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Afghanistan in den Sechzigern: Exotik und Abenteuer

Foto: Bill Podlich

Afghanistan-Fotos aus den Sechzigern Im Minirock durch Kabul

Wer sich Afghanistan vorstellt, denkt an Krieg und Zerstörung. Wenn Peg und Jan Podlich an Afghanistan denken, erinnern sie sich an die schönste Zeit ihres Lebens: Ihre Familienfotos aus den Sechzigern zeigen zwei fröhliche Teenager auf Erkundungstouren - und die verlorene Schönheit des Landes.

In einem kurzen ärmellosen Sommerkleid sitzt die junge Jan Podlich auf einem Blumenkübel und blinzelt vergnügt in die Sonne. Sie ist gerade 15 Jahre alt, neben ihr steht ihre zwei Jahre ältere Schwester Peg. Die beiden verbringen den Tag im berühmten Garten von Paghman, dem malerischen Kurort der afghanischen Bourgeoisie, etwa 20 Kilometer entfernt von Kabul. Das Foto zeigt die beiden Amerikanerinnen im Sommer 1967. Man sieht dem Bild die Zeit an, es wirkt ein wenig verblichen und fleckig, doch das Rot der Blumen leuchtet noch immer intensiv.

2012 fanden die Schwestern das Bild zusammen mit einer ganzen Reihe weiterer Afghanistan-Fotos in einer Kiste auf dem Dachboden ihres Vaters. Heute hat Paghman seinen Glanz verloren. Das hügelige Städtchen wurde verheert durch die Kriegswirren der letzten vierzig Jahre: Bürgerkrieg, Invasion der Roten Armee, Stammesrivalitäten, Machtergreifung der Taliban-Milizen, Krieg gegen den Terror. Afghanistan kommt nicht zur Ruhe.

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Foto: Bill Podlich

"Endlich raus aus Arizona"

William Podlich ahnte 1966 nichts davon. Als der Professor für Pädagogik seinen Töchtern kurz vor Weihnachten eröffnete, dass die Familie für ein Jahr nach Afghanistan gehen würde, weil er dort einen Job als Lehrer angenommen habe, jauchzten die Mädchen vor Freude. "Endlich raus aus dem immergleichen Tempe im heißen Arizona, endlich ein Abenteuer", hatten sie gedacht, erinnern sich Jan und Peg im Gespräch mit einestages.

Bis auf den Kauf von Winterstiefeln, kniehoch, schwarz, hatten sich die Mädchen nicht auf die Reise vorbereitet. "Wir haben uns Afghanistan ein bisschen wie Denver, Colorado vorgestellt. Weil es dort auch Schnee gibt", sagt Peg Podlich. "Was uns kulturell erwarten würde, konnten wir uns gar nicht vorstellen." Deshalb steckten sie einfach ihre Kleidchen, Miniröcke, Handtäschchen und Sonnenbrillen in den Koffer und machten sich auf nach Kabul.

Umso verblüffter waren sie bei ihrer Ankunft in Afghanistan: Zum ersten Mal sahen sie verschleierte Frauen auf der Straße. "Ihre bunten Gewänder, die Körper, Gesicht und Hände verdeckten, wehten im Wind. Für uns sahen sie aus wie freundliche Geister", sagt Jan Podlich. Sonst wunderten sie sich über kaum etwas, im Gegenteil: Die beiden Teenager fühlten sich schnell pudelwohl in ihrer neuen Heimat. Mit einer ganzen Reihe von Schnappschüssen  hat ihr Vater die unbekümmerte Zeit in Afghanistan festgehalten.

Fotoschatz gegen Vorurteile

An den Wochenenden machten sie Ausflüge, fuhren mit dem Bus über die Grenze nach Pakistan und erkundeten das Nachbarland. "Ich habe mich nie unsicher gefühlt", sagt die ältere Schwester. Wenn die beiden Frauen von Afghanistan erzählen, spürt man die Freude. Sie erinnern sich gerne an die Menschen, die prachtvollen Moscheen, die Bazare mit dem wundervollen Obst, die antiken Stätten. "Am besten haben mir die Buddha-Statuen im Bamiyan Valley gefallen", sagt Peg Podlich. "Das war das Älteste, was wir je gesehen haben."

Die Statuen wurden 2001 von den Taliban zerstört, ebenso wie weite Teile des kulturellen Erbes in den letzten Jahrzehnten vernichtet worden sind. Wer sich Afghanistan heute vorstellt, denkt an Krieg und Zerstörung. Deshalb sind die Podlich-Schwestern so stolz auf ihren Fotoschatz: "Die meisten unserer Landsleute meinen, sich durch die Nachrichten im Fernsehen ein Bild von diesem Land machen zu können", sagt Jan Podlich. "Dabei bilden sich schnell Vorurteile über Religion und Lebensweise." Sie und ihre Schwester wüssten jedoch um das Potential dieses Landes: Sie erinnern sich genau, wie es einst dort war, und glauben fest daran, dass es dort wieder schön werden kann. Die Fotos ihres Vaters sind ihr Beweis.

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