Fotostrecke

Odyssee der "Odyssey" - die Pannen-Mission von "Apollo 13"

Foto:

NASA

Drama um "Apollo 13" Odyssee im Weltraum

"Houston, wir haben ein Problem" - die Astronauten von "Apollo 13" waren auf dem Weg zum Mond, als ein Sauerstofftank explodierte. Mit Glück und Geschick entkamen sie im April 1970 knapp der Katastrophe.

Es geschah 322.000 Kilometer von der Erde entfernt. Die Situation war überaus brenzlig: "Okay, Houston, wir haben hier ein Problem gehabt", funkte zuerst Astronaut John Swigert. 15 Sekunden später meldet auch Kommandant Jim Lovell "das Problem" erdwärts - mit fast den gleichen Worten. Die beiden befinden sich mit Fred Haise im Raumschiff "Odyssey" auf dem Weg zum Mond. In Houston ist es der Abend des 13. April 1970.

An diesem Montag wissen die Raumfahrer von "Apollo 13" noch nicht, wie todernst ihre Lage ist. Und was sie nicht einmal ahnen können: Sie haben ein geflügeltes Wort geprägt - leicht verkürzt zu "Houston, wir haben ein Problem" sollte es später zum Motto des Hollywoodfilms "Apollo 13" werden.

Empfohlener externer Inhalt
An dieser Stelle finden Sie einen externen Inhalt von YouTube, der den Artikel ergänzt und von der Redaktion empfohlen wird. Sie können ihn sich mit einem Klick anzeigen lassen und wieder ausblenden.
Externer Inhalt

Ich bin damit einverstanden, dass mir externe Inhalte angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittplattformen übermittelt werden. Mehr dazu in unserer Datenschutzerklärung.

Neun Monate vor dieser Mission, im Juli 1969, hatten die USA den Wettlauf im Weltall für sich entschieden: Mit der ersten Mondlandung von "Apollo 11" deklassierte die Nasa die russische Raumfahrt - weltweit fieberten Hunderte Millionen Menschen in den historischen Stunden mit, als Neil Armstrong die ersten Schritte auf dem Mond tat. Und gleich im November folgte die Punktlandung der "Apollo 12"-Fähre, nur 52 Meter vom geplanten Ziel entfernt. Allerdings war die Begeisterung der Öffentlichkeit und der Medien schon abgeflaut.

Bis es zum "großen Sprung für die Menschheit" kam, hatte es schwere Unfälle gegeben. So waren 1967 bei einem Test am Boden drei Astronauten in ihrer Kapsel verbrannt. Und als die Nasa im Mai '69 den Mondflug mit "Apollo 10" testete, wären zwei Astronauten beinah abgestürzt - das zugeschaltete TV-Publikum hörte ihre Flüche live.

"Wir hatten hier einen ziemlich lauten Knall"

Danach aber eilte die Nasa von Erfolg zu Erfolg. Mit "Apollo 13" sollte die Landefähre "Aquarius" in einem hügeligen Hochland des Mondes aufsetzen und Swigert im "Odyssey"-Modul den Mond umkreisen, während Lovell und Haise geologische Studien durchführen. Erfahrung im All hatte allein Kommandant Lovell, sogar mit mehreren Mondumkreisungen; die beiden anderen waren Weltraumnovizen.

Am 11. April 1970 schien noch alles bestens: Donnernd stieß die "Saturn V" in den wolkenlosen Himmel über Florida . Dass kurz nach dem Start starke Vibrationen der zweiten Stufe die Rakete durchrüttelten, dass ein Triebwerk zu früh abschaltete - kein folgenreiches Malheur. Die "Saturn" sorgte selbsttätig für eine längere Brenndauer der anderen Triebwerke. "Apollo 13" gelangte auf die korrekte Flugbahn zum Mond. 

Fotostrecke

Odyssee der "Odyssey" - die Pannen-Mission von "Apollo 13"

Foto:

NASA

Dann aber schrecken die Astronauten nach 55 Stunden und 55 Minuten auf. "Wir hatten hier einen ziemlich lauten Knall", funkt Haise nach Houston. Der Blick aus dem Fenster ist beunruhigend - Trümmerstücke und gefrorener Sauerstoff umschwirren das Raumschiff wie Popcorn.

Erst später wird klar: Einer der beiden Sauerstofftanks ist explodiert, die Leitungen des anderen Tanks sind ebenfalls demoliert, sein Inhalt entweicht. Von den drei Brennstoffzellen, die mit dem Sauerstoff Strom und Wasser erzeugen, funktioniert nur noch eine. "Die Ressourcen zur Lebenserhaltung kamen dem Kommandomodul abhanden - wie Blut, das aus einem Körper fließt", erinnerte sich Gene Kranz, damals Flight Director in der Bodenkontrolle.

Macgyvern im Weltall - die Bastelstunde

Schnell steht fest: Der Sauerstoff reicht nur noch für wenige Stunden, aus der Mondlandung wird nichts. Und jetzt? Das Haupttriebwerk zur Bahnänderung zu zünden kommt nicht infrage, es könnte ebenfalls beschädigt sein. Als Ersatz benutzen die Astronauten die Düsen der Landefähre, um ihr Raumschiff auf eine freie Rückkehrbahn zu bringen. Der Mond soll umrundet und dann ohne weitere Antriebszündung ein Erdkurs eingeschlagen werden.

Swigert kann nun seine Spezialkenntnisse ausspielen - er war an der Ausarbeitung der Notfallprozeduren der "Apollo"-Kapseln beteiligt. In der "Odyssey" kann die Besatzung nicht bleiben und wechselt in die Landefähre. Doch die Aussichten sind düster: Bei nur zehn Prozent liege die Wahrscheinlichkeit für eine glückliche Heimkehr, lassen Nasa-Offizielle die Ehefrauen der Astronauten wissen.

Denn als Rettungsboot ist die Landefähre kaum geeignet. Sie kann regulär nur zwei Astronauten unterstützen, und das nur für die kurze Zeit der Mondlandung - keine drei Männer auf dem viertägigen Rückflug zur Erde. Um Strom zu sparen, werden daher alle verzichtbaren Bordgeräte abgeschaltet. Weil deren Abwärme aber auch zur Heizung der Fähre beiträgt, sinkt die Temperatur bis an den Gefrierpunkt.

Überfordert ist ebenso das System zur Luftreinigung. Ein orangefarbenes Warnlicht meldet toxisches Kohlendioxid, das sich in der Atemluft der Fähre gefährlich anreichert. Mit Plastiktüten, Karton, Socken und viel Klebeband basteln die Astronauten einen Adapter, mit dem sich die Kohlendioxid-Filter der "Odyssey" auch in der Aquarius betreiben lassen. Die Bauanleitung kommt aus Houston, wo ein Ingenieur-Team die Lösung für das Adapterproblem erdacht und auf Tauglichkeit überprüft hat.

Hält der Hitzeschild?

Kurz vor Erreichen der Erde müssen die Astronauten zurück in die Landekapsel der "Odyssey", nur sie kann den Eintritt in die Atmosphäre überstehen. Das beschädigte Servicemodul verglüht in der Atmosphäre, wie bei einem normalen Flug. Die Mondfähre teilt das gleiche Schicksal. Am 17. April um die Mittagszeit ist in der Bodenkontrolle die Spannung mit Händen zu greifen. Niemand weiß, ob der Hitzeschild der Kapsel bei der Explosion beschädigt wurde.

Beim Eintritt in die Atmosphäre gibt es keinen Funkkontakt; nie hat der Blackout länger als drei Minuten gedauert. Die Minuten der Funkstille zerren an den Nerven, schon fürchtet man in Houston, die Besatzung sei verloren. Doch nach vier Minuten und 27 Sekunden melden sich die Mondfahrer. Sie sind deutlich flacher und somit länger durch die Atmosphäre geflogen. Trotzdem kann die Kapsel sicher an Fallschirmen wassern.

Anzeige
Dambeck, Thorsten

Das Apollo-Projekt: Die ganze Geschichte -- Mit Originalaufnahmen der NASA

Verlag: Franckh-Kosmos Verlags-GmbH & Co. KG
Seitenzahl: 160
Für 14,99 € kaufen
Produktbesprechungen erfolgen rein redaktionell und unabhängig. Über die sogenannten Affiliate-Links oben erhalten wir beim Kauf in der Regel eine Provision vom Händler. Mehr Informationen dazu hier

Ausgelaugt werden die Männer geborgen. Haise leidet an einem Harnwegsinfekt durch zu wenig Trinkwasser. Lovell, der nur hin und wieder gefrorene Hotdogs essen konnte, hat über sechs Kilogramm Gewicht verloren. Aber das Drama im All ist glücklich überstanden, das Trio der lebensgefährlichen Situation entkommen.

Später bezeichnet die Nasa die Mission als "erfolgreichen Fehlschlag", da die Astronauten heil zurückgekehrt sind. Und tatsächlich erfuhr die öffentliche Wirkung des Mondprogramms mit "Apollo 13" einen Zwischenschub: Millionen Menschen fieberten bei der Rettung mit, selbst Papst Paul VI. betete für eine sichere Heimkehr.

Plutonium im Pazifik

Eine Kommission, zu der auch Mondspaziergänger Neil Armstrong gehörte, ging dem Unfall auf den Grund und fand mehrere Ursachen: Der Sauerstofftank war rund 18 Monate vor dem Start einige Zentimeter tief gefallen und hatte Schaden genommen. Zudem hatte die Nasa bereits Jahre zuvor verfügt, die Spannung der elektrischen Systeme des Tanks auf 65 Volt zu erhöhen, wie auf der Startrampe üblich. Die neuen Spezifikationen hatten die Herstellerfirma jedoch nie erreicht.

Genau als John Swigert den Ventilator im Tank aktivierte, kam es zum Kurzschluss in der überlasteten Elektrik. Rasch breitete sich im Tank ein Feuer aus, der Druck stieg enorm - bis zur Explosion.

Noch immer liegen irgendwo unter den Wellen des Südpazifik fast vier Kilogramm radioaktives Plutonium 238. Sie stammen aus der zentralen Atombatterie, die bei der Mondlandung die Messgeräte mit Strom versorgen sollte. Beim Sturz in die Erdatmosphäre befand sich die brisante Batterie in der "Aquarius"-Fähre. Ihre Trümmer vermutet man sechs bis neun Kilometer tief irgendwo im Tongagraben.

Nach "Apollo 13" landeten noch viermal US-Astronauten auf dem Mond, bis 1972. Doch bei Politik und Medien schwand das Interesse an den teuren Missionen. Für John Swigert blieb der "Odyssey"-Flug sein einziges Weltraumabenteuer. 1982 errang er für die Republikaner ein Mandat im US-Kongress, starb aber noch im selben Jahr an Krebs. Fred Haise wäre fast mit dem Space Shuttle zur Raumstation Skylab geflogen. Auch diese Nasa-Station geriet im Erdorbit in Probleme, als sie früher als erwartet wieder absackte. Doch die Fertigstellung des Shuttles verzögerte sich, und Skylab stürzte im Sommer 1979 ab; Haise verließ die Nasa.

Und Kommandant Lovell? Zweimal kam er dem Mond zum Greifen nah, hat ihn aber nie betreten. Bereits 1973 kehrte er der Weltraumbehörde den Rücken und arbeitete als Manager. Als Pensionär kam er zu einem Hollywood-Kurzauftritt: In "Apollo 13" verkörperte er 1995 den Kapitän des Schiffes "Iwo Jima", das die Landekapsel birgt - und im Film schüttelte der echte Jim Lovell dem Film-Lovell, gespielt von Tom Hanks, die Hand.