs informiert war.

Redner Adolf Hitler: Hochaggressive Äußerungen und Größenwahn

Redner Adolf Hitler: Hochaggressive Äußerungen und Größenwahn

Foto: United Archives International / IMAGO

Denn der Diktator sagte damals Sätze wie: »Ich habe den Befehl gegeben – und ich lasse jeden füsilieren, der auch nur ein Wort der Kritik äußert – dass das Kriegsziel nicht im Erreichen von bestimmten Linien, sondern in der physischen Vernichtung des Gegners besteht. So habe ich, einstweilen nur im Osten, meine Totenkopfverbände bereitgestellt mit dem Befehl, unbarmherzig und mitleidslos Mann, Weib und Kind polnischer Abstammung und Sprache in den Tod zu schicken. Nur so gewinnen wir den Lebensraum, den wir brauchen.«

Der Historiker Norman Domeier hat die Geschichte des Redetranskripts erforscht und kommt zu dem Schluss: Das Dokument ist echt. Hitler legte bereits im August 1939 seine verbrecherischen Kriegsziele offen, und es gab Männer, die von Beginn an wussten, was kommen würde. Wie die geheime Rede an die Öffentlichkeit kam und warum sie in den Nürnberger Prozessen nach Kriegsende dennoch keine Rolle spielte, hat Domeier für uns aufgeschrieben.

Hans und Sophie Scholl mit Christoph Probst, ebenfalls Mitglied der Weißen Rose

Hans und Sophie Scholl mit Christoph Probst, ebenfalls Mitglied der Weißen Rose

Foto: George Jürgen Wittenstein / akg-images

Erst die drohende Niederlage im Zweiten Weltkrieg führte zu nennenswertem Widerstand in der Wehrmacht – etliche der Generäle, die Hitlers Rede 1939 gelauscht hatten, gehörten zu der Gruppe, deren Attentat auf Hitler am 20. Juli 1944 scheiterte. Vor allem die traumatische Niederlage in der Schlacht um Stalingrad im Winter 1942/43 brachte etliche Soldaten ins Zweifeln. Wenig bekannt ist, dass diese Schlacht – die im August vor 80 Jahren begann – auch die Widerstandsgruppe »Weiße Rose« um Hans und Sophie Scholl anstachelte. Oberleutnant Fritz Hartnagel, der Freund von Sophie Scholl, kämpfte in Stalingrad und berichtete in seinen Briefen nach München regelmäßig von der Situation an der Front. Wie eng die Aktionen der Weißen Rose mit den Ereignissen in Stalingrad verknüpft waren, erklärt der Geschichtsjournalist Hauke Friederichs.

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