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Legendäre Sportduelle: Mann gegen Frau - Kampf der Geschlechter

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Kampf der Geschlechter Vorsicht, es könnte peinlich werden

Jeder "halbdemente Mann" fege die beste Spielerin vom Platz, tönte Tennis-Macho Bobby Riggs 1973. Dann traf er auf Billie Jean King - ein filmreifer Showdown, der berühmteste Geschlechterkampf im Spitzensport.

Sie traf und traf und traf. Gnadenlos zerschoss Zhang Shan in Barcelona eine Tontaube nach der anderen: 50, 100, 200. Am Ende waren es 223. Damit wurde die Chinesin 1992 mit nur zwei Fehlschüssen sensationell Olympiasiegerin.

Ein historischer Triumph - als erste Frau hatte sie die gesamte männliche Weltelite deklassiert. Denn im Tontaubenschießen maßen sich damals Männer und Frauen in einer gemeinsamen Wettkampfklasse.

Diese Schmach sollte sich nicht wiederholen. Und so ließen die männerdominierten Sportverbände bei den nächsten Spielen nur eine reine Männerklasse im Tontaubenschießen zu. Frauen konnten erst wieder bei Olympia im Jahr 2000 antreten, unter sich. Besser nicht mischen: Es könnte ja peinlich werden.

Ähnlich wie Zhang war es 1938 der deutschen Fechterin Helene Mayer ergangen, als die Weltmeisterin den amerikanischen Fechtmeister geschlagen hatte. Sogleich verbot der US-Fechtverband solche Duelle - Männer würden gegen Frauen eben nur halbherzig kämpfen.

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Legendäre Sportduelle: Mann gegen Frau - Kampf der Geschlechter

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Zhangs und Mayers längst vergessene Triumphe sind deshalb bemerkenswert, weil sie an einer verbreiteten Grundüberzeugung rütteln: Männer sind Frauen im Sport grundsätzlich überlegen.

Rein physisch gibt es daran wenig Zweifel. Mindestens zehn Prozent soll der männliche Leistungsvorsprung betragen, dank Testosteron, mehr Muskelmasse und Lungenvolumen. So überraschte es Sportmediziner kaum, dass 2003 die Bubis von der B-Jugend des VfB Stuttgart die deutschen Frauenfußball-Weltmeisterinnen mit 3:0 vorführten.

"Männliche Frauen sind der größte Irrtum der Natur"

Aber nicht nur Feministinnen sehen auch andere, sozialhistorische Ursachen der Leistungslücke. Wurden Frauen nicht lange systematisch vom Leistungssport ferngehalten? 1928 jedenfalls hatte Olympia für den US-Sportfunktionär Frederick Rand Rogers noch eine rein "männliche Natur". Er empfand es als "zutiefst unnatürlich", dass Leichtathletinnen erstmals an den Spielen teilnehmen durften. "Männliche Frauen", wetterte er, seien der "größte Irrtum der Natur".

Dabei hatte die britische Frauenrechtlerin und Schriftstellerin Mary Wollstonecraft schon im 18. Jahrhundert gefordert: "Erst wenn die Frauen dieselben Chancen zur Körperertüchtigung erhalten wie die Männer, wird sich herausstellen, wie weit die natürliche 'Überlegenheit' des Mannes reicht."

Nach dieser Kampfansage dauerte es zwei Jahrhunderte, bis Frauen nach und nach ihren Platz im Spitzensport eroberten. Lange hieß es noch, das gefährde die Gebärfähigkeit oder verletze die Sexualorgane. Frauen könne zum Beispiel "beim Laufen die Gebärmutter herausfallen" - von solchen Unsinnsmythen weiß auch Kathrine Switzer zu berichten. Sie pfiff auf Funktionärsverbote und absolvierte trickreich 1967 als erste Frau mit offizieller Startnummer den Boston-Marathon. Die zornigen Rennchefs versuchten vergeblich, sie von der Strecke zu rempeln.

Startnummer 261 - die verbotene Frau
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Seitdem haben Frauen im Marathon wie in anderen Sportarten deutlich aufgeholt; immer wieder kam es auch zu spektakulären Duellen zwischen Männern und Frauen. Kürzlich erst forderte etwa Lindsey Vonn, US-Skistar und ebenso talentiert in der Disziplin Selbstvermarktung, dass sie sich mit der Männerelite messen darf.

Der berühmteste der Geschlechterkämpfe, verfilmt mit Hollywoodstar Emma Stone, kommt am 23. November in die deutschen Kinos. "Battle of the Sexes" erzählt die Geschichte eines Tennisduells von 1973 zwischen der fünffachen Wimbledonsiegerin Billie Jean King, 29, und Ex-Spitzenspieler Bobby Riggs, 55. Großmäulig hatte der alternde Wimbledonsieger von 1939 geätzt: "Jeder halbdemente Mann ist jederzeit in der Lage, die beste Tennisspielerin vom Platz zu fegen."

Wirklich? Das galt es zu überprüfen. Am Muttertag 1973 kam es zu einem ersten Showkampf mit Margaret Court. Riggs überreichte der Weltranglistenersten vor dem Match einen Strauß Rosen. Und verpasste ihr dann umstandslos eine 6:2- und 6:1-Schlappe - fertig war das "Muttertagsmassaker".

"Jetzt bin ich der größte Penner aller Zeiten"

Riggs zweites Opfer sollte Billie Jean King werden, die wie keine andere für die Aufwertung des Frauentennis kämpfte. Sein perfektes Feindbild: Nach der Nummer 1 der Welt wolle er nun "die Nummer 1 der Women's Lib", der Frauenbefreiung, besiegen, lästerte der Playboy und Ober-Chauvi. King nahm das Duell um das Rekordpreisgeld von 100.000 Dollar an.

Während sie fleißig trainierte, sah man ihn nur mit zweitklassigen Trainingspartnern. Riggs feierte lieber exzessiv, rannte in T-Shirts (Aufschrift: "Männer wehrt euch!") von Talkshow zu Talkshow, zerfetzte vor Journalisten ein King-Poster. Er sei gern das größte Chauvi-Schwein, sagte er und witzelte, er bereite sich mit Unmengen an Pillen auf das Match vor.

So blies Riggs das Duell zum größten US-Sportereignis auf. Neben 30.000 Zuschauern im Houston Astrodome verfolgten am 20. September 1973 rund 50 Millionen TV-Zuschauer den Kampf der Geschlechter. Filmreif ließ King sich in einer federgeschmückten Sänfte von Männern mit nackten Oberkörpern in die Arena tragen. Riggs zog mit seinen spärlich bekleideten "Busenfreundinnen" in einer Rikscha ein.

Das Spiel war damit schon vor dem ersten Ballwechsel mit Klischees und Sexismus überfrachtet. Billie Jean King litt darunter: "Als ich mit einer Übelkeit bis zum Erbrechen in der Kabine saß, ging mir immer wieder der Gedanke durch den Kopf, dass es hier nicht nur um ein Tennisspiel ging, sondern um soziale Veränderung."

Auf dem Platz aber war es Riggs, der fahrig wirkte, trotz seiner lässigen "Sugar Daddy"-Trainingsjacke. Dem Daddy unterliefen serienweise leichte Fehler. Geschickt scheuchte King ihn über den Platz. Verschwitzt und längst ohne Trainingsjacke wirkte Riggs im dritten Satz, als sei er völlig stoned, wie ein Reporter notierte. Müde hielt er sich den Schlagarm. Nach einem verschenkten Volley verlor er mit 4:6, 3:6, 3:6.

"Billie Jean war zu gut, zu schnell", gab Riggs zu. "Ich denke, ich bin jetzt der größte Penner aller Zeiten."

War's etwa ein Mafia-Deal?

Kings Sieg war die ersehnte Sensation, die das Frauentennis vorantrieb. Plötzlich debattierte das ganze Land über Sexismus im Sport, über Gleichberechtigung, Respekt und faire Bezahlung weiblicher Profis. King wurde zur "Frau des Jahres" gewählt, die "Time" schwärmte von der durch sie entfachten "Revolution": "Die Frauen kommen endlich ins Boot und verwandeln den amerikanischen Sport."

Die Zweifler aber wollten nicht verstummen: Wie war Riggs' Leistungseinbruch zu erklären? Er hatte doch Margaret Court deklassiert, King mindestens ebenbürtig. Entnervt sagte King, es sei sicher "hart für die Egos" vieler Männer - aber Riggs habe sie unterschätzt.

Noch vier Jahrzehnte später, Riggs war bereits tot, kamen neue, abenteuerliche Spekulationen auf. So berichtete der Sportsender ESPN unter Berufung auf Zeitzeugen, Riggs habe absichtlich verloren, um seine Schulden bei Mafiosi zu begleichen - die dann massiv auf einen King-Sieg gewettet hätten. Riggs' Sohn hielt das gar für "möglich". Sein Vater hatte immer geprahlt, ein Zocker zu sein, war die verrücktesten Wetten eingegangen.

Wer an die Verschwörung glaubte, konnte sich durch spätere Geschlechterduelle bestätigt fühlen: Jimmy Connors besiegte 1992 Martina Navratilova 7:5 und 6:2 in einer Partie, die zum "Krieg" und zur "Schlacht der Egos" aufgepumpt worden war. Sechs Jahre später gewann sogar Kettenraucher Karsten Braasch, auf Platz 203 der Weltrangliste abgerutscht, gegen die jungen Williams-Schwestern, die behauptet hatten, sie könnten Männer aus den Top 200 schlagen.

Aus Gegnern wurden Freunde

Wie Connors spielte Braasch mit einem Handicap: Der deutsche Profi hatte nur einen statt zwei Aufschläge. Beim Seitenwechsel rauchte er, vor dem Spiel will er Radler gekippt haben. "Ich fühlte mich so entspannt, dass ich mich nicht mal richtig aufgewärmt habe", prahlte Braasch später. "Wir haben angefangen zu spielen, ich raste zu einer 5:0-Führung." Der Satz gegen Serena Williams endete 6:1. Den zweiten gewann er danach ebenso klar gegen Venus Williams.

Aus Macho-Sicht schien die Welt damit 1998, ein Vierteljahrhundert nach Kings Triumph, wieder in Ordnung. Und doch ist nichts wie zuvor: Längst hat sich der Frauensport professionalisiert, elektrisiert die Massen und macht auch Athletinnen zu hochbezahlten Weltstars. Die alten Denkmuster aber sind bis heute geblieben: Wer als Sportlerin zu erfolgreich ist, gerät schnell in den Verdacht, in Wahrheit ein Mann zu sein - oder wird wie die kluge, noch sehr lange aktive Navratilova als "Raubtier" entweiblicht.

In solchen Momenten lohnt es sich, an Bobby Riggs zu denken. Der hatte sich später mit seiner einstigen Rivalin King gut angefreundet. Einen Tag vor seinem Krebstod 1995 telefonierte King mit ihm. Er sei stolz, wie seine Niederlage dem Frauensport zum Durchbruch verhalf, soll Riggs gesagt haben.

Die Gegner des "Geschlechterkampfs des Jahrhunderts" verabschiedeten sich zärtlich für immer: "I love you", sagten beide.

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