Antisemitismus »Das Gerücht über Juden«

Uralter Hass trifft auf moderne Verschwörungsmythen – Ressentiments gegen Juden sind eine ständige Bedrohung. Die Historikerin Miriam Rürup erklärt, welche Stereotype antisemitisch sind und wo die Wurzeln liegen.

Deutschland hat ein Problem mit Antisemitismus: 2020 registrierten die Behörden 2351 antisemitische Straftaten. In keinem Jahr waren es mehr, seit sie 2001 erstmals gesondert erfasst wurden. Der Anschlag von Halle 2019, die Angriffe auf einen Synagogenbesucher und zuletzt auf einen Teilnehmer einer Mahnwache gegen Antisemitismus in Hamburg – die Liste antijüdischer Gewalt ist lang.

Hinzu kommen viele Fälle von Alltags-Anfeindungen. Einen beschrieb jetzt der Musiker und Schauspieler Gil Ofarim: Der Rezeptionist eines Leipziger Hotels habe ihn aufgefordert, seine Kette mit einem Davidsstern, einem wichtigen Symbol des Judentums, abzulegen (»Packen Sie Ihren Stern ein«).

Antisemitismus ist Ablehnung, Feindschaft oder Hass gegenüber Jüdinnen und Juden. Er gefährdet Menschen, grenzt aus, schürt Hass. Hinter der heutigen Bedrohung steht eine schreckliche Tradition: Seit der Antike, seit mehr als 2000 Jahren, werden Jüdinnen und Juden geschmäht, verfolgt und ermordet. Dabei handelt es sich von Anfang an immer auch um eine wahnhafte Weltsicht, eine Art Verschwörungsmythos, der »die Juden« verantwortlich macht für politische, gesellschaftliche, soziale, religiöse oder auch moralische Probleme und Verwerfungen. Der Philosoph Theodor W. Adorno schrieb 1951: »Antisemitismus ist das Gerücht über Juden.«

SPIEGEL Geschichte 3/2021

Antisemitismus: Was der uralte Hass mit modernen Verschwörungsmythen zu tun hat

Dass der Antisemitismus gerade auch in Deutschland so verbreitet ist, lässt sich auch mit der Geschichte erklären. Es reicht nicht, nur bis zum Nationalsozialismus zurückzuschauen – die Wurzeln reichen viel tiefer.

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In einem Heft über Antisemitismus hat SPIEGEL GESCHICHTE den Bogen bis weit zurück in die Geschichte gespannt und erklärt, was der uralte Hass mit modernen Verschwörungstheorien zu tun hat. Eine große Rolle spielen dabei bestimmte Stereotype. Sie sind aus der Sicht vieler Expertinnen und Experten gesellschaftlich tief verankert und Teil des kollektiven Bewusstseins – selbst wenn Einzelne sich ihrer gar nicht bewusst sind.

Welche einflussreichen antisemitischen Stereotype gibt es? Welchen historischen Hintergrund haben sie, wie wirken sie sich heute aus? Das erklärt in den folgenden Beiträgen die Historikerin Miriam Rürup, Professorin an der Universität Potsdam und Direktorin des Moses Mendelssohn Zentrums für europäisch-jüdische Studien.

Stereotypen – die Kehrseite: Philosemitismus

Die Unterstellung:  Juden seien intelligenter, begabter, witziger, moralisch bessere Menschen

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